Drama am Bassinplatz: Mit Folgen

Mit welchen Worten lässt sich kurz beschreiben, was seit dem 2. Juni 2017 in der Straße Am Bassin vor sich geht. Ignoranz, Arroganz, Borniertheit, Desinteresse, bewusste Schädigung der Tourismuswirtschaft, Schädigung der Außenwirkung von Potsdam…?

Journalismus basiert auf der Wiedergabe und Vermittlung von Tatsachen sowie auf der klaren Trennung zwischen Tatsachenvermittlung und Kommentar. Also wenden wir uns zunächst ersterer zu.

Am 2. Juni 2017 gegen 12.25 Uhr brach in der Straße Am Bassin ein 40 cm Durchmesser umfassendes Wasserrohr. Das unter hohem Druck ausströmende Wasser unterspülte die Straße in einer Länge von 100 Metern und ließ einen am Straßenrand abgestellten Pkw im Erdreich einsinken. (Volker Oelschläger von der MAZ schrieb am 15. Juni 2017: “Autos versanken und mussten mit Kranen geborgen werden.” Ein dem Beitrag beigefügtes Foto zeigte jedoch nur eins?!) Die Straße wurde sofort für jeglichen Verkehr gesperrt. Dank einer Ende Mai 2017 beendeten Modernisierung am Hochbehälter auf dem Kirchberg bei Neu Fahrland konnte der Wasserstrom automatisch gestoppt werden und es erfolgten sofortige Sicherungsmaßnahmen.

Seit diesem Tag ist die Straße gesperrt. Am 15. Juni 2016 erhielten die von der Sperrung betroffenen Gewerbetreibenden und Anwohner per “Märkische Allgemeine Zeitung” die Information, dass dies noch vier bis fünf Wochen der Fall sein werde.

Der Inhaber des Fahrzeugs hofft auf Schadenregulierung durch seinen Autoversicherer. Die von der Straßensperrung betroffenen und mit Einnahmeverlusten rechnenden Geschäftsinhaber versuchen bei ihren Vermietern eine Minderung der Miete durchzubekommen. Ihre Aussichten sind aber nicht besonders gut. Vor allem wenn sie dies ohne rechtlichen Beistand versuchen und weil die Vermieter bei der Stadt wohl kein Gehör finden werden, wenn sie wegen Erstattung der ihnen mit der Straßensperrung und den Forderungen der Gewerbemieter nach Mietminderung entstandenen Kosten vorsprechen.

Das Ehepaar Büyük, das seit mehreren Jahren das Cafe und die Toilette auf dem Bassinplatz betreibt, muss diesen Umweg nicht gehen. Ihr Vermieter ist der Kommunale Immobilien Service (KIS), ein Eigenbetrieb der Stadt Potsdam, und dieser hat sich bislang nicht bei ihnen gemeldet. Dabei verlieren Büyüks täglich Einnahmen. Geld, das sie Monat für Monat für die Bezahlung ihrer Miete an das städtische Immobilienunternehmen benötigen. Mit ihnen fühlen die Fahrer der Reisebusse, die wegen der gesperrten Zufahrt Am Bassin nicht mehr auf den Busparkplatz kommen. Gelingt es ihnen, einen der für Busse vorgesehenen und nicht durch Pkw bzw. Lkw widerrechtlich genutzten Parkplätze in der Charlottenstraße zu nutzen, müssen sie auf den Bezahlung erfordernden Parkplatz am Lustgarten ausweichen. Auf das Ordnungsamt können sie nicht rechnen. Das kontrolliert nicht. Auch dann nicht, wenn es auf die offensichtlichen Verstöße gegen die Parkordnung hingewiesen wird. So geschehen am 20. Juni 2017.

26 Reisebusse können auf dem Bassinplatz stehen, Weitere zehn in der Charlottenstraße. Durchschnittlich kommen pro Bus 40 Gäste. Das wären bei 26 Bussen 1.040 Reisende, die nicht mehr den Bassinplatz erreichen. Sie dort absetzen und wieder abholen geht nicht wegen der am Straßenrand parkenden Busse. Jeder Gast gäbe bei einem mit dem Halt auf dem Bassinplatz ermöglichten Aufenthalt in der Innenstadt rund 10 Euro aus; für Toilette, Essen. Trinken und Einkäufe. Das wären 10.400 Euro, pro Tag. In der Woche ergibt sich so ein Mindestverlust von 50.000 bis 60.000 Euro. Bei sieben Wochen, von denen zwei bereits vergangen sind und fünf weitere avisiert wurden, wären das über 350.000 EURO Verlust an Einnahmen in der Innenstadt.

