Glaubwürdigkeit der Medien

Laut einer Studie, die der Westdeutsche Rundfunk (WDR) bei infratest dimap in Auftrag gegeben hat und die am 29. und 30. Oktober 2015 erstellt wurde, halten 65 % der Befragten die in den Tageszeitungen zu lesenden Informationen für glaubwürdig. 29 Prozent halten sie für weniger glaubwürdig. Der WDR fasst das Ergebnis unter der Überschrift “Lügenpresse hat keine Mehrheit” zusammen.

Der Anlass, der zur Erarbeitung dieser Studie führte, ist erkennbar und mit einem ganz konkreten aktuellen Bezug. Doch wie steht es wirklich um die Qualität der Medien, wie viel Vertrauen kann man zu den von ihnen verbreiteten Informationen haben? Eine befriedigende Antwort darauf zu finden, ist sehr schwer, versucht man Deutschlands Medienlandschaft insgesamt zu betrachten. Deshalb beschränken sich die nachfolgenden Beispiele auf einen sehr stark eingegrenzten Bereich: auf die “Märkische Allgemeine. Potsdamer Tageszeitung” (MAZ).

Nur durch Verkauf eine Chance

Zeitungen haben nur eine Existenzmöglichkeit, wenn mit jeder Ausgabe so viel wie möglich Geld hereingeholt wird, ob über den Vertrieb in Form von Abonnements, über den Verkauf der Druckexemplare oder der elktronischen Zeitungsausgabe oder über Einnahmen durch Werbung. Die “Märkische Allgemeine” bezeichnet sich in ihrer Selbstdarstellung als Brandenburgs auflagenstärkste Abonnementzeitung.

Es erscheinen täglich (Montag bis Samstag) insgesamt 15 Ausgaben der Märkischen Allgemeinen, wobei die Potsdamer Tageszeitung mit 24.476 Exemplaren die größte verkaufte Auflage hat. Die Druckauflage aller 15 Lokalausgaben betrug im 2. Quartal 2015 ( IVW) insgesamt 128.490 Exemplare, die verkaufte Auflage 118.890 Exemplare, davon 109.092 im Abonnement. Die “Märkische Allgemeine” wird täglich von 374.000 (MA 2015) Menschen gelesen und ist damit die reichweitenstärkste Abo-Zeitung in Brandenburg.

Etwas über 109.000 Menschen haben die MAZ abonniert. Rund 9.800 Zeitungen wurden im 2. Quartal über den öffentlichen Verkauf täglich vertrieben. 9.600 Zeitungen fanden jedoch keinen Abnehmer. 12.480 Euro Verlust sind das, die über den Tagesverkauf hätten eingenommen werden sollen.

Seite 1 wichtig für Kaufentscheidung

Ob eine Zeitung aus dem Zeitungsregal heraus genommen und für ihren Erwerb Geld ausgegeben wird, hängt zumeist davon ab, welche Informationen sie dem Käufer  zu bieten verspricht. Der potentielle Käufer sieht nur die obere Hälfte der Zeitungstitelseite und verbindet seine Kaufentscheidung vor allem mit dem Inhalt der dort stehenden, und schnell zu lesenden Überschriften.

Die “Märkische Allgemeine. Potsdamer Tageszeitung” versucht in ihrer Ausgabe vom 3. November 2015 den Käufer mit folgenden Überschriften zum Kauf der Zeitung zu bewegen.

Ermittler finden Kinderpornos auf Computer von Silvio S.

Wutrede gegen Rassismus

Woidke: Land nimmt keine Flüchtlinge aus Berlin

Ab Freitag drohen Streiks bei der Lufthansa

Stadtverordnete entscheiden über Klipp

Flüchtlinge werden im Hotel untergebracht.

Die Überschrift zum Hauptbeitrag über den Mörder von Mohamend und Elias und die “Wutrede” des Trainers vom Fußball-Regionalligisten Babelsberg 03 könnten verkaufsfördernd gewirkt haben. Zumal als wichtigste Aussage zu den Worten von Cem Efe hervorgehoben wird: “Das MAZ-Video ist bundesweit ein Youtube-Hit.” Und die Kurzinformation über die mögliche Abwahl des Potsdamer Baudezernenten Matthias Klipp endet mit dem Satz: “Seine Abwahl gilt als sicher, denn offenbar hat sich der Dezernent mehr zu Schulden kommen lassen als bislang bekannt.”

Nach Kauf den Presseleuten ausgeliefert

Der Zeitungskäufer kann, wenn er denn die von ihm für den Kauf favorisierte Zeitung durchblättern würde, anhand der dort auf die Schnelle zu lesenden Informationen seine Kaufentscheidung noch einmal überdenken. Der Abonnent hat diese Möglichkeit nicht. Mit dem Abschluss seines Abonnements hat er sich den die Texte verfassenden Personen vollständig ausgeliefert.

