Die “Russen” in Potsdam

Potsdam hat seit 1945 viele Umbrüche miterlebt, von denen es sich bis heute nicht vollständig erholt hat bzw. die noch einer sachlichen Aufarbeitung bedürfen.

Plakat 1943

Nationalsozialistisches Propagandaplakat (1943).

Prägende Ereignisse des Jahres 1945 waren die Zerstörung der Potsdamer Altstadt durch britische Bombenflugzeuge am 14. April und infolge der Kämpfe zwischen auf Durchhalten eingeschworenen Militärs, Volkssturmangehörigen und sich als “Werwölfe” fühlenden Jugendlichen einerseits und Truppen der Roten Armee andererseits. Wobei letztere kurz vor dem sichtbaren Ende des Krieges nicht noch ihr Leben verlieren wollten. Am 27. April 1945 waren die Kämpfe vorbei, und Potsdam von der Roten Armee besetzt. Oberst Andrej S. Werin wirkte ab dem 28. April 1945 als erster sowjetischer Stadtkommandant.
Die Propaganda des nationalsozialistischen Regimes hatte die Bevölkerung der östlichen Gebiete des Deutschen Reiches darauf vorbereitet, welches Schicksal ihnen unter den Russen drohen würde. Und die ersten Wochen der Besetzung schienen die nationalsozialistischen “Vorahnungen” zu bestätigen.
Doch was spielte sich, ganz konkret, 1945 in Potsdam ab? Bis heute können wir darauf keine solide Antwort geben. Die Gründe dafür sind vielfältig. der Hauptgrund ist jedoch, dass in den Jahrzehnten seit dem Ende des Krieges weder von sowjetisch/russischer Seite noch von der deuitschen Seite eine solide, wissenschaftliche, auf der Auswertung von Akten basierende Aufarbeitung dfer Zeit nach 1945 erfolgte. Das hängt u.a. damit zusammen, dass die Anfang der 1990er Jahre kurzzeitig zugänglichen Archive ab 1992 für die wissenschaftlich arbeitendenm Historiker nicht mehr zugänglich sind.

Plakat Sowjetsoldat DDRAuf die Propaganda der Nationalsozialisten folgte nach 1945 die Propaganda der Kommunisten, die aus dem “Erzfeind” ein scheinbar göttliches Wesen formte, ausgestattet mit den positivsten menschlichen Eigenschaften. Das 1949 im Treptower Park eingeweihte Ehrenmal verlieh dem am deutlichsten gestalterischen Ausdruck.
Auf der Strecke blieb bei all der Propaganda der Mensch:
Die Deutschen, die ihre Erfahrungen mit den Besatzern machen mussten bzw. konnten, und sie 49 Jahre später als “Freunde” verabschiedeten.
Die Angehörigen der Roten Armee, später der Sowjetarmee und noch später der Russischen Armee.
Bis heute wirken die die Normalität überlagernden Propagandawirkungen nach. Wegen nicht vorhandener, aussagekräftiger Unterlagen über die ersten Jahre der Besetzung, wegen in der Zeit des Abzugs der sowjetischen bzw. russischen Truppen mitgenommener bzw. verloren gegangener Dokumente. Die nachfolgenden Ausführungen erheben deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind ein Versuch der Rekonstruktion der “Normalität” in Potsdam während der Zeit der Besetzung und der nachfolgenden Jahre sowjetischer DDR-Garnisonsstadt.

Potsdam als “besetzte” Stadt

Potsdam war von 1945 bis 1949, offiziell bis zur Gründung der DDR, eine besetzte Stadt, d.h. es herrschte das Besatzungsregime.Die hier stationierten Truppen der Sowjetarmee bezeichneten sich selbst als Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (GSBT bzw. GSBTD; russ. Группа советских оккупационных войск в ГерманииGruppa sowjetskich okkupazionnych wojsk w Germanii), und das bis zum 26. März 1954. Ab dann hießen sie Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (kurz GSSD, russisch Группа советских войск в Германии Gruppa sowjetskich wojsk w Germanii).

