Der am 27. April 1945 an die Rote Armee übergebene "Potsdamer Schlüssel".

Vorgeschichte

Am Abend des 1. April 1945 unterschrieb der Oberbefehlshaber der Roten Armee, Josif W. Stalin, im Hauptquartier in Moskau die Direktive für die 1. Belorussische Front über die Vorbereitung und Durchführung der Operation zur Eroberung Berlins sowie die Direktive, innerhalb von 12 bis 15 Tagen die Elbe zu erreichen. Ungefähr zur gleichen Zeit unterzeichnete er auch die Direktive für die 1. Ukrainische Front. Für die 2. Belorussische Front wurden allgemein zu erreichende Ziele und zu erfüllende Aufgaben festgelegt.
Die 1. Belorussische Front hatte den Auftrag erhalten, Berlin aus Richtung Osten und Norden einzuschließen und die 1. Ukrainische Front von Südosten und Süden her. Vollständig schließen sollte den Ring, aus Nordosten und Westen, die 2. Belorussische Front. Die 1. Belorussische Front sollte aus Brückenköpfen zwischen Frankfurt (Oder) und Küstrin vorstoßen und den Hauptstoß aus dem Brückenkopf Küstrin mit 4 allgemeinen Armeen und 2 Panzerarmeen führen. Die Direktive des Hauptquartiers sah vor, die 1. und die 2. Garde-Panzerarmee zum Angriff auf Berlin vom Nordosten und zur Umgehung Berlins vom Norden her einzusetzen.

In den Grundzügen war die Berliner Operation klar. Was den konkreten Verlauf und vor allem die zeitlichen Abläufe anbelangte, musste die Planung immer wieder konkretisiert werden. Das betraf auch die Einnahme Potsdams.

So präzisierte das Hauptquartier während der Operation das Zusammenwirken des rechten Flügels der 1. Belorussischen Front mit der 4. Panzerarmee der 1. Ukrainischen Front, die den Raum Potsdam-Rathenow-Brandenburg erreicht hatte, so daß die operative Einschließung der gesamten Berliner Gruppierung vollendet wurde.[1]

Am 21. April drangen die Truppen der 3. Stoßarmee, der 2. Gardepanzerarmee, der 47. Armee[2] und der 5. Stoßarmee in die nördlichen und westlichen Vororte von Berlin ein. Am 25. April vereinigten sich die 328. Schützendivision der 47. Armee und die 65. Panzerbrigade der 2. Gardepanzerarmee der 1. Belorussischen Front, die westlich von Berlin angriffen, bei Ketzin mit dem 6. Mechanisierten Gardekorps der 4. Gardepanzerarmee der 1. Ukrainischen Front. Die Berliner Gruppierung der deutschen Truppen war damit in zwei voneinander isolierte Gruppen geteilt worden. In die Berliner Gruppe und in die Gruppe Frankfurt-Guben.[3]
Die sich innerhalb des Rings befindlichen Truppen – Wehrmacht, Waffen-SS, Polizei, Volkssturm –  mussten durch Einheiten der die Umschließung bildenden Hauptgruppierungen der Roten Armee vernichtet bzw. zur Kapitulation gezwungen werden. Es galt, ihnen jede Möglichkeit zu nehmen, in die Kämpfe um das Zentrum Berlins eingreifen oder aus der Umschließung ausbrechen zu können. Im nördlichen Gebiet Potsdams zog sich am 25. April 1945 die Kampflinie entlang der Havel, von Spandau bis Ketzin.

Die Einheiten der 47. Armee der 1. Belorussischen Front spielten die Hauptrolle im von Norden und Nordwesten aus geführten Kampf um Potsdam. Die 47. Armee stand im April 1945 unter dem Kommando von Generalleutnant Franz Josifowitsch Perchorovitsch.[4] Mitglied des Kriegsrates war Generalmajor Iwan Nikolajewitsch Koroljow[5] und Stabschef Generalmajor Grigori Sergejewitsch Lukjanenko[6], Leiter der Politabteilung Oberst M. Ch. Kalaschnik.[7] Kommandeur der Artillerie der 47. Armee war Generalleutnant Grigori Wasiljewitsch Godin[8].

Zur 47. Armee gehörten folgende Einheiten:

77. Schützenkorps 185. Schützendivision 260. Schützendivision 328. Schützendivision[9]
125. Schützenkorps 60. Schützendivision 76. Schützendivision 175. Schützendivision
129. Schützenkorps 82. Schützendivision 132. Schützendivision 143. Schützendivision
70. Panzerregiment
334. Selbstfahrendes Artillerieregiment
1204. Selbstfahrendes Artillerieregiment
1416. Selbstfahrendes Artillerieregiment
1825. Selbstfahrendes Artillerieregiment
1892. Selbstfahrendes Artillerieregiment

Kommandeur der 328. Schützendivision war Oberst Iwan Grigorjewitsch Pavlovskij.[10] Wer Kommandeur des 129. Schützenkorps war, ist nicht bekannt. Die 132. Schützendivision[11] befehligte als Divisionskommandeur Oberst Iwan Wladimirowitsch Solowjow.[12]

Vorbereitung des Angriffs

Der Verlauf der Kämpfe hatte das 125. Schützenkorps[13] der 47. Armee am 25. April 1945 an das nördliche Ufer der Havel gegenüber der Stadt Potsdam gebracht. Das 129. Schützenkorps der 47. Armee war vor Spandau in Kämpfe verwickelt, die entlang der Linie Gartenstadt, Staaken, Seeburg und Groß Glienicke tobten. Zwischen den Einheiten des 129. Schützenkorps und des 125. gab es zeitweilig eine Lücke von 10 bis 12 Kilometern, vor allem zwischen Gatow, Kladow und Sacrow, die die in diesem Bereich kämpfenden deutschen Truppen hätten nutzen können, um die Einheiten der 47. Armee, insbesondere das bei Neu Fahrland stehende 125. Schützenkorps anzugreifen und aus der Umkreisung auszubrechen.

