Biosphäre Potsdam – eine “Totgeburt”?

Eine Totgeburt liegt laut deutscher Personenstandsverordnung vor, wenn nach der Geburt eines mindestens 500 Gramm schweren Kindes kein erkennbares Lebenszeichen nachzuweisen ist, also weder das Herz geschlagen noch die Nabelschnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat (§ 31 PStV).

Bezogen auf die Biosphäre Potsdam würde das heißen, dass sie bereits bei ihrer Fertigstellung im Jahr 2000 eine Fehlplanung war und schon damals klar gewesen ist, dass sie nicht lebensfähig sein würde. Über viele Jahre schien sie aber sehr lebendig gewesen zu sein. Auch wenn sie immer wieder bezuschusst werden musste. Bis 2016 musste sie die Stadt Potsdam am Leben erhalten, so stand es in der mit dem Land Brandenburg abgeschlossenen Fördervereinbarung. Mit 21,5 Millionen Euro hatte die Landesregierung das 29 Millionen Euro teure Projekt aus Landesmitteln gefördert.

Anstatt die Biosphäre als eine "Totgeburt" zu bezeichnen – wie am 10. Juli 2017 in der MAZ geschehen -, wäre es richtiger gewesen, darüber zu schreiben, wann ihr der Todesstoß versetzt wurde.
Das war im Jahr 2012, als im Ergebnis einer Bürgerbefragung die Entscheidung für einen Badneubau am Brauhausberg und gegen seine Errichtung im Bornstedter Feld getroffen wurde. Als Hauptargument gegen ein Bad im Bornstedter Feld galten die hohen Kosten.

Deshalb beauftragten die Stadtverordneten 2010 die Stadtverwaltung und die Stadtwerke der Landeshauptstadt Potsdam, die Planungen für ein Bad im Bornstedter Feld für 18 Millionen Euro zu beginnen. Es sollte ein Familienbadebereich und eine wettkampftaugliche Sportschwimmhalle mit zehn Bahnen a 50 m entstehen. Bei den Planungen stellte sich Ende 2011 heraus, dass der Bau dieser Badvariante in einem Kostenrahmen von 18 Millionen Euro nicht zu realisieren ist.

Das am 7. Juni 2017 am Brauhausberg eröffnete neue Sport- und Freizeitbad kostete letztlich 40 Millionen Euro. Damit war klar, die Stadt muss sich von der Biosphäre trennen. Denn das möglicherweise für sie verwendbare Geld wurde schon am Brauhausberg "vergraben".

Dass es sich hierbei nicht um ein Einzelrproblem der Potsdamer Politik und Verwaltung handelt, sollen die nachfolgend aufgeführten Beiträge belegen:

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Drama am Bassinplatz: Mit unabsehbaren Folgen