1826: “Wittstocker Wochenblatt”

Im 19. Jahrhundert nahm die Verbreitung von Druckerzeugnissen einen großen Aufschwung. Neue Druckmaschinen, wie die 1812 erfundene Schnellpresse oder die ab 1845 zum Einsatz kommenden Rotationsmaschinen, ließen in kurzer Zeit eine große Zahl von Druckerzeugnissen herstellen. Die technischen Voraussetzungen für das Entstehen einer Massenpresse waren gegeben.

Die Schnellpresse revolutionierte das Zeitungswesen.

Das wachsende Interesse der Bevölkerung an Informationen aus Politik und Gesellschaft kam dem entgegen. Wie auch die Aufhebung des staatlichen Anzeigenmonopols. Für das Zeitungswesen entstand damit eine zweite Einnahmequelle – der Anzeigenverkauf. Durch ihn konnte die Zeitung selbst noch preiswerter abgesetzt werden, was zu ihrer wesentlich größeren Verbreitung führte. Hinderlich war die 1819 mit den so genannten Karlsbader Beschlüssen festgeschriebene Pressezensur. Durch die Preußische Zensur-Verordnung vom 18. Oktober 1819 galt sie auch in den Herrschaftsgebieten des Königs von Preußen.

In Karlsbad wurde 1819 mit der Pressezensur der Versuch unternommen, die Kontrolle über die Verbreitung von Meinungen zu behalten.

.Johann Friedrich Cotta, Gründer der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ wünschte sich 1803 eine Zeitung, die „mit Vollständigkeit, mit Unparteilichkeit, mit Wahrheit und in einer reinen Sprache jedes Ereignis unter einen solchen Gesichtspunkt zu stellen sucht, aus dem es am richtigsten und deutlichsten aufgefasst werden konnte“. Aber erst mit dem Aufkommen der Generalanzeiger-Presse erlangte die nach objektiven Kriterien verfasste Nachricht als journalistisches Prinzip eine besondere Bedeutung.

Die erste in der Prignitz erschienene Zeitung war das „Wittstocker Wochenblatt“. 1826 kam die erste Ausgabe des Presseerzeugnisses heraus und 1830 die letzte. Das eigentliche Pressezentrum der westbrandenburgischen Region wurde aber Perleberg. Für die Jahre 1828 und 1829 ist hier die Zeitung, „Gemeinnütziges Wochenblatt für Perleberg und die Umgegend“ belegt. Friedrich August Friese wird als der Herausgeber genannt. Von 1836 bis 1843 wurde das Wochenblatt von dem in der Stadt ansässigen Buchhändler Götze publiziert. Ihr Druck erfolgte zunächst in Rathenow, ab 1837 aber in einer neu gegründeten Druckerei in Perleberg. 1840 gab der Perleberger Verleger Friedrich Jacobson das „Wochenblatt für die Städte Kyritz, Wusterhausen, Neustadt a. D., Pritzwalk und Umgegend“ heraus. Von 1844 bis 1848 erschien bei ihm der „Anzeiger für Perleberg und die Umgegend“.

Die Paulskirchenverfassung von 1848 verankerte erstmals gesetzlich die Pressefreiheit. Nach der Niederwerfung der revolutionären Bewegungen ein Jahr später kamen zwar wieder verschiedene Behinderungen für die schreibende und veröffentlichende Zunft auf. Die alte Kontrolle über die Presse konnte aber nicht wiederhergestellt werden. Im Reichspressegesetz von 1874 wurde die Pressefreiheit endgültig gesetzlich festgeschrieben.Ab 1848 erschien in Perleberg „Der Bürgerfreund“. Die letzte Ausgabe kam 1860 heraus. Anfang Juli 1854 gründete der Lithograph Carl Krüger seine Lithographie- und Steindruckerei in der Stadt. Ab 1882 war sie mit dem Druck und der Herausgabe der „Prignitzer Nachrichten“ befasst.

Zu den in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgegebenen Presseerzeugnissen gehörten weiterhin der Wittstocker Anzeiger (1873-1887), das Kreisblatt für die Westprignitz (ab 1861) und das Kreisblatt für die Ostprignitz (1852-1885) sowie der Stadt- und Landbote (1896-1916).

Bildquellen: Wikipedia

© Dr. Volker Punzel, GeschichtsManufaktur Potsdam (24.08.2020)