Ohne den Angriff auf Potsdam zu stoppen, war es unbedingt notwendig, den Gegner im Abschnitt Staaken, Seeburg, Groß Glienicke zu zerschlagen, die westliche Vorderseite des inneren Verteidigungsringes von Berlin im Bereich Staaken-Seeburg-Groß Glienicke, zu halten, ihm alle Stützpunkte zu nehmen, den einzigen ihm verbliebenen Flugplatz in Kladow und den Bereitstellungsraum auf dem anderen Ufer der Havel, um so die Möglichkeit eines bewaffneten Durchbruchs  von Gruppierungen des Gegners aus Berlin in Richtung Westen auszuschließen.[14]

Gegen 14 Uhr stand das 282. Schützenregiment der 175. Schützendivision des 125. Schützenkorps am Weißen See.[15] Da die Nordbrücke bei Neu Fahrland gesprengt war, setzte es sich hier fest. Die Führung des 125. Schützenkorps war wenig später nachgerückt und  richtete ihren Kommandopunkt (KP) vermutlich in der Kasernenanlage von Krampnitz ein. Der Komplex konnte zugleich auch als Lazarett genutzt worden sein.

Die Kämpfe der Einheiten des 125. Schützenkorps, wie auch die aller Einheiten der Roten Armee seit Kriegsbeginn am 22. Juni 1941, sind sehr gut dokumentiert und seit Anfang 2015 öffentlich zugänglich. Auf dem Internet-Portal „Память народа“ (Pamyat’ naroda) befinden sich aktuell mehr als 15 Millionen Seiten von Archivdokumenten, die unter der Schirmherrschaft des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation veröffentlicht wurden. Sie auszuwerten, kostet viel Zeit und Kraft. Deshalb wird sich hier auf die Vorgänge konzentriert, die mit zur Vorgeschichte der Potsdamer Konferenz gerechnet werden können.
Jede Einheit fertigte täglich Berichte über ihre Kampfhandlungen an. Diese Kampfberichte (Боевое донесение) wurden monatlich und vierteljährlich in umfassenderen Berichten zusammengefasst (Журнал боевых действий). Jeder Tages-Kampfbericht trug eine Nummer und unterlag der strengsten Geheimhaltung. Erstellt wurden die Unterlagen zumeist vom Stabschef der jeweiligen Einheit. Die Monats – und Quartalsberichte trugen aber auch die Unterschriften des jeweiligen Kommandeurs und des Poilitstellvertreters. Neben den allgemeinen Berichten entstanden auch Dokumente zu einzelnen Aspekten der Kampfhandlungen, wie z.B. zum Einsatz der Artillerie oder zu Veränderungen des Bestandes an Personal, Tieren, Technik und Waffen. Des Weiteren gab es noch die Operativen Übersichten (Оперативная сводка), Aufstellungen zur Kampfordnung (Боевое распоряжение) und spezielle Befehlsdokumente (Приказание штаба).
Die Auswertung dieser Dokumente steht noch am Anfang. Aber sie werden zu einer sachlicheren Betrachtung der Vorgänge im ersten Halbjahr 1945 auf dem Territorium Deutschlands beitragen. Kommandeur des 125. Schützenkorps war Generalmajor Andrej Matwejewitsch Andrejew[16]. Stellvertreter für Politische Arbeit Alexej Iljitsch Kolunow und Stabschef Oberst G. F. Gruschewskij.
Das 125. Schützenkorps bestand aus der 60., 76. und 175. Schützendivision.
Die 60. Schützendivision[17] stand unter dem Kommando von Oberst Georgij Stepanowitsch Iwanow[18]. Die 76. Schützendivision[19] führte Oberst Andrej Nikititsch Gervasijew.[20] Das Kommando über die 175. Schützendivision[21] hatte Generalmajor Zakhari Petrowitsch Vydrigan.[22] Nach dem Statut der Roten Armee 04/400-416 vom 05. April 1941 bestand eine Schützendivision aus dem Stab, drei Schützenregimentern und einem Artillerieregiment sowie weiteren Einheiten und Unterabteilungen. Die Stärke einer Division wurde mit durchschnittlich 4.500 Mann angegeben.
Vydrigan befehligte beim Angriff auf Potsdam die nachfolgend aufgeführten Einheiten:

  • Divisionsstab (Управление)
    • Stabsbatterie des Chefs der Artilleriedivision
      (Штабная батарея начальника артиллерии дивизии)
    • Divisionskommandeur
    • Leiter Politabteilung
    • Stabschef
    • Chef Rückwärtige Dienste
    • Militärtribunal
  • 277. Schützenregiment
    (277-й стрелковый Карельский Краснознамённый ордена Суворова полк)
  • 278. Schützenregiment
    (278-й стрелковый Ревдинский орденов Суворова и Кутузова полк[23])
  • 282. Schützenregiment
    (282-й стрелковый Свердловско-Варшавский ордена Суворова полк)
  • 373. Artillerieregiment
    (373-й артиллерийский Чусовско-Варшавский ордена Суворова полк)
  • 123. Selbständige Panzerabwehrdivision
    (123-й отдельный истребительно-противотанковый дивизион)
  • 71. Aufklärungskompanie
    (71-я разведывательная рота)
  • 89. Pionierbataillon
    (89-й сапёрный батальон)
  • 454. Selbständiges Nachrichtenbataillon
    (454-й отдельный батальон связи)
  • 104. Medizinsanitätsbatallion
    (104-й медико-санитарный батальон)
  • 35. Selbständige Kompanie für Chemiscvhe Verteidigung
    (35-я отдельная рота химической защиты)
  • 331. Motorisierte Transportkompanie
    (331-я автотранспортная рота)
  • 67. Feldbäckerei
    (67-я полевая хлебопекарня)
  • 43. Divisions-Veterinärlazarett
    (43-й дивизионный ветеринарный лазарет)
  • 2275. Feldpoststation
    (2275-я полевая почтовая станция)
  • 1845. Feldkasse der Staatsbank
    (1845-я полевая касса Государственного банка)

Der ehemalige Kommandeur des 125. Schützenkorps, Andrej M. Andrejew, veröffentlichte 1984 unter dem Titel „Ot pervogo mgnoveniya“ (Vom ersten Augenblick)  Erinnerungen an die Kämpfe im Frühjahr 1945 und geht dabei auch auf die Einnahme Potsdams durch die Einheiten seines Korps ein.
Wie Andrejew berichtet, musste er sich zunächst mit der Situation vertraut machen, um danach eine Entscheidung über die Angriffsoperation zu treffen.
Für die Entscheidungsfindung konnte er „die aktuellesten topographischen Karten“ nutzen und daraus die „besondere Lage des bedeutenden Siedlungspunktes Potsdam erkennen, eines Vororts von Berlin“.[24]

Potsdam ist von allen Seiten von einer natürlichen „Mauer“ umgeben – Seen und Kanäle, die die Stadt im Süden, Westen, Norden und besonders zuverlässig im Osten mit einem Seensystem schützten: der Krampnitzsee, der Lehnitzsee, der Jungfernsee und der Fluß Havel. Rund um die Inselstadt hab es nicht nur Wasserhindernisse, sondern auch Landhaus-Vorstädte mit massiven Steingebäuden. Die Potsdamer Garnison bestand aus mehreren Einheiten, darunter die Division „Friedrich Ludwig Jahn“, und verfügte über einen großen Vorrat an Waffen und Munition.[25]

Laut Andrejew sei sein Korps in Vorbereitung auf den Angriff auch über die besondere kulturhistorische Bedeutung Potsdams unterrichtet worden.

Zu Beginn einer Zusammenkunft im Korpsstab berichtete der Leiter der Politabteilung,  Oberst Alexej Iljitsch Kolunow, der kurz zuvor aus der Politabteilung der 47. Armee[26] gekommen war, dass Potsdam – die frühere Sommerresidenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser – eine tausendjährige Geschichte habe. Aus dieser Zeit gäbe es eine Vielzahl alter Denkmäler. Die besondere Attaktion von Potsdam seien die Parks und Schlösser von San-Souci. Hier arbeiteten viele Jahre die besten Baumeister, Bildhauer, Maler und Gärtner. Die Säle der Schlösser und die Bildergalerien sind gefüllt mit Gemälden und Skulpturen großer Meister. All das war persönliches Eigentum der Könige und Kaiser, und nur wenige hatten Zugang zu der Schatzkammer. …
„Das Mitglied des Kriegsrates der Front, Generalleutnant Telegin, und Generalleutnant Galadschew, Leiter der Politabteilung“, sagte Alexej Iljitsch den Versammelten, „haben gebeten, einen Befehl des Marschalls der Sowjetunion Shukow zu übermitteln: Es ist wichtig, die Stadt einzunehmen, um die weltberühmten historischen Werte unbeschädigt zu erhalten.“
Dieser Forderung des Befehlshabers der 1. Belorussischen Front gedenkend, begannen wir mit der Planung der Kampfhandlungen …[27]

Im Monat April hatte der Stab der 2. Stoßarmee verschiedene Instruktionen für die Durchführung von Kämpfen und Angriffsoperationen in einfachen Städten und besonders großen Städten erarbeitet und in  die Einheiten versandt. Das waren:
Kampf in der Stadt. Instruktion für den Offiziers- und den Unteroffiziersbestand“ (БОЙ В ГОРОДЕ  (Памятка для офицерского и сержантского состава)] vom April 1945.[28]
Kampf in der Stadt. Instruktion für den Mannschaftsbestand“ [БОЙ В ГОРОДЕ  (Памятка для рядового состава)] vom April 1945.[29]
In eine ähnliche Richtung ging die geschriebene, aber nicht veröffentlichte „Instruktion für die Kommandeure der Sturmabteilungen und Sturmgruppen für die Führung des Angriffs in einer großen Stadt“ (Памятка командиру штурмового отряда и штурмовой группы по ведению наступательного боя в крупном городе) vom 27. April 1945.[30]
Nach einer Darstellung der Taktik der deutschen Truppen bei der Verteidigung der Städte wurde auf die eigene Taktik eingegangen und auf die Zusammensetzung der Sturmabteilungen und –gruppen sowie auf deren Personalbestand und die einzusetzenden Waffen. Dabei wurde unterschieden zwischen den durchzuführenden Handlungen in den Vorstädten und der „Neustadt“ sowie der „Altstadt“. 

