1842: Friedrich Drake – ein Bildhauer in Rühstädt

Ein Künstler – zumal ein freischaffender – ist stets froh, wenn er einen Auftrag erhält. Da ist es ihm gleich, ob er dafür aufs Land muss. Der in Berlin wohnende 37jährige Friedrich Drake übernahm deshalb auch die Aufgabe, ein Grabdenkmal für die im Alter von nur 22 Jahren verstorbene Bertha von der Schulenburg anzufertigen. In dem nahe der Mündung der Havel in die Elbe gelegenen Prignitzdorf Rühstädt sollte es seinen Platz haben. Auftraggeber waren ihre Eltern; Friedrich Wilhelm Achatz von Jagow, Gutsherr auf Rühstädt, Quitzöbel und anderen, und Adelaide Gräfin von Hacke.

Schloß Rühstädt um 1859.

Bertha von Jagow wurde am 6. Januar 1813 in Berlin geboren. Seit 1809 waren ihre Eltern verheiratet. Ein Jahr zuvor, mit Vertrag vom 6. Mai 1808, hatte ihr Großvater, der Deichhauptmann Georg Otto Friedrich von Jagow, das Gut Rühstädt seinem Sohn Friedrich Wilhelm Achatz übertragen. Der Taxwert wurde mit 150 000 Talern festgelegt. Ein Drittel davon waren Hypotheken. Vermutlich Restschulden aus dem Neubau des Schlosses. Das 1719 durch den damaligen Besitzer Friedrich Wilhelm von Grumbkow gebaute Schloss war 1780 abgebrannt. Das Gut Rühstädt kam in die Zwangsversteigerung, über die es die von Jagows erwarben. 1781 und 1782 ließ der neue Besitzer auf den alten Fundamenten ein neues spätbarockes Schloss errichten, einen zweigeschossigen Putzbau, 13achsig an der Hof- und zwölfachsig an der Gartenseite. Die zum Gut gehörenden Bauern mussten dafür Baudienste leisten, wogegen sie sich aber wehrten. Deshalb verklagte Jagow 1781 seine Untertanen aus Bälow, Gnevsdorf und Rühstädt. Mit dem Schlossbau wurde auch der dazu gehörige Park umgestaltet, im Stil des französischen Barock. Am 4. August 1818 kam Berthas Bruder Carl Georg zu Welt. 1833 heiratete sie im Alter von 20 Jahren den sieben Jahre älteren Otto Ludwig Wilhelm Graf von der Schulenburg. Mit dem sie nach Salzwedel zog. Bei der Geburt des ersten Kindes verstarb sie dort am 20. Oktober 1835.

Friedrich Drake im Atelier.

Die Eltern wollten ihr ein Denkmal setzen und beauftragten damit Friedrich Drake. Es wird sich um eine Empfehlung gehandelt haben. Von dem Bildhauer und Professor der Berliner Akademie der Künste, Carl Friedrich Wichmann. Dieser hatte bereits 1827 für von Jagow gearbeitet, als er eine Büste von dessen Vater anfertigte. Oder der Bildhauer Daniel Christian Rauch setzte sich für den jungen Mann ein. In dessen Atelier erhielt Drake seine Ausbildung. „Im Atelier des Herrn Professor Rauch begann ich mein Studium und nahm gleichzeitig in der Königlichen Akademie der Künste, an der Modellier-Übung nach dem lebenden Modell Theil, sowie mich nach einiger Zeit der Professor Rauch auch zur Hilfe bei seinen Arbeiten gebrauchte.“ Hinzu kam, dass zu Rauchs Freundeskreis auch Wichmann zählte.Aus schlesischem Marmor fertigte Drake bis 1842 ein Grabdenkmal, bestehend aus einem Relief mit einer Darstellung von Mutter und Kind und einer Inschrift. Wobei es nicht die Verstorbene darstellen soll. „Dem Andenken unserer innigst geliebten einzigen Tochter Berta von Jagow vermählte von der Schulenburg geboren in Berlin d. 6. t. Januar 1813 gestorben in Salzwedel d. 20. t. October 1835. Die trauernden Eltern Friedrich von Jagow. Adelaide von Jagow geborene Gräfin von Hacke.“ Heute ist es eines der Hauptwerke der Berliner Bildhauerschule des Klassizismus in der Prignitz.

© Dr. Volker Punzel, GeschichtsManufaktur Potsdam (24.08.2020)