Was die Zeit zwischen 1949 und 1990, also dem Beginn und dem Ende der DDR, anbelangt, gehen die Meinungen bei der Beantwortung der Frage auseinander, ob es sich dabei um eine Weiterführung der Besatzung unter veränderten Bedingungen handelte. Auf jeden Fall war die DDR die ganze Zeit ihrer Existenz lediglich “Juniorpartner” der UdSSR.
Was Potsdam anbelangt, so muss man unterscheiden zwischen der Besatzungszeit (1945 bis 1954) und der Umwandlung der einstigen deutschen Garnisonsstadt in eine von den sowjetischen Truppen geprägte Garnisonsstadt, bereits ab Ende 1947. Dass sich an diesem Zustand etwas ändern würde, zeichnete sich ab dem 7. Dezember 1988 ab. Der letztliche Umfang der Veränderungen jedoch nicht.

In der Zeit der Anwesenheit der sowjetischen Truppen in Potsdam gab es 26 so genannte “Militärstädtchen” (russ. Вое́нный городо́к). Einige bestanden nur zeitweilig. Die Mehrzahl von ihnen jedoch bis zum Abzug zwischen 1990 und 1994. Es ist davon auszugehen, dass die Militärstädtchen jeweils um ein herausragendes militärisches oder ein der Besatzungsmacht zugeordnetes administratives Objekt bzw. ein Verwaltungsgebäude gebildet wurden. Wozu eine Zahl von Wohngebäuden für die Unterbringung von Beschäftigten (zivil bzw. uniformiert) mit ihren Familien.
Folgende Militärstädtchen konnten ermittelt werden:

N° 1 Bornstedter Feld (Pappelallee und Siedlung Am Schragen, ab 1948) Plan
N° 2 Kirschallee (Neue Kriegsschule und Siedlung Kirschallee) Plan
N° 3 Garde du Korps-Kaserne, Berliner Straße (1948)
N° 4 Voltaireweg/Schlegelstraße/Pappelallee (Garnisonshospital)
N° 5 Ruinenbergkaserne (1948)
N° 5a Weinbergstr./Gregor-Mendel-Str.Parkstr./Schlegelstr./Hegelallee (Wohnhäuser u.a.) Plan
N° 6 Hessestraße (?)
N° 7 Am Neuen Garten (“KGB-Viertel”, “Verbotenes Städtchen) Plan
N° 7a Große Weinmeister- und Langhansstraße (1948)
N° 8 Hegelallee 8 (1948)
N° 9 Jägerallee 10-12 (Post)
N° 9a Jägerallee 23/Gregor-Mendel-Str. (Ulanenkaserne bzw. Hindenburg-Kaserne)
N° 10 Leninalle bzw. Zeppelinstr. 12 (Druckerei)
Plan
N°11 Feuerbachstraße 37 u.38 (in N° 10 aufgegangen)
N° 12 nicht ermittelt
N° 13 Große Weinmeisterstr. 58/59 (Poliklinik, 1948)
N° 14 Große Weinmeisterstr./Kleine Weinmeisterstr./Hessestr. (1948)
N° 15 Kulturpark Neuer Garten (1945 bis 1953)
N° 16 Jägerallee 16/Alexandrinenstr. 1-18/Gregor-Mendel-Str. 28 (1948)
N° 17 nicht ermittelt
N° 18 Gregor-Mendel-Str. 23 und Laboratorium (1948)
N° 18 Forststraße (bis 1988)
N° 19 Hermannswerder (Militärhospital f. Infektionskrankheiten)
N° 19a Leiterstraße
Plan
N° 20 Helene-Lange-Str./Friedrich-Ebert-Str./Behlertstr./Hegelallee/Jägerallee
Plan
N° 21 Berliner Vorstadt
Plan
N° 22 Teil der NVA-Kaserne auf dem Ruinenberg
Plan
N° 23 nicht ermittelt
N° 24 Wildpark
Plan
N° 25 nicht ermittelt
N° 26 Leninallee bzw. Zeppelinstr. (Wohnhäuser)
Plan

Daneben gab es noch zwei Militärstädtchen im Ortsteil Nedlitz: N° 1 Graue Kaserne und N° 2 Rote Kaserne. Ebenfalls extra geführt wurde das zwischen 1945 und 1952 von der Sowjetarmee abgeriegelte Gebiet Neubabelsberg.