Ganz zu schweigen von dem Imageschaden den Potsdam bereits jetzt schon erlitten hat. Denn an dieser für den Tourismus äußerst wichtigen Stelle vermittelt die Stadt den Tourismusunternehmen deutschlandweit und im Ausland erneut, was sie von mit Bussen anreisenden Touristen in der Innenstadt hält und auch von den Unternehmen, die für die Touristen arbeiten, damit sie sich wohlfühlen und gern wieder nach Potsdam kommen.

Zweite Zufahrt? Kein Problem.

Die durch die Autobusse erfolgende Belastung der Straße Am Bassin sowie der darunter verlaufenden Versorgungsleitungen war den in der Stadt Potsdam für das Bauen verantwortlichen Bereichen der Stadtverwaltung – bis hin zum Büro des Oberbürgermeisters – sowie den seit Anfang der 1990er Jahre gewissermaßen auf Lebenszeit in der Stadtverordnetenversammlung sitzenden Stadtverordneten, darunter  Saskia Hüneke und Hans-Jürgen Scharfenberg, seit mindestens 1995 bekannt. Im Zusammenhang mit der Bewerbung der Stadt Potsdam für die Bundesgartenschau (BUGA) 2001 hatte der Sanierungsträger Potsdam am 15. Dezember 1995 18 Projekte öffentlich gemacht, die in der Innenstadt bis zur BUGA und für sie umgesetzt werden sollten. Darunter war auch die Umgestaltung des Bassinplatzes. “Historie und Neugestaltung sollen hier eine gestalterische Einheit eingehen, um attraktive öffentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen”, hieß es dazu in dem der Presse übergebenen Material.

Der Bassinplatz stellt den größten Freiraum der unterversorgten Innenstadt mit hohen Erholungspotentialen und -qualitäten dar.

Die in der Ende 1995 vorgelegten  “Dokumentation der Arbeitsergebnisse zum Bewerbungsverfahren der Stadt Potsdam für die Bundesgartenschau 2001” für den Bassinplatz formulierten Zielstellungen lauteten:

– Wiederherstellung des alten Platzgrundrisses auf Grundlage der Pläne von Peter Joseph Lenné;
– Schaffung eines vielfältig nutzbaren Stadtraumes zur Erholung sowie als Marktplatz;
– Integration der Französischen Kirche in die Platzanlage durch Rückbau der Charlottenstraße
.

Der sich auf dem Bassinplatz befindende Busbahnhof war bereits 1994 teilweise zurückgebaut worden. Zu einem vollständigen Rückbau und der Nutzung der dadurch freiwerdenden Fläche hatte man sich 1995 noch nicht durchringen können. Am 25. September 1998 erfogte die feierliche Einweihung des umgestalteten Nordteils (Markt) des Bassinplatzes. Der Abschluss der Bauarbeiten in diesem Bereich erfolgte im Dezember 1998. Im Frühjahr 1999 wurde der Kiosk auf dem südlichen Teil des Platzes abgerissen und es erfolgten Neupflanzungen von Lindenbäumen. Danach ruhten die Arbeiten. 2002 entfernte die Firma Behnke die Betonflächen des vormaligen Busbahnhofes – dieser war 2001 mit Einweihung des neuen Hauptbahnhofs auf dessen Vorplatz umgezogen – und entfernte das Dach desselben. Am 5. August 2002 gingen die Umgestaltungsarbeiten im südlichen Platzbereich weiter. Neben dem Erhalt des Taxihalteplatzes an der katholischen Kirche waren 13 Halteplätze für Touristenbusse auf dem Platz vorgesehen sowie weitere zehn an der Charlottenstraße. Die Zu- und Abfahrt der Reisebusse vom und auf den Platz sollte wie bereits in der Zeit des Busbahnhofs über die Straße Am Bassin erfolgen. Eine weitere Zu- und Abfahrt, zum Beispiel in der Charlottenstraße, war nie vorgesehen und auch niemals darüber diskutiert worden.