Vermutlich fand die Beratung am späten Nachmittag bzw. Abend des 25. April statt. Sie endete mit der Entscheidung, am Morgen des 27. April Potsdam anzugreifen.

Nach der Beurteilung der Situation beschloss ich am 25. April, um 21 Uhr, die demonstrativen Vorbereitungen zur Überquerung des Sacrow-Paretzer Kanals von der Halbinsel Neu Fahrland aus nach Potsdam fortzusetzen. Die Hauptvorbereitung sollte aber auf der Überquerung des Jungfernsees von Ost nach West liegen. Für den Gegner würde das überraschend kommen. Unsere Truppen, die den östlichen Rand Potsdams in der Nähe des Schlosses Cecilienhof einnehmen, könnten erfolgreich in das Stadtzentrum vordringen und den Gegner unter den Schlägen unserer aus Nord-Westen und Süden vorrückenden Truppen an die Stadtgrenzen drängen. …
Oberstleutnant A. E. Dolzhikov, Kommandeur der gepanzerten Truppen des Korps, erhielt die Aufgabe, ein motorisiertes Bataillon von Schwimmfahrzeugen für den Transport von Einheiten der 175. Schützendivision über den Jungfernsee zu beschaffen. … Weniger als drei Stunden später berichtete Oberstleutnant Dolzhikov, dass das 286. motorisierte Bataillon mit Schwimmfahrzeugen bei der 175. Schützendivision eingetroffen sei.[31]

Es handelte sich um das 286. Motorisierte Bataillon besonderer Bedeutung (Amphibienfahrzeuge)[32]. Kurt Arlt und Werner Stang schreiben in ihrer 1995 veröffentlichten Studie „Kampf um Potsdam Ende April 1945“ nach Auswertung eines Dokuments aus dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation über die weiteren Handlungen der 175. Schützendivision:

Der Divisionskommandeur entschloß sich, in der Nacht den See zu forcieren. Doch aufgrund eines neuen Befehls ging die Division noch um 21.00 Uhr mit zwei Regimentern in der neuen Richtung östlich des Lehnitzsees in Richtung Südwest- und Nordostufer des Sacrower Sees vor. Sie deckte damit die linke Flanke der Armee gegen eventuelle deutsche Angriffe aus Richtung Kladow.[33]

Der Angriff auf Potsdam im östlichen und zentralen Frontabschnitt, bezogen auf Neufahrland als Mittelpunkt, sollte durch die 175. Schützendivision[34] erfolgen.

Ich rief General Vydrigan an und fragte ihn. Welches Regiment von ihm beauftragt worden sei, den Jungfernsee zu überwinden. „Das 282. Schützenregiment“, antwortete er. Ich befahl ihm, ausgiebig zu trainieren. Wobei die Infanterie besser in der Lage ist zu improvisieren, als Amphibienfahrzeuge. … Die Einheiten des 282. Schützenregiments übten die Elemente der Landung, das Ablegen und die Überquerung des Jungfernsees auf Amphibienfahrzeugen. Besonderes Augenmerk legten sie auf die genaue Bestimmung des Ablaufs der Kampfhandlungen auf dem gegenüberliegenden Seeufer: Festsetzen am Ufer, nicht zum Stehen kommen, einen schnellen Angriff ausführen. … Jeder Einheit der ersten Staffel war auf eine bestimmte örtliche Besonderheit orientiert: Schloß – Palast Cecilienhof – die Garnisonkirche (in der die preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn Friedrich II. bestattet worden waren). Die Kommandeure der Einheiten erarbeiteten mit den Artilleristen und den Spezialisten der Pioniertruppen sorgfältig die einzelnen Elemente des Zusammenwirkens in den Abschnitten, die Ziele und Zeitabläufe.
Jedes Ziel wurde ausführlich betrachtet. Die Artilleristen suchten nach Möglichkeiten, alle Ziele mit historischem Wert aus der Feuerzone herauszuhalten. Die Munition wurde frühzeitig herangeschafft. Alle Truppenbewegungen, ihre Konzentration, wurden sorgfältig getarnt. Im Gebiet der vorgeblichen Überquerung des Kanals  – auf der Halbinsel Neu Fahrland in Richtung Nedlitz – führten Einheiten der 16. Schützendivision am 26. April und in der Nacht auf den 27. April Kampfhandlungen in Richtung Potsdam aus,  um die zunehmende Vorbereitung zu tarnen.[35]

Arlt/Stang bestätigen die Aussagen bezüglich des Trainings des 282. Schützenregiments am 26. April: „Am Morgen des nächsten Tages, um 9.00 Uhr, marschierte das 282. SchtzRgt zusammen mit einem mit Schwimmitteln ausgerüsteten Pionierbataillon in den Südteil des Königswaldes und bereitete sich darauf vor, hier den Jungfernsee zu überwinden und auf seinem Südwestufer einen Landekopf zu bilden.“[36] Geführt wurde das Schützenregiment von Oberstleutnant Nikolai Seliverstovich Lazebnikov[37].
Bei der in seinen Erinnerungen erwähnten 16. Schützendivision hat sich Andrejew vermutlich geirrt. Es gab in der Roten Armee eine 16. Schützendivision, doch diese gehörte zur Leningrader Front und beendete den Krieg im Baltikum.[38] Vermutlich meinte er die zu seinem Korps gehörende 60. Schützendivision. Auf deren Lage er in seinem Bericht über die Vorbereitung des Angriffs kurz darauf eingeht.