Ein Journalist [ʒʊʁnaˈlɪst] ist jemand, der sich „hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt“ (Definition des Deutscher Journalisten-Verbandes). Der Journalist betätigt sich im Journalismus. Die Berufsbezeichnung Journalist ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt und darf auch ohne entsprechende Ausbildung geführt werden. Journalisten arbeiten in einer Vielzahl von Tätigkeiten und Funktionen wie Korrespondent, Redakteur, Reporter, Chef vom Dienst, Bildredakteur, Kolumnist, Feuilletonist, Leitartikler, Fotojournalist, Videojournalist, Modejournalist oder Moderator. (Quelle: Wikipedia)

Und diesen ist das bewussst. Bewusst sind sie sich auch der Macht, die sie mit Hilfe ihrer veröffentlichten Beiträge ausüben. Ereignise und Personen können gezielt positiv nach oben geschrieben werden, lassen sich aber auch in noch größerer Geschwindigkeit per Zeitungsartikel vernichten. Aktuell muss Letzteres Potsdams Baudezernent Matthias Klipp durchmachen.

Das Hin und Her mit der Abwahl

Eine Abwahl lässt sich mit juristischen Argumenten nach Stand der Dinge nicht mehr rechtfertigen. Was bleibt ist die Ablehnung etlicher Kommunalpolitiker gegenüber einem Politiker, der vielen auf den Schlips getreten ist – und das Gefühl des Oberbürgermeisters, dass er dem Mann nicht mehr trauen kann. Reicht das? (Ulrich Wangemann in MAZ vom 5. Oktober 2015)

Jetzt liegt er wieder auf dem Tisch der Staatsanwälte: Der Prüfbericht zur Affäre Klipp aus der Feder von Rechnungsprüfungschef Christian Erdmann und Rechtsamtsleiterin Karin Krusemark. Die Berliner Staatsanwälte kannten das Werk, welches die Genehmigungsgeschichte des Klippschen Privathauses im Bertiniweg beleuchtet, bisher nicht.(Ulrich Wangemann in MAZ vom 7. Oktober 2015)

Es geht um seinen Ruf und seine Karriere:… . Seine Abwahl gilt als sicher, denn offenbar hat sich der Dezernent mehr zu Schulden kommen lassen als bislang bekannt war… (Marion Kaufmann in MAZ vom 3. November 2015)

Über das Ergebnis der Stadtverordnetenversammlung vom 4. November 2015 wird die MAZ in ihrer Ausgabe am Folgetag berichten.

Das Problem mit den Formulierungen

Die Handlung führt von Bautzen über Lausitzer Dörfer bis in den Spreewald, auch Schloss Moritzburg, das berüchtigte Lustschloss des Sachsenkönigs, ist Schauplatz der Handlung. (Bastian Pauly: Sagenhafte Sorben. … In. MAZ vom 2. November 2015)

Warum Schloss Moritzburg ein berüchtigtes Lustschloss war, teilt Bastian Pauly nicht mit. Vielleicht weiß er es nicht. Möglicherweise gefiel ihm diese Formulierung so, dass er sie gedankenlos hinschrieb?

Die Geschichten um Krabat weiß man nicht nur in der Lausitz als faszinierendes Allgemeingut zu schätzen, Otfried Preußler hat ihm ein literarisches Denkmal gesetzt. (Derselbe. In. Ebenda)

Nur für Bastian Pauly zur Weiterbildung.
Otfried Preußler schrieb das Buch “Krabat” im Jahr 1971.  Drei Jahre zuvor bereits hatte Jurij Brězan das Jugendbuch “Die schwarze Mühle“, ebenfalls ein Krabat-Buch, veröffentlicht und 1976 folgte von ihm der Roman “Krabat oder die Verwandlung der Welt” (obersorbisch “Krabat“). Aber schon 1955 übersetzte Brězan die Geschichte Mišter Krabat (dtsch. Meister Krabat) von Měrćin Nowak-Njechorński unter dem Titel Meister Krabat der gute sorbische Zauberer ins Deutsche übersetzt. Und dieser Měrćin Nowak-Njechorński, dessen Roman 1954 in sorbischer Sprache erschien, sollte von einer im Land Brandenburg veröffentlichten Tageszeitung auch an erster Stelle genannt werden, wenn es um die Beantwortung der Frage geht, wer Krabat ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

Otfried Preußler bezeichnete Nowak-Njechorńskis Version als eine Inspirationsquelle für sein eigenes Jugendbuch Krabat, das sich allerdings nur auf die Gesellenjahre Krabats beschränkt. Preußler entdeckte den Stoff 1958 in der Internationalen Jugendbibliothek München und bekam das Buch in tschechischer Sprache ausgehändigt. (Quelle: Wikipedia)

(Wird anhand aktueller Beispiele weitergeführt.)