Planung für den Bassinplatz aus dem Jahr 2002

Dass eine zweite Zu- und Abfahrt niemals vorgesehen war, rächte sich im Juni 2017. Dabei waren die Bedingungen für eine Schaffung derselben in der Nähe des historischen Toilettenhauses vorhanden. Beeinträchtigt wurde diese Möglichkeit erst, als die Stadt auf die Idee kam, auf dem Bassinplatz Glascontainer aufzustellen.
Eine durch den Autor dieses Beitrages am 22. Juni 2017 erfolgte Besichtigung des Platzes, gemeinsam mit dem Fahrer eines 14 m langen Reisebusses, ergab, dass es nur weniger Änderungen bedarf, um die Zufahrt zu schaffen. Und dafür nicht mehr als zwei Tage benötigt würden:

– Schaffung einer provisorischen Auffahrt an der Bordsteinkante der Charlottenstraße
– Verschieben der Glascontainer um wenige Meter in nördliche Richtung
– Abbau der Belüftung für die unterirdisch angelegten Glascontainer und Schutz derselben mit einer provisorisch darauf gelegten Bitumenschicht.

Seit dem 2. Juni 2017 ist bei der Stadtverwaltung und bei den städtischen Unternehmen offensichtlich noch niemand auf diese Lösung gekommen. Müssen sie eigentlich auch nicht. Ihr Gehalt erhalten sie sowieso. Und dass andere in wirtschaftliche Schieflage geraten könnten, muss bei der Stadt niemanden interessieren. Und so können sie der städtischen  Potsdam Marketing und Service GmbH auch, ohne Sanktionen befürchten zu müssen, mittteilen:

Die Stadt will in den nächsten Tagen eine provisorische Zufahrt über die Charlottenstraße einrichten. Damit kann der Bassinplatz voraussichtlich ab dem Wochenende wieder genutzt werden.

Welches Wochenende?
Bis zum 22. Juni, 19 Uhr, ist auf dem Bassinplatz nichts passiert. Und wird wohl auch am Freitag, dem 23. Juni 2017, nichts passieren.

Einfache Lösungen fallen schwer

Wie voraus zu sehen war, hat sich sowohl am letzten Freitag als auch über das Wochenende nichts auf dem Bassinplatz getan. Zudem lassen die Vorschläge, die von den zuständigen Vertretern der Stadt gegenüber den “Potsdamer Neueste Nachrichten” öffentlich gemacht wurden, nichts Gutes bezüglich einer schnellen Lösung des Busproblems erwarten.

Sie wollen Hinweisschilder aufstellen und auf diesen darüber informieren, wo noch Busparkplätze zu finden seien, und die Busfahrer könnten sich im Internet ja auch selbst informieren. Die Äußerungen der Rathaussprecherin Friederike Herold sind eine Verhöhnung der Reisebusfahrer. Über soviel Intelligenz verfügen sie allemal und haben sich bereits seit Beginn des Rohrproblems in dieser Richtung allein geholfen und helfen müssen.

Was Sie benötigt hätten, wäre die oben skizzierte zweite Zufahrt zum Bassinplatz, um ihre Gäste in der Innenstadt absetzen zu können bzw. eine Möglichkeit des zeitweiligen Halts in der Charlottenstraße. Doch dort sind alle Flächen von den Bussen besetzt, die als erstes dort sind. Hätte die Stadt per Schild ein oder zwei Flächen blockiert, die nur zum kurzzeitigen Aus- und Einladen der Fahrgäste genutzt werden dürften, wäre auch allen anderen später kommenden Busfahrern geholfen gewesen. Um diese neue (zwischenzeitliche) Regelung durchzusetzen und um für ihre Einhaltung zu sorgen, wäre es zudem erforderlich eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes dort dauerhaft einzusetzen.

Aber auch das ist wahrscheinlich zu einfach, als dass man in der Stadtverwaltung von allein darauf kommen könnte.

Armes Potsdam! Und das nicht nur bei diesem Thema!

Busparkplätze auf Bassinplatz – Stiefmütterlich behandelt

Potsdam lebt vom Tourismus und von den Touristen. Das ist eine Binsenwahrheit und dürfte eigentlich nicht immer wieder betont werden müsen. Aber es muss ständig betont werden. Denn die für die Geschicke der Stadt Verantwortlichen in Politik und Verwaltung scheinen diese einfache Wahrheit offenbar nicht verinnerlicht zu haben.