Auf einem schmalen Angriffsstreifen der 60. Schützendivision verteidigte sich der Gegner nordwestlich von Groß Glienicke und leistete unseren Truppen starken Feuerwiderstand.
Bedeutende Kräfte der Potsdamer Garnison der Hitlertruppen wurden im Ergebnis der aktiven, kühnen und entschlossenen Handlungen unserer Nachbarn in die zu verteidigenden Gebiet verlegt – die Vorstädte Potsdams im Süden, Westen und Norden – wo sich schwere Kämpfe entwickelten. Unsere Nachbarn, die Potsdam von Nordwesten angriffen – die 328. Schützendivision von Oberst I. G. Pawlowskij und Teile des 9. Garde-Panzerkorps des Generalmajors der Panzertruppen N. D. Vedenejev – banden den Gegner mit ihren aktiven Handlungen im Raum Grube-Bornim. Von Süden rückte  aus dem Gebiet des Teltow die Garde-Panzerbrigade auf Potsdam vor.[39]

Die erwähnte 328. Schützendivision gehörte zum 77. Schützenkorps der 47. Armee, zu deren Bestand auch Andrejews Korps zählte. Ihr Kommandeur war Oberst Iwan Grigorjewitsch Pavlovskij.[40] Das 9. Garde-Panzerkorps[41], erst am 20. November 1944 aufgestellt, gehörte zur 2. Garde-Panzerarmee[42] der Belorussischen Front. Kommandeur: Generalmajor der Panzertruppen Nikolai Denisowitsch Vedenejev.[43] Welche Garde-Panzerbrigade hier gemeint ist, lässt sich nur anhand des Verlaufs der Kampfhandlungen dieser Front feststellen. Zur Auswahl stehen u.a. die 51., 52. und 53. Garde-Panzerbrigade der 3. Garde-Panzerarmee. Es soll sich aber um die 1. Garde-Panzerbrigade[44] der 1. Garde-Panzerarmee[45] der 1. Belorussischen Front gehandelt haben.

Der für die Überquerung des Jungfernsees ausgewählte Bereich befand sich 500 bis 600 m nördlich von Cecilienhof. Das Schloss steht am Seeufer, umgeben von einem malerischen Park. Es wurde zu Beginn des Jahrhunderts für den deutschen Kronprinz Wilhelm und seine Frau Cecilie erbaut. Nach ihr wurde das im Stil eines englischen Landgutes geschaffene Schloss benannt. Das Ufer wurde nur von Wachpatrouillen gesichert. Der Gegner konzentrierte seine ganze Aufmerksamkeit auf Neu Fahrland, wo wir verstärkt mit der demonstrativen Vorbereitung der Überquerung des Sacrow-Paretzer-Kanals fortfuhren, der sich mit mit dem Fahrländer See und dem Schlänitzsee verbindet.[46]

Angriff über den Jungfernsee

Am Morgen des 27. April griff die 328. Schützendivision aus Richtung Bornstedt Potsdams Innenstadt an. Parallel dazu erfolgte die Überquerung des Jungfernsees durch das 282. Schützenregiment.

Am 27. April 1945, um 6.50 Uhr, bezogen die 123. Selbständige Panzerabwehrdivision und die Kanonenbataillone des 373. Artillerie-Regiments der 175. Schützendivision „im Eiltempo“ die früher vorbereiteten Feuerpositionen am Ufer des Jungfernsees. Mit gezieltem und starkem Feuer der Haubitzen- und Mörserbatterien zerstörten sie die entdeckten Feuerpunkte des Gegners und blendeten seine Beobachtungsposten.
Mit dem Beginn der Artillerievorbereitung  überquerte das Angriffsbataillon des 282. Schützenregiments um 7.00 Uhr in den für sie eingesetzten Amphibienfahrzeugen ohne Verluste den See. Auf dem gegenüberliegenden Ufer, in Kampfformationen zusammengestellt, drängten die Sturmkompanien einzelne Gruppen des Gegners zurück. Ohne anzuhalten, stürmten unsere Infanteristen vorwärts.
Die Schnelligkeit und Entschlossenheit der ersten Staffel, der dadurch erreichte Geländegewinn ermöglichten es den nachfolgenden Einheiten des 282. Schützenregiments, später auch des 277. Schützenregiments, unterstützt von starkem Feuer der Divisionsartillerie den See fast ohne Verluste zu überqueren.[47]

Arlt/Stang beschreiben diesen Vorgang und die weiteren Ereignisse mit den folgenden Worten:

Als am Morgen des 27. April die 328. SchtzDiv aus Richtung Bornstedt Potsdams Innenstadt angriff, forcierte das SchtzRgt ohne Artillerievorbereitung als erster Truppenteil zwischen Riesterhorn und Quapphorn den Jungfernsee. Dieses Vorhaben muß die deutschen Verteidiger so überrascht haben, daß die übersetzenden Einheiten des 282. SchtzRgt auf nur ganz geringen Widerstand stießen. Dem 282. SchtzRgt folgte in der 2. Staffel der Division das 277. SchtzRgt. Bereits um 9.30 Uhr kämpften beide Regimenter am Nordostrand Potsdam und um 12.30 Uhr besetzten sie die Ruine des Stadtschlosses. Bis 13.00 Uhr hatte die SchtzDiv das Stadtzentrum eingenommen. Unterstützt wuirde der Kampf der 175. SchtzDiv durch den Angriff eines Bataillons des 6. mechGardeK von der Teltower Vorstadt aus, das nach kurzer Artillerievorbereitung die Alte Fahrt forcierte.[48]

Hanna Grisebach[49], die mit ihrem Mann und den zwei Kindern damals in der Wörtherstraße 3 (heute: Menzelstraße) in Nachbarschaft mit dem Verleger Ludwig Voggenreiter[50] wohnte, hielt in einem Tagebuch ihre persönlichen Eindrücke dieser Tage fest.