Bei den in der Tabelle aufgeführten Militärstädtchen, hinter denen der Verweis “Plan” steht, ist es möglich, mit Hilfe von Plänen der Unterkunftsabteilung der Sowjetarmee (KETsch, КЭЧ = Квартирно-эксплуатационная часть) aus dem Jahr 1988 die konkrete bauliche Situation und den Nutzungszweck der Gebäude zu beschreiben. Der Verbleib der anderen Pläne ist nicht bekannt. Die mit “rot” hervorgehobenen Militärstädtchen bestanden zum Zeitpunkt des Abzugs der sowjetisch/russischen Truppen aus Potsdam.
Die Ketsch existierte während der gesamten Besatzungszeit, jedoch an unterschiedlichen Standorten. Am 26. Juni 1946 waren Sonderbaubüros für Bauten der Besatzungsmacht in Potsdam geschaffen worden. Mit Datum 19. März 1947 liegt ein Dokument vor, aus dem hervorgeht, dass damals 1.700 Potsdamer Arbeitskräfte ausschließlich für die sowjetische Besatzungsmacht arbeiteten. Die Sonderbaubüros der Ketsch, I bis III, befanden sich in der Lennèstraße, der Behlertstraße und in der Menzelstraße.

Leiter der Ketsch für den Kreis Potsdam war 1952 Major Busunow. Sein Sitz war in der Behlertstraße. Für 1953 erscheint Oberstleutnant Kononow in den Dokumenten. Darüber hinaus wird in Dokumenten 1952 auch die offizielle Bezeichnung “Sowjetische Kontroll Kommission, Abteilung Wohnraum, Potsdam” verwandt. Leiter der Sowjetischen Kontroll Kommission (SKK) für Potsdam (?) war 1952 Oberst Malchin. Im Juli 1953 war Major Busunow in der Helene-Lange-Straße 5 zu finden. Für Juli 1954 wird uns die Existenz eines Projektierungsbüros Potsdam der sowjetischen Besatzungsmacht bekannt. Geleitet wurde es von Ing.-Major Sindarowski. 1954 ist der Chef der Ketsch in Potsdam Oberstleutnant Kalenitschenko. 1988 stand der Ketsch in Potsdam Major W. W. Tschernow vor. Oberingenieur der Ketsch im Jahr 1991 war W.W. Gontscharow und für Technikfragen bei Wohnungen zuständig der Zivilbeschäftigte N. W. Woloschensk. Ketsch-Chef 1991 war Major Kondratjuk. 1993 leitete W. Sedakow (russ.В. Седаков) die Ketsch in Potsdam.
Ihre Standorte verteilten sich über Potsdam. Es gab Lager in der Berliner Vorstadt, im Wildpark und in der Jägervorstadt, wo sich auch die Verwaltung befand sowie der Ketsch-Fuhrpark.

Anhand einzelner Militärstädtchen wird im Folgenden beschrieben, wie diese entstanden und in der Zeit bis zum Abzug Anfang der 1990er Jahre genutzt wurden.

Militärstädtchen N° 1 – Bornstedter Feld

Das Militärstädchen N° 2 entstand in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre auf dem Gelände der zwischen den Straßen Großer Schragen,  Am Schragen und Pappelallee gelegenen so genannten Bornstedter Kaserne. Hervorgegangen war sie aus der 1935 erfolgten Teilung des ehemaligen Exerzierplatzes Bornstedter Feld in die Kaserne im östlichen Teil und die Kriegsschule im westlichen.
Ein Schreiben vom Mai 1947 lässt darauf schließen, dass Kaserne  zu diesem Zeitpunkt durch deutsche Behörden frei begehbar und somit noch nicht von der Besatzungsarmee bzw. den Besatzungsbehörden genutzt war.

Auf dem Gelände sind durch Kriegsereignisse mehrere Baracken, Pferdestall, ein Reithaus und Wirtschaftsgebäude zerstört worden, deren Ruinen abzubrechen sind, weil sich ihr Wiederaufbau nicht lohnt.
Es ist geplant, einen Teil der Bauten für industrielle Zwecke bereitzustellen. … Außerdem soll ein größerer Teil der Gebäude wie Stabs- und Mannschaftshäuser und andere zu Wohnzwecken verwendet werden.

Die im weiteren Text ausgeführten und mit finanziellen Berechnungen unterlegten Ideen für eine zivile Verwendung gelangten nicht zur Ausführung. Die Sowjetarmee übernahm wenig später das komplette Areal und nutzte es bis zu ihrem Abzug für militärische Zwecke.

Die Belegung der Kaserne erfolgte vermutlich im Herbst 1947 in Verbindung mit der Durchsetzung von Maßnahmen zur konzentrierten Unterbringung der Besatzungstruppen an bzw. in zu diesem Zweck von der deutschen Bevölkerung geräumten Plätzen oder Objekten. Marschall Wassili Sokolowski , Chef der SMAD, hatte dazu angewiesen, Dörfer und Stadtbezirke von Sowjetsoldaten zu räumen, um jeden regelmäßigen Kontakt mit der deutschen Bevölkerung zu unterbinden. Zugleich wurden Deutsche aus Gebieten evakuiert, in denen die Sowjettruppen konzentriert werden sollten. In vielen Städten wurden von den Sowjetbehörden große Wohnblocks für ihr Personal beschlagnahmt bzw. ganze Straßenzüge von der Armee übernommen. In den Städten wurden um diese Militärbezirke Stacheldrahtzäune errichtet. Auf dem Land entstanden aus kompletten Dörfern russische Siedlungen.
Ganze Straßen und viele Wohnungen wurden auch in Potsdam beschlagnahmt, sofern dies nicht bereits schon geschehen war. Die zahlreichen militärischen Objekte der Garnisonsstadt Potsdam, die für diese Zwecke reaktiviert wurden, bewahrten die Bevölkerung vor noch größeren Vertreibungen.

Anfang der 1990er Jahre verließen die nunmehr russischen Truppen das Gelände. Bereits 1994 konnte die Fachhochschule Potsdam die ersten umgebauten Kasernengebäude beziehen.

Areal des Militärstädtchens Nr. 1, beim Abzug der sowjetischen/russischen Truppen.

Auf dem 16,3 ha großen Gelände standen zum Zeitpunkt des Abzugs 44 Gebäude, zivile und miltärische.

Militärstädtchen N° 15 – Neuer Garten

Der Neue Garten gehörte mit der Besetzung Potsdams zu den Gebieten, die sofort abgeriegelt wurden, um sie – so eine offizielle Begründung – vor Plünderern zu schützen. Dass im in diesem Gartenkunstwerk befindlichen Schloss Cecilienhof vom 17. Juli bis zum 02. August 1945 die Staatsoberhäupter Großbritanniens, der UdSSR und der USA dort tagen würden, war im Augenblick der Abriegelung möglicherweise noch nicht bekannt. Die Durchführung der Potsdamer Konferenz und die auf sie folgende politische, ideologische und agitatorische Nachnutzung boten einen weiteren Grund, die Sperrung des Neuen Gartens aufrechtzuerhalten. Während der Konferenz waren zur Gewährleistung der Sicherheit ihrer Teilnehmer um den Konferenzort drei Sicherungsringe geschaffen worden. Diese unterteilten sich wiederum in drei Sektoren, getrennt für jede Delegation, die nur durch Schlagbäume passiert werden konnten. Jeder Sektor hatte einen eigenen Kommandanten, schreibt Fjodor Woloschin.
Bis zum September 1953 war der Neue Garten “Zentralpark für Kultur und Erholung” der Angehörigen der sowjetischen Besatzungsmacht und ihrer Familien. Im militärischen Sprachgebrauch wurde es unter der Tarnbezeichnung “Militärstädtchen N° 15” geführt.

Am 10. Januar 1952 wurde das Schloss Cecilienhof durch die Sowjetische Kontrollkommission (SKK), Nachfolgerin der 1949 abgeschafften Sowjetischen Militäradministration (SMAD), an die brandenburgische Landesregierung übergeben. Verbunden war dies mit dem Auftrag, darin bis zum Ende des Jahres 1952 eine Gedenkstätte zur Potsdamer Konferenz und zur Würdigung der Tätigkeit Stalins einzurichten.

Der Neue Garten blieb bis zum 06. September 1953 für die deutsche Bevölkerung geschlossen. Erst dann war es auch für die normalen Bürgerinnen und Bürger möglich, ungehindert in den Park und zum Schloss Cecilienhof zu gelangen. Mit diesem Datum hörte auch das “Militärstädtchen N° 15” auf zu existieren.

Militärstädtchen N° 18 – Forststraße

Das Militärstädten N° 18 entstand n den ersten Jahren nach Kriegsende zunächst um die für die Versorgung der Besatzungsmacht auf dem Schienenweg wichtigen Bahnhöfe Personen- bzw. Güterbahnhof Wildpark und Kaiserbahnhof herum und dem später hinzugefügten Entladepunkt für Kohle und Baumaterialien am Werderschen Damm.

Der Kaiserbahnhof war nach 1945 Endstation des „Blauen Express“ der sowjetischen Militärkommandantur über die Strecke Moskau–Berlin. Mit dem Umzug des Oberkommandos der sowjetischen Truppen von Babelsberg nach Wünsdorf wurde die Endstation des wegen seiner anfänglichen Farbgebung so genannten Sonderzuges ebenfalls dorthin verlegt. Der Kaiserbahnhof ging 1952 in den Besitz der Deutschen Reichsbahn und wurde nacheinander als Betriebskasse, Betriebsberufsschule und Kulturraum sowie von der Transportpolizei, und letztlich als Lagerraum. 1977 erfolgte seine Sperrung wegen Einsturzgefahr.

Rekonstruktion des Militärstädtchens N° 18. (Quelle: russ. Soldatenforum)

Der unweit vom Personenbahnhof in Richtung Westen befindliche Güterbahnhof Wildpark wurde zunächst von den Einheiten der Sowjetarmee allein und nach 1956 gemeinsam mit den in der Nähe stationierten Einheiten der Nationalen Volksarmee zur Anlieferung von Versorgungsgütern und Baumateriialen genutzt. Später entstand weiter westlicher ein zusätzlicher Entladepunkt allein für die Sowjetarmee. Hier u.a. die Anlieferung von Kohle aber auch von militärischem Gerät, das dem Blick der Öffentlichkeit verborgen bleiben sollte.

Die zur Unterbringung des militärischen Personals sowie von Militär mit ihren Familien benötigten Gebäude standen zwischen den Straßen Am Wildpark und Forststraße und wurden durch die östlich davon befindliche Kleingartenanlage begrenzt.

Der Eingang zum Kasernengelände befand sich östlich des heutigen Hotels Wyndham Garden. Im Hauptgebäude des Hotels befand sich der Stab und südlich davon, an der Forststraße das Haus der Offiziere und Soldaten. Dem sich die Wohngebäude. anschlossen. Links hinter dem Kontrollposten (KPP) befand sich u.a. die Banja und weiter links davon, zu der Kleingartenanlage die Garagen und der sonstige Wirtschaftsbereich.

Das Militärstädtchen wurde vermutlich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre aufgelöst. Am 12. Juni 1986 gab es eine Begehung des Geländes, an der von deutscher Seite Rolf Kutzmutz, Sekretär der SED-Kreisleitung für Wirtschaft, und Heinz Müller, Stellvertreter des Oberbürgermeisters für Inneres, teilnahmen. Die sowjetische Seite vertrat der für die Garnison Forststraße zuständige Kommandeur Oberst Alexander Wladimirow. Im von Kutzmutz verfassten Bericht heißt es:

Bei dieser Begehung unterbreitete Genosse Wladimirow den Vorschlag, das gesamte Gelände, das gegenwärtig von den sowjetischen Genossen genutzt wird, der Stadt Potsdam zur Nutzung zu übergeben.
Er äußerte die Bitte, zu prüfen, ob im Ausgleich dafür das Haus Jägerallee 22, das gegenwärtig nicht genutzt wird und sich unmittelbar im Blickfeld der sowjetischen Schule befindet, genutzt werden kann.
(Quelle: Stadtarchiv Potsdam, Soz/04507, Bl. 12)

Bei der Übergabe von durch die Sowjetarmee bislang genutzten Grundstücken ab 1989 kam die “Garnison Forststraße” nicht vor.

Militärstädtchen N° 21 – Berliner Vorstadt

Das Militärstädtchen N° 21 – in der Berliner Vorstadt – entstand zwischen 1945 und 1950 und dehnte sich auf einer Nutzungsfläche von 5,6 Hektar zwischen der Rubensstraße im Westen, der Seestraße im Norden, der Menzelstraße im Osten und der Berliner Straße (Schiffbauergasse im Westen, Villa Kampffmeyer im Osten) im Süden aus. Es umfasste 27 Objekte – Wohnhäuser, Verwaltungsgebäude u.a..

Die Bedeutung des Militärstädtchens ergab sich aus seiner Lage: an der Glienicker Brücke und über diese hinweg direkt an der Grenze zur Amerikanischen Besatzungszone in Berlin. Des Weiteren befanden sich hier die Militärverbindungsmissionen (MVM) Frankreichs (Seestraße 40) und Großbritanniens (Seestraße 34). Nur die Mitarbeiter der MVM sowie die dazu autorisierten Angehörigen der sowjetischen Besatzungsarmee durften die Glienicker Brücke als Passage zwischen Berlin und Potsdam nutzen.

Der Bedeutungszuwachs der Glienicker Brücke nach 1945 ergab sich vermutlich in Verbindung mit der vom 17. Juli bis zum 3. August 1945 im nahe gelegenen Schloss Cecilienhof tagenden Potsdamer Konferenz der alliierten Mächte. Der Tagungsort lag im Neuen Garten, nördlich der Havel, die Staatsoberhäupter der Sowjetunion, Großbritanniens und der USA wohnten jedoch in Neubabelsberg, südlich der Havel. Die Glienicker Brücke war kurz vor Kriegsende von Wehrmachtsangehörigen gesprengt worden. Die Glienicker Enge wurde deshalb parallel zu der Brücke mit einer stabilen Pontonbrücke überquert. Vermutlich ging diese vom Gelände des Jagdschlosses Klein Glienicke zu einem der in der Nähe der Villa Kampffmeyer gelegenen Grundstück. Von dort fuhren die Großen Drei und ihr Troß weiter über die Schwanenallee und über die Schwanenbrück in den Neuen Garten, und dort vorbei am Grünen Haus zum Schloss Cecilienhof.

Das Eckgebäude an der Schwanenallee (Berliner Str. 86), die Villa Schöningen war zum Zeitpunkt der Potsdamer Konferenz von der Roten Armee besetzt. Auch in weiteren, nahe gelegenen Häusern hielten sich Angehörige der Besatzungsarmee auf. Zudem befand sich in dem großen Gebäudekomplex Berliner Straße 98 bis 101 zwischen dem 9. Juli 1945 und dem Jahr 1949 der Sitz der Sowjetischen Militäradministration (SMA) für die Provinz Brandenburg. Auch danach wurden Teile des großen Gebäudekomplexes durch die Sowjetarmee) genutzt. Hier befanden sich die Militärstaatsanwaltschaft (bis 1992), die Militärhandelsorganisation mit Verwaltung und Lager (bis 1994). 1949 befand sich das Kaufhaus der SMA, Univermag (russ. Универсальный магазин), in der Berliner Straße 62/67, die heutige Villa Bergmann.

In der Berliner Vorstadt ließ die SMA auch Theater spielen. Im Potsdamer Adressbuch 1949 ist in der Schwanenallee nur das Haus Nr. 10 als von Deutschen bewohnt aufgeführt. In der Menzelstraße ist es die Nummer 9 und in der Rembrandtstraße fehlen alle Hausnummern von 1 bis 18 sowie von 20 bis 23. In der Dürerstraße sind nur die Hausnummern 1 und 3 aufgelistet.

Die Villa Schöningen hatte die Kämpfe bei Kriegsende unzerstört überstanden. Die Fenster mit kaputten Fensterscheiben waren mit Holzbrettern gesichert worden. Die Rote Armee hatte im Haus beim Einmarsch ein Lazarett eingerichtet. Die verbliebenen Angestellten der Hauseigentümer mussten dieses verlassen. Lediglich die Köchin durfte bleiben. Sie wohnte in einem Zimmer neben der Küche. Im Obergeschoß mit Bibliothek und den Schlafzimmern hatten sich russische Offiziere einquartiert. In zur Berliner Straße im Obergeschoß gelegenen Zimmern zog eine deutsche Frau mit ihren zwei Kindern ein, und im Dachgeschoß eine fünfköpfige deutsche Familie. 1946 mussten die deutschen Bewohner ausziehen. Das Haus wurde von der Sowjetarmee beschlagnahmt. Wie die Köchin berichtete, seien Gemälde mit Bajonetten zerstochen worden und ein Soldat habe “die Bürste Friedrich Wilhelm IV. über der Treppe mit dem Ausruf “Kapitalist!” heruntergeschossen. 1950 durfte der FDGB darin ein Kinderheim unterbringen.
Letztern Eigentümer des Hauses war der 1882 in Potsdam, in dieser Villa geborene, und später zum Bankier aufgestiegene Paul Wallich. Unter dem Eindruck des Novemberpogroms hatte er sich am 11. November 1938 in Köln das Leben genommen. Seine Frau konnte mit den Kindern ins Ausland fliehen.
(Quelle: Kürvers, Klaus: Villa Schöningen: Potsdam, Berliner Strasse 86. Die Baugeschichte einer “Turmvilla” von Ludwig Persius, Potsdam 1999, S. 104)

Die Sowjetarmee beschlagnahmte nicht nur, sondern ließ auch kaufen.
Wie das Beispiel des Hauses Menzelstraße 14 zeigt. Das Haus Menzelstraße 13/14 war 1897 von dem Baumeister Carl Enders errichtet worden. Er bewohnte das Haus selbst. Später wechselten die Eigentümer. Zu Kriegsende gehörte es dem Kunstmaler Otto Graf Kerssenbrock. Laut Adressbuch von 1938/39 bewohnte in jenem Jahr der Universitätsprofessor Constantin. von Dietze die Villa.1946 gab sich eine Frau Vera Huth, geb. Truelsen, gegenüber der Besatzungsmacht als Eigentümerin aus. Sie betrieb in der Villa eine Pension und musste aber ausziehen, als das Gebäude am 16. Mai 1946 von der Besatzungsmacht beschlagnahmt wurde. Für die Hauptkommandantur sollte es, nach ihrer Auskunft, genutzt werden. Mit Datum 3. März 1947 wurde Frau Huth von der Garantie- und Kredit-Bank-Aktiengesellschaft Berlin, W 8, Jägerstraße 49/50 eine Kaufangebot für Haus und Grundstück in Höhe von 140.000 Reichsmark unterbreitet. Wie die Namen der handlungsberechtigten Vertreter der Bank zeigen, handelte es sich um ein sowjetisches Unternehmen: Peter Koltschanoff (stellv. Präsident), Alexander Chandurin (Vorstandsmitglied). Der Verkauf wurde vermutlich vollzogen. Ob Vera Huth ihr Mobiliar erstattet wurde, dass die neuen Eigentümer einbehalten hatten, und die von ihr getätigten finanziellen Aufwendungen für Reparaturen ist nicht bekannt.
Später zog in das Haus die Redaktion des sowjetischen Soldatensenders “Wolga” ein. Und zog erst mit dem Abzug der russischen Truppen 1994 aus.

Im Haus Rembrandtstraße 27 befand sich während der gesamten Zeit der Anwesenheit der Sowjetarmee in Potsdam die Verbindungsstelle der Sowjetarmee für die Arbeit mit den in Potsdam stationierten Militärverbindungsmissionen. Die offizielle Bezeichnung lautete Abteilung für Außenbeziehungen beim Stab der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (russ. Oтдел внешних сношений, Группа советских войск в Германии – ОВС). Von 1978 bis 1983 diente dort Dmitri Trenin als Verbindungsoffizier und Dolmetscher. Major Sergey Savchenko übte von 1983 bis 1986 seinen Dienst in der Abteilung aus.  Die Mitarbeiter von SERB (Soviet External Relations Branch), so die englische Bezeichnung, wohnten mit ihren Familien in der Rembrandtstraße 30.

Wie diese Beispiele zeigen, gab es unterschiedliche Vorgehensweisen hinsichtlich der Aneignung bzw. Übernahme von Potsdamer Häusern. Auf über 300 Objekte belief sich Ende der 1980er Jahre die Zahl der Häuser, die von der Sowjetarmee in der Zeit nach 1945 vereinnahmt worden waren.

Im Militärstädtchen N° 21 waren es Anfang der 1990er Jahre folgende (bislang bekannte) Objekte: Berliner Straße 27, Berliner Straße 61 und 61a, Berliner Straße 97, Berliner Straße 97a, Berliner Straße 98 bis 101, Berliner Straße 102, Dürerstraße 2 bis 7, Menzelstraße 5, Menzelstraße 13 bis 17, Rembrandtstraße 26 bis 28, Rembrandtstraße 30, Rubensstraße 3a.

Militärstädtchen N° 26 – Leninallee

Plan des Militärstädtchens Nr. 26 in der Leninallee (heute: Zeppelinstraße).

Das Militärstädtchen N° 26 diente vermutlich der Unterbringung von Personal, das im Militärhospital auf der Insel Hermannswerder beschäftigt war bzw. in der Druckerei der sowjetischen Armeezeitung.
Es bestand aus sechs Wohngebäuden und dehnte sich über eine Fläche von 0,8 ha aus. Folgende Hausnummern trugen die Gebäude 118, 119/120, 124/124, 124 a, 124 b und 126/127.

Wird fortgesetzt!