Mitte der 1990er Jahre führten die Händler der Innenstadt immer wieder Klage, auch öffentlich, dass die nach Potsdam kommenden Touristen zwar Effekte für die Schlösser und Gärten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg brächten, doch die Innenstadt davon nichts hätte. Um das zu ändern, forderten sie über die AG City die Einrichtung von Parkplätzen für Reisebusse in der Innenstadt. Das war wichtig und zeitlich genau richtig. Denn seit 1993 und dann vor allem in Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 2001 erfolgte eine Umgestaltung des Bassinplatzes.
Das dafür entwickelte Konzept sowie die darauf basierende konkrete Planung bezogen sich auf die Umgestaltung des nördlich der katholischen Kirche befindlichen Platzbereiches sowie des östlichen Platzteiles mit Grünberreichen und sowjetischem Soldatenfriedhof. Auf dem südlich der Kirche befindlichen Platzbereich befand sich zu dem Zeitpunkt noch der Busbahnhof für den öffentlichen Personennahverkehr. Hinzu kam, dass mit dem Brand im Karstadt-Kaufhaus 1995 dringend Platz für eine provisorische Versorgung der Innenstadtbevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs benötigt wurde. Dieses wurde dann am Standort der späteren Skaterfläche realisiert.
Das Thema “Parkplätze für Reisebusse in der Innenstadt” kam in der damaligen Planung für den Bassinplatz nicht vor und spielte gedanklich auch keine Rolle in der Stadtverordnetenversammlung sowie in der Verwaltung und damit auch nicht bei dem für die Umgestaltung des Platzes verantwortlich gemachten Sanierungsträger Potsdam.

Ende Oktober 1999 war klar, dass die Linienbusse den Bassinplatz räumen und neue Haltemöglichkeiten an der Südseite des im Bau befindlichen Potsdamer Hauptbahnhofes bekommen würden. Die auf dem Platz frei werdenden Flächen sollten u.a. als “Einstiegsplätze für Touristenbusse” dienen. Bernd Cronjaeger, damals Geschäftsführer des Sanierungsträgers Potsdam, begründete dies mit den Worten: “Damit soll der Stadttourismus belebt werden, denn der Sanssouci-Tourismus geht daran vorbei.” Die Potsdam-Besucher sollten die Stadt vom Brandenburger-, Jäger- und Nauener Tor sowie von einem Haltepunkt in der Nähe des Neuen Marktes erwandern, um dann am Bassinplatz wieder in ihren Bus zu steigen. Doch Klarheit herrschte damals noch nicht, ob sich diese Stellplätze auf dem bisherigen Areal des Busbahnhofes befinden könnten oder in der Charlottenstraße. Darüber musste das Stadtparlament entscheiden.

Bis 2002 hatte das Stadtparlament offensichtlich noch nicht über die Einrichtung von Stellflächen für Touristenbusse entschieden. Am 29. Mai 2002 berichtete die “Märkische Allgemeine” (MAZ) von Bauarbeiten im südlichen Bereich des Bassinplatzes und schrieb: “In der Tourismus-Hochsaison können hier Busse parken, winters könnte hier die Eislaufbahn stehen.”
Am 11. April 2002 hatte sich das Stadt Forum Potsdam auf seiner 13. Sitzung mit den öffentlichen Räumen und dabei auch mit der Zukunft des Bassinplatzes befasst. Die Kerngruppe des Stadt Forums hatte als einen Leitgedanken für die in der Sitzung zu führende Diskussion u.a. formuliert: “Wie kann für die öffentlichen Plätze in Potsdam trotz der vielfältigen (zersplitterten) Zuständigkeiten … ein abgestimmtes Nutzungskonzept und eine qualitätsvolle Gestaltung entwickelt werden?” Oberbürgermeister Matthias Platzeck nahm in seiner Begrüßung diesen Gedanken auf und “erbat von der heutigen Veranstaltung auch Vorschläge zur besseren Bewirtschaftung und sinnvollen Nutzung der öffentlichen Räume”. Doch kein Redner nahm sich des Themas an.
Am 14. Mai 2002 befasste sich der Bauausschuß der Stadtverordnetenversammlung mit der Umgestaltung des Bassinplatzes. Dabei wurde auch über ein Konzept der Stadt gesprochen, wonach der südliche Bereich des Bassinplatzes “als Platz für Reisebusse vorgesehen” sei. Die Touristen sollten von hier aus die Innenstadt besuchen und deren Handel und Gastronomie stärken. 13 Busstellplätze waren auf dem Bassinplatz vorgesehen und zehn an dessen südlichem Rand in der Charlottenstraße. Weitere zehn Stellplätze für Reisebusse sollte es in der Breiten Straße, der Schopenhauerstraße und in der Friedrich-Ebert-Straße. Weiterhin hieß es in dem Bericht der MAZ über diese Sitzung:

“Wir sind so weit wie noch nie zuvor”, sagte Jens Freiberg, Chef der Werbegemeinschaft. Potsdamer Geschäftsleute und Gastronomen hatten mit der Stadtverwaltung in einem jahrelangen Streit gelegen. Diese wollte den Bassinplatz als einzigen Busplatz ausweisen. Zum Vorteil für die Geschäftsleute dort, zum Nachteil der anderen. Die Betreiber der 16 Gaststätten fürchteten, weitgehend ohne die meist ältere Buskundschaft zu bleiben. Außer am Bassinplatz sollten die Busse nur am Parkplatz Mövenpick/Sanssouci stehen.

Das waren über mehrere Jahre die letzten Aktivitäten von Stadtverordnetenversammlung und Stadtverwaltung bezüglich Parkmöglichkeiten für Touristenbusse in der Innenstadt und insbesondere auf dem Bassinplatz. Nach den öffentlich zugänglich gemachten Unterlagen der SVV befassten sich die Stadtverordneten in den Jahren 2007 und 2008 mit den Möglichkeiten des Parkens auf dem nördlichen Teil des Bassinplatzes und im Jahr 2009 mit der Neuordnung des Marktes.

Im Februar 2010 sah sich die Stadt dann aber doch genötigt, das noch aus der Zeit der Bundesgartenschau 2001 stammende “Tourismusbuskonzept” (auch als “Touristenbuskonzept” oftmals bezeichnet) fortzuschreiben. In der Mitteilungsvorlage der Stadtverwaltung an die SVV am 2. Juni 2010 hieß es:

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Landeshauptstadt Potsdam. Die Grundlage für seine Entwicklung und Förderung bildet das Tourismuskonzept der Stadt. Eine der zentralen Aufgaben ist die Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur. Im Bereich des Gruppentourismus sind entsprechende Rahmenbedingungen für den Bustourismus erforderlich. Auf Grund erheblich veränderter Rahmenbedingungen in der Verkehrsorganisation sowie der zunehmenden touristischen Angebote in der Stadt Potsdam war eine Aktualisierung und Fortschreibung des Touristenbuskonzeptes, welches in Vorbereitung der Bundesgartenschau 2001 (BUGA) erstellt wurde, notwendig.
Ziel war es, in enger Abstimmung mit den Bereichen der Stadtverwaltung, Verkehrsträgern sowie betroffenen Akteuren und Bürgern konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmen zu erarbeiten, um den Touristenbusverkehr weiter zu qualifizieren.Zur Fortschreibung der Touristenbuskonzeption hat die Wirtschaftsförderung eine Öffentliche Ausschreibung nach VOL/A durchgeführt. Im Ergebnis wurde das Ingenieurbüro Hoffmann und Leichter beauftragt.
Das Ergebnis liegt uns jetzt vor und wird als Anlage bekannt gegeben.
In der Studie wurde eine grundsätzliche Beibehaltung des bisherigen Touristenbuskonzeptes empfohlen und für konkrete, z.T. konfliktreiche Einzelstandorte in der Landeshauptstadt einzelne Maßnahmen empfohlen.

Der Bassinplatz war nicht unter den zu untersuchenden Standorten. Dennoch nahmen sich die Autoren des Konzeptes seiner an.

6.2 Entwicklungspotenzial Bassinplatz
Bei den allgemeinen Verkehrsbeobachtungen wurden Reisebusse festgestellt, die die Standorte Cecilienhof, Neues Palais oder Sanssouci mit kurzem Halt anfuhren
und danach am Bassinplatz einen längeren Halt (Pausenzeit Fahrer) einlegten. Es bietet sich somit an, dieses Potenzial stärker zu nutzen und den Bassinplatz als
zentralen, gebührenfreien Busparkplatz für Pausenzeiten der Busfahrer anzubieten und dauerhaft zu erhalten. Die Hinweise hierzu sollten auf den entsprechenden
Internetseiten der Landeshauptstadt Potsdam und bei „Mobil in Potsdam“ sowie im Sales Guide erfolgen.