Die Kämpfe nähern sich nun unserem Stadtviertel. Die Russen haben bereits den Königswald am gegenüberliegenden Havelufer besetzt und bestreichen mit MGs unser Ufer. Ein Erkundungsgang meines Mannes mit mir ist recht unheimlich, wir müssen Deckung nehmen, denn sobald wir uns zum Wasserholen blicken lassen, fegt eine Maschinengewehrgarbe herüber. Deutsche Offiziere mit ihren Burschen haben sich bei uns einquartiert, verschwinden aber bald wieder und lassen nur einen großen Kochtopf zurück, der mir in der nächsten Zeit gute Dienste leistet. Wir kochen jetzt im Keller bei den Hausleuten, deren Stube vollgepfropft ist mit Flüchtlingen aus anderen Stadtvierteln, die bereits in russischer Hand sind. Ein Mädchen erzählt unter Tränen von ihrer Vergewaltigung, aber da sie dadurch zum Mittelpunkt des Interesses wird, scheint sie zugleich befriedigt über ihr Abenteuer.
Plötzlich ziehen etwa 30 Volkssturmmänner in das Haus. Sie sind fast alle ohne Uniform, nur mit Gewehren alten Kalibers und Handgranaten ausgerüstet. Trotz meines lebhaften Protestes an der Haustür, daß unser Haus bereits mit Flüchtlingen überfüllt sei, läßt der Verleger N., ein alter überzeugter Parteigenosse, die Männer herein, und sie versperren nun den schmalen Kellergang, ihre Munition unter den Sitzbänken anhäufend! Es entsteht ein beängstigendes Gedränge im Dunkeln, und wir ziehen uns in unseren kleinen kleinen Kellerraum zurück. …
Schon damals, noch während der Kämpfe, begann jenes sinnlos scheinende Hin- und Herströmen der verstörten Menschenmassen, die wie Ameisen durcheinanderwimmeln. Die einen liefen nach Westen, die anderen nach Osten, und zwar mit solcher Windeseile, als ob davon ihr Leben abhinge. Besonders die Nazis unter ihnen waren von Angst gehetzt. Wenn sie nicht längst auf und davon waren, wie die Familie des Kapitäns[51], die ihr herrliches, uns benachbartes Haus mit allem Inventar im Stiche ließ, verschwanden sie noch im letzten Augenblick. So die Frau des genannten Verlegers. Er selbst war dadurch des letzten Halts beraubt, schenkte dem Polenmädchen Marja alle Kleider und den Schmuck seiner Frau und hoffte so gerettet zu werden. Doch sie >>türmte<< allein, um sich nach ihrem Heimatdorf bei Lublin durchzuschlagen, mußte aber wieder umkehren, wobei ihr die Schmuckstücke von den Russen geraubt wurden. Sie verschmähte es aber, Rache an ihrer Herrschaft zu üben, die sie einmal wegen angeblicher Arbeitsscheu ins Gefängnis hatte stecken lassen.[52]

Spätestens um 8.30 Uhr werden sich – die Beschreibung von Andrejew interpretierend – die Hauptkräfte des 282. und des 277. Schützenregiments der Roten Armee am Landungspunkt in der Bertinistraße und im Neuen Garten befunden haben. Kommandeur des 277. Schützenregiments war Oberst Andrej Zakharowitsch Werin, seit März 1945 zugleich Stellvertreter des Kommandeurs der 175. Schützendivision. Die geringen Schäden in diesem Gebiet der Nauener Vorstadt verweisen auf die Glaubwürdigkeit der Aussagen Andrejews, was das gezielte Artilleriefeuer anbelangte. Die Artillerieschläge richteten sich vor allem auf das gegenüberliegende Ufer und vermutlich auch auf die Kasernenanlagen entlang der heutigen Bundesstraße 2 – die Roten und die Grauen Kasernen. Es ist ebenfalls möglich, dass sich um diese Zeit neben dem Regimentskommandeur des 282. Schützenregiments, Oberstleutant Lazebnikov, auch der Kommandeur der 175. Schützendivision, Generalleutnant Vydrigan, bereits auf der Potsdamer Seite aufhielt. Es ist ebenfalls davon auszugehen, da es offensichtlich nur geringen Widerstand gab, dass spätestens um 10 Uhr das Schloss Cecilienhof von Vydrigans Einheiten besetzt war und er dort seinen Führungspunkt eingerichtet hatte.

