Unruhe unter der Mieterschaft wird verschärft

Es herrscht Unruhe unter Potsdams Mieterschaft. Oder besser gesagt, unter einem Teil. Genau genommen, bei jenen, die ihre Wohnung verlieren sollen oder die Gefahr eines Wohnungsverlusts bei Verkauf ihres Wohnraumes an Kapitalanleger sehen. Die Unruhe hätte vermieden werden können.  Die Verursacher derselben hatten daran aber vermutlich nicht gedacht oder sie haben diese Situation billigend in Kauf genommen. Dabei hätten sie wissen müssen, dass jeder Versuch, Wohnraum zu vernichten oder preiswerten Wohnraum in lukrative Kapitalanlagen umzuwandeln, kaum auf Gegenliebe bei der Öffentlichkeit stößt. Die aktuelle Situation auf dem Potsdamer Wohnungsmarktkann auch keine andere Reaktion bei den Betroffenen  herrvorrufen.

Öffentlich gemacht wurde der am 27. September 1990 beschlossene Verkauf von 90 städtischen Wohnungen an der Großbeerenstraße in Babelsberg.  Man könnte dies als eine Reaktion auf den am 22. August durch die Stadtverordnetenversammlung gefassten Beschluss interpretieren, die Miete für die 17.000 durch die Pro Potsdam verwalteten Wohnungen ab 1. Oktober 2012 nur noch um 15 Prozent innerhalb von vier Jahren steigen zu lassen. Bislang waren 20 Prozent Mietsteigerung innerhalb von drei Jahren möglich.Auf vier Millionen Euro wurde die Summe beziffert, die die Pro Potsdam dadurch weniger einnehmen würde.
Was ein Verkauf der 90 Wohnungen für die Pro Potsdam-Kasse an Einnahmen bringen würde, ist (zumindest öffentlich) noch nicht bekannt. Klar ist jedoch jetzt schon, dass die Unruhe unter den betroffenen Mietern sich noch steigern wird. Nicht in jedem Fall werden die Befürchtungen der Betroffenen Realität. Zumindest was die Angst vor Verlust ihrer Wohnung als Resultat einer pauschalen Kündigung durch den neuen Eigentümer anbelangt. Da wird die Stadt im Verkaufsvertrag schon die entsprechenden Klauseln einbauen. Nicht gefeit sind die Mieterinen und Mieter aber davor, dass der neue Eigentümer Sanierungsarbeiten und Modernisierungen einleitet.was in der Folge, vor allem bei Modernisierungsmaßnahmen, zu einer Erhöhung der Miete führen würde. Die Wohnqualität würde sich in dem Fall vermutlich erhöhen. Und jede Mietparteiwäre dann vor die Entscheidung gestellt, wie sie sich verhalten soll. Die Pro Potsdam bietet an, für die betroffenen Mietparteien “sozialverträgliche Lösungen” suchen zu wollen. Die idealste wäre natürlich, auf den Verkauf zu verzichten.

Mit dem Angebot von sozialverträglichen Lösungen müssen die Mieterinnen und Mieter im Haus Am Luisenplatz 1 wohl nicht rechnen. Der von ihnen bewohnte Hausteil wurde gemeinsam mit den Hausnummern Schopenhauerstraße 30 und 31 verkauft. Und die neuen Eigentümer wollen den gesamten Komplex nutzungsmäßig völlig verändern. Dabei scheuen sie sich auch nicht davor, Wohnungen in Gewerbeflächen umzuwandeln. Und das bei der aktuellen Wohnungssituation in Potsdam.

Damit die Umwandlung des Gebäudekomplexes in ein Ärztehaus erfolgen kann, wurde ihnen vorsorglich die ordentliche und fristgemäße Kündigung des Mietverhältnisses übermittelt. Das sorgt natürlich für Unruhe. Zumal die Betroffenen nicht wissen, ob sie – vorausgesetzt sie finden in Potsdam überhaupt adäquaten Wohnraum – auch vor dem ihnen übermittelten Kündigungstermin den Mietvertrag beenden können.

Am liebsten würden die Mieterinnen und Mieter von Am Luisenplatz 1  gar nicht ausziehen wollen. Die Lage der Wohnungen finden sie gut. Mit dem Ausstattungsgrad und dem Zustand der Wohnungen hatten sie bislang offensichtlich auch keine Probleme. Und am unverständlichsten ist für sie, dass hier Wohn- in Gewerberaum umgewandelt werden soll.

(Erstmalig veröffentlicht im Blog des Mietervereins Potsdam und Umgebung e.V. im Jahr 2013.)