Eine Fremdnutzung des Reisebusparkplatzes am Bassinplatz durch Veranstaltungen ist in den Sommermonaten zu vermeiden bzw. auf Termine außerhalb der Haupttouristenzeiten zu verlegen.

Begleitend dazu sollte das touristische Kauf- und Serviceangebot am Bassinplatz ausgeweitet werden. Hierzu können gehören:
– Touristeninformation, Potsdam-Shop,
– Fußgängerleitsystem vom Bassinplatz zu nahen touristischen Zielen und Einkaufsmöglichkeiten,
– Rundgänge und Führungen ab Bassinplatz für Kurzentschlossene.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wollte bezüglich des Buskonzeptes besonders kreativ sein. In die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 11. Oktober 2012 brachte sie deshalb dazu einen Antrag ein. Im Zentrum ihres Anliegens stand die Entlastung der Bewohner des einstigen “KGB-Viertels” von den dort durchfahrenden Touristenbussen. Der Bassinplatz und seine zentrale Rolle für den Tourismus in Potsdam interessierte die Grünen aber nicht.

Eine extra dazu eingesetzte (weil im Antrag gefordert) Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Anliegen von Bü 90/Die Grünen. Mit Datum 30. Mai 2015 legte sie ihren Abschlussbericht vor.

Bericht aus der AG Touristenbusse:

 

Die Arbeitsgruppe hatte sich in 2012 in unterschiedlicher Konstellation bereits vor der Beschlussfassung zur Erörterung des Themas getroffen. Auf der Grundlage des letzten Treffens der AG am 18. 3. 2013 erfolgt dieser Bericht. Eine Abstimmung mit dem Leiter der verwaltungsinternen Projektgruppe „Mobilität und Klimaschutz“ hat zu dem Projekt stattgefunden.

In der Arbeitsgruppe sind vertreten:

 

          Stiftung Preussische Schlösser und Gärten

          Potsdam Tourismus Service/TMB

          Verkehrsbetrieb in Potsdam ViP

          Nachbarschaftsinitiative Am Neuen Garten zu Potsdam e. V.

          Busreiseunternehmen Anger

          Clustermanagement Tourismuswirtschaft der ZAB (ZukunftsAgentur Brandenburg)

          Fraktion Bündnis 90/Grüne

          Bereich Stadtentwicklung und Verkehrsentwicklung der Landeshauptstadt Potsdam

          Bereich Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam

 

Ausgangspunkt der Erörterungen sind die beschlossene Fortschreibung des Touristenbuskonzeptes der Landeshauptstadt Potsdam von 2010, in dem wesentliche Festlegungen zur Angebotsmethodik sowie zu Haltepunkten, Parkplätzen und Fahrtrouten von Reisebussen innerhalb des Stadtgebietes getroffen sind.

 

Unabhängig von dem gewollten und beförderten wirtschaftlichen Effekt auch durch Touristenbusse ergeben sich zugleich auch Belastungssituationen für den städtischen Verkehr und für einzelne Bewohner in touristisch geprägten Stadtteilen Potsdams. Die SituationCecilienhof/Am Neuen Garten“ ist hier besonders hervorzuheben.

 

Zentraler Gegenstand der Arbeit in der AG sind Überlegungen, wie unter Beibehaltung einer „touristenfreundlichen“ Angebotssituation diese Belastungen reduziert werden nnen. Die AG ist sich darüber einig, dass ein radikaler Bruch mit der derzeitigen Situation, wie z. B. ein Zufahrtsverbot für Busse Richtung Cecilienhof oder eine „Verbannung“ von Touristenbussen an den Stadtrand mit Shuttleverkehr innerhalb des Stadtgebietes zu den Sehenswürdigkeiten, gegenwärtig kein Ansatz für die Landeshauptstadt Potsdam ist. Die touristische Bedeutung Potsdams ist für derartige Auflagen gegenüber anderen touristischen Destinationen z. B. in Europa nicht groß genug; auch würden zahlreiche Probleme z. B. bei Hotelzufahrten entstehen. Eine Unterscheidung von „guten“ oder „schlechten“ Reisebussen, d. h., mit Hotelgästen oder Tagesgästen sst die StVO nicht zu.

 

Die AG vertritt im Ergebnis die Auffassung, dass der einzige Weg zur Verbesserung der Situation mittel- bis langfristig über eine schrittweise Veränderung erfolgen kann. Hierzu könnte die Schaffung von ersten alternativen Angeboten gehören, die bei Gästen (und Einwohnern) der Landeshauptstadt Potsdam zu einer wachsenden Nutzung und Nachfrage führen nnen. Dieses bedeutet aber auch, dass entsprechende Angebote zunächst über Vorleistungen geschaffen werden ssen, die dann über die generierte Nachfrage mittelfristig in eine Wirtschaftlichkeit geführt werden nnen.

 

Konkret hat sich hierzu die Vorstellung eines alternativ angetriebenen Shuttles (Elektrobus) als „hop on, hop off“– Angebot mit einer Strecke Hauptbahnhof Sanssouci Cecilienhof Hauptbahnhof als möglichen Linienverkehr ergeben. Auf einer touristische „Hauptachse“rde den Nutzern die glichkeit geboten, durch einen regelmäßig wiederkehrenden Umlaufshuttle individuelle Programmpunkte (Besichtigungen, Einkäufe etc.) ggf. auch spontan einzuplanen.

 

Ein solches Angebot ist nur unter Einsatz eines besonderen, hier: emissionsfreien Fahrzeugs denkbar. Die Schaffung eines weiteren, konventionell angetriebenen Rundfahrtangebotes ist nicht Intention der AG!

 

Die AG ist sich darüber im Klaren, dass für eine Realisierung der Projektidee noch maßgebliche Fragen zu klären sind. Hierzu gehören:

 

          Technische Möglichkeiten der Fahrzeuge (Reichweite, Ladezeiten etc.)

          Anschaffungskosten der Fahrzeuge

          Investitionskosten Ladestationen

          Betriebskosten, ggf. Betriebsdefizite

          rdermöglichkeiten, Sponsoring, Projektpartner

          gliche Pilotphasen

          Berücksichtigung vorhandener privatwirtschaftlicher Angebote und bestehender ViP-Linienverkehre

          Umsetzungsbeispiele anderer Städte

 

Die AG hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Fragen in ihrer weiteren Arbeit zu klären, soweit dies möglich ist.

 

Abschließend ist festzuhalten, dass sich die Teilnehmer der AG über die Ehrgeizigkeit der Projektidee bewusst sind. Zugleich wird von einem sehr hohen Image- und touristischen Wertgewinn für die Landeshauptstadt Potsdam ausgegangen. Ebenso könnte ein erster Schritt gemäß der eingangs beschriebenen Zielstellung gegangen werden. Gegenwärtig ist eine Wirtschaftlichkeit des Vorhabens ohne öffentliche Mittel nicht darstellbar. Die Herbeiführung von technischen und damit wirtschaftlichen Möglichkeiten scheint gegenwärtig nur über unterstütze Pilotprojekte möglich zu sein. Diese bringen aber zugleich einen sehr hohen Aufmerksamkeits- und Alleinstellungseffekte mit sich.

Anders ausgedrückt: Würde zunächst die technische Entwicklung und damit eine möglich Wirtschaftlichkeit des Vorhabens abgewartet, wären diese Effekte anderen Pilotphasen und anderen Destinationen bzw. Kommunen vorbehalten.

Bassinplatz? Auch hier nicht enthalten. Warum eigentlich nicht? Parkende Busse, weil ihre Insassen individuell zum Einkauf oder zur Erholung oder zu Gruppenführungen in der Innenstadt unterwegs sind, erzeugen keine Abgase. Also hätte es doch im Interesse der Grünen sein müssen, die Rahmenbedingungen für sie an diesem Standort zu verbessern? Doch soweit wurde nicht gedacht. War auch nicht erforderlich. Denn ihr Baubeigeordneter Matthias Klipp wohnte ja nicht dort. Aber in der Straße Am Neuen Garten!

Seitdem war  nichts mehr zum Thema “Touristenbusse” in Potsdam zu vernehmen. Bis zum Rohrbruch in der Straße Am Bassin am 2. Juni 2017.