Um 10.30 Uhr begann der umfassende Angriff auf Potsdam. Rechts griff das 277. Schützenregiment von Major Gennady Abramovich Vodovozov an. Links das 282. Schützenregiment von Oberst Nikolai Seliverstovich Lazebnikov. Unsere Einheiten stießen gezielt nach Süden vor und trennten dabei die nordwestlichen Gruppierungen des Gegners von den südöstlichen. Unterstützt wurde ihr Vormarsch von sie begleitenden Infanteriewaffen. Ohne sich in den Kampf um einzelne herrschaftliche Bauten einzulassen – Villen hochgestellter Adelsfamilien der preußischen Könige und Kaiser Deutschlands – , durch Parkanlagen stürzten die Schützenkompanien buchstäblich mit ihren Infanteriewaffen, unterstützt von den Pionieren, in das Stadtzentrum, trugen den Kampf auf die Straßen und die Plätze. Dabei eroberten sie das Marmorschloss – das Schloss der Dynastie Hohenzollern, des früheren Kaisers Wilhelm II., in dem bis Ende März 1945 sein Sohn August Hohenzollern lebte. Einheiten der 175. Schützendivision vertreiben den Gegner und eroberten den Bezirk um das Schloss San-Souci und die Garnisonkirche.[53]

Die Angriffsrichtung wird aus Richtung Norden und von Neu Fahrland aus beschrieben. Danach bildete die heutige Bundesstraße 2 vermutlich die Trennlinie zwischen den beiden angreifenden Regimentern. Das 277. Schützenregiment kämpfte sich durch die Jägervorstadt und Bornstedt, den Park Sanssouci und die Brandenburger Vorstadt in das Stadtzentrum vor.[54] Das 282. Schützenregiment durch den Neuen Garten, die Nauener Vorstadt und die Berliner Vorstadt.
Mit dem „Marmorschloss“ meint Andrejew das Schloss Cecilienhof. „August Hohenzollern“ ist August Wilhelm von Preußen. Er wohnte vor seiner Flucht in Richtung Westen kurzzeitig im Schloss Cecilienhof. Und bei der genannten „Garnisonkirche“ kann es sich um die Friedenskirche im Park Sanssouci gehandelt haben.

Der Vorstoß dieser Einheiten war für den Gegner derartig heftig und unerwartet, dass der Kommandostab der deutschen Truppen der Potsdamer Garnison gegen Mittag die Führung über seine nordwestlichen und südöstlichen Gruppierungen verlor und sie in Unordnung begannen, sich aus dem Stadtzentrum nach Westen und Südosten zurückzuziehen. Im Gebiet Nedlitz zerschlugen Einheiten des 277. Schützenregiments im Zusammenwirken mit der 33. Garde-Motschützenbrigade des 9. Garde-Panzerkorps vollständig die nördliche Truppengruppierung des Gegners. Die südliche wurde in zwei Richtungen zum Rückzug gezwungen: nach Südwesten in Richtung Geltow und nach Südosten in des Gebiet des Übergangs auf die Insel Wannsee.
Um 13.00 Uhr hatte die 175. Schützendivision am 27. April 1945 im Zusammenwirken mit Einheiten des 9. Garde-Panzerkorps das Zentrum sowie die nördlichen und südlichen Teile Potsdams eingenommen.[55]

Innerhalb eines halben Tages war der größte Teil Potsdams besetzt worden. Der Auftrag der Korpsgruppe Reymann, im Raum Potsdam einen Korridor als Flucht- bzw. Ausbruchsmöglichkeit aus Berlin offenzuhalten, war endgültig gescheitert. Im Lagebericht Ost des Oberkommandos des Heeres vom 28. April 1945 wurde das mit den Worten beschrieben: „…mußte Potsdam dem mit überlegenen Pz.- und Inf.-Kräften angreifenden Feind überlassen werden.[56]

Belagerung und Eroberung aus Süden und Südosten

Am 22. April 1945 standen Panzer des 10. Panzerkorps der 1. Ukrainischen Front in Stahnsdorf und Güterfelde. Am 23. April war die Korpsgruppe Reymann „mit ihren schwachen Sicherungen auf die Seen-Engen um Potsdam zurückgeworfen“. [57] In der Nacht zum 24. April gegen 1.00 Uhr rollten die ersten 3 Panzer vom Typ 34, begleitet von einem Schützenzug, bis zu der vor der Autobahnauffahrt Drewitz errichteten Panzersperre. In den Morgenstunden des 24. April besetzte das 3. Panzerbataillon der 63. Garde-Panzerbrigade des 10. Panzerkorps der 4. Garde-Panzerarmee von Güterfelde kommend einen großen Teil von Potsdam-Babelsberg. Bei den Kämpfen in Babelsberg verlor das 3. Panzerbataillon einen Panzer und hatte 3 Tote und 6 Verwundete zu beklagen.
Bis zum 27. April besetzten die 61. und die 63. Garde-Panzerbrigade alle übrigen Teile von Babelsberg. Besonders heftige Kämpfe gab es im Umfeld des Schlosses Babelsberg. Nach sowjetischen Unterlagen kamen hier etwa 250 deutsche Soldaten und Offiziere ums Leben. Die mit der Infanterie eingesetzten zwei Panzerbataillone der 63. Garde-Panzerbrigade hatten 8 Tote und 16 Verwundete.

Am 24. April griff die 61. Garde-Panzerbrigade des 10. Panzerkorps von Bergholz-Rehbrücke aus entlang der Saarmunder Straße (heute: Heinrich-Mann-Allee) in Richtung Potsdam an.[58]

Bis 9.00 Uhr besetzte ihre Vorausabteilung den Südostteil Potsdams, die Teltower Vorstadt. Ein weiteres Vorgehen über die Havel in das Stadtzentrum hinein wurde durch die Sprengung  der Langen Brücke und durch gegnerisches Feuer verhindert. Aus der Bewegung heraus und ohne infanterieunterstützung konnte die in den vorangegangenen Kämpfen erheblich geschwächte Panzerbrigade die Innenstadt nicht erreichen. Erst in der Nacht zum 26. April griff die 61. Garde-Panzerbrigade im Zusammenwirken mit einem auf Kraftfahrzeugen beschleunigt herangebrachten Schützenregiment der 350. Schützendivision erneut in Richtung Stadtzentrum an. Dabei forcierten zwar die Angreifer den Schiffahrtskanal, die Neue Fahrt, und erreichten die Freundschaftsinsel, doch kamen sie gegen das Feuer der deutschen Verteidiger nicht über die Alte Fahrt. Nach diesem Mißerfolg begnügten sie sich mit dem Erreichten, sicherlich vor allem um die Ankunft weiterer Kräfte abzuwarten.[59]

Die am 24. April begonnene Beschießung Potsdams wurde am 26. April fortgesetzt, und intensiviert. Vor allem die als Beobachtungsstellen geeigneten Kirchtürme wurden von den auf dem Brauhausberg befindlichen Artilleristen beschossen. Die beim Bombenangriff auf Potsdam in der Nacht vom 14. zum 15. April 1945 nur leicht beschädigte Heiliggeistkirche brannte dabei völlig aus; die Nikolaikirche erlitt schwere Schäden an der Kuppel und am Mauerwerk. Getroffen wurde auch die bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogene Garnisonkirche. Am 25. April war im Gefolge des Artilleriebeschusses das vormalige Königliche Schauspielhaus bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt. Längs der Havel befindliche Straßenzüge und dort befindliche Lagerhäuser wurden ebenfalls zerstört.

Am 24. April 1945 hatten Einheiten der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee die Randgebiete Potsdams im Süden bzw. Südosten erreicht. Am Morgen diesen Tages griffen zwei Brigaden (vermutlich die 61. und 62. Garde-Panzerbrigade)  des 10. Garde-Panzerkorps[60] der 4. Garde-Panzerarmee[61] gemeinsam mit der 350. Schützendivision[62] des 27. Schützenkorps der 13. Armee[63] aus dem Gebiet um die Ortschaft Drewitz an, eroberten Babelsberg und erreichten am Abend die Havel sowie den Griebnitzsee und den Teltow-Kanal. Da die Brücken zerstört waren, blieben die sowjetischen Einheiten vor den Gewässern stehen und bereiteten deren Überquerung vor. Die 350. Schützendivision wurde geführt von Generalmajor Grigorij Iwanowitsch Wechin[64].
Am 25. April kämpften das 10. Garde-Panzerkoprs und die 350. Schützendivision im Raum Neubabelsberg-Kohlhasenbrück-Brück gegen die dort Berlin verteidigenden deutschen Truppen.  Die Einkreisung Berlins mit einem äußeren Ring war an diesem Tag vollendet, als das 6. Mechanisierte Gardekorps[65] der 4. Garde-Panzerarmee um 12 Uhr, nach der Eroberung von Ketzin und Paretz, bei Uetz und Falkenrehde auf Teile der 328. Schützendivison des 77. Schützenkorps der 47. Armee traf.
Die Kämpfe im Gebiet Neubabelsberg-Wannsee gingen auch am 26. April weiter, so dass die 4. Garde-Panzerarmee und die 350. Schützendivision nicht vorankamen. Parallel mit dem am Morgen des 27. April aus Richtung Norden eingeleiteten Großangriff auf Potsdam wurden auch die Kampfhandlungen im Südosten, Süden und Westen der Stadt forciert.
Die Soldaten der über die Havel aus Richtung Süden in Potsdam eingedrungenen 61. Swerdlower-Lwower Garde-Panzerbrigade[66] des 10. Garde-Panzerkorps trafen im Zentrum Potsdams, vermutlich am heutigen Platz der Einheit, mit den aus Richtung Norden kämpfend in die Stadtmitte gelangten Soldaten des 282. Swerdlower-Warschauer Schützenregiments zusammen. Vor ihnen soll aber bereits eine Einheit Aufklärer im Gebäude der Hauptpost mit dem 282. Schützenregiment zusammengetroffen sein.[67] Es könnte sich dabei um Angehörige der 416. Selbständigen Aufklärungskompanie der 350. Schützendivision gehandelt haben, die aus Richtung Babelsberg in Potsdams Zentrum gelangt waren.[68]

Die ersten sowjetischen Stadtkommandanten von Potsdam

Nach der Einnahme der östlichen Stadtteile und des Zentrums von Potsdam meldete der Kommandeur des 282. Schützenregiments, Oberstleutnant Nikolai Seliverstovich Lazebnikov, über Funk seinem Divisionskommandeur,  Generalmajor Zakhari Petrowitsch Vydrigan, die  Erfüllung der ihm gestellten Kampfaufgabe. Darauf erhielt Lazebnikov den Befehl: „Das eroberte Gebiet bis zum Eintreffen der Hauptkräfte der Division halten. Dabei jedoch darauf achten, dass die Berliner Gruppierung der deutschen Truppen versuchen wird, das Regiment heftig zu attackieren, um den Weg nach Westen freizuhalten.“ Vydrigan beauftragte den Oberstleutnant zugleich, die Funktion des Stadtkommandanten von Potsdam zu übernehmern bis zu einer weiteren Entscheidung über deren Besetzung nach Eintreffen des Divisionsstabes im Stadtzentrum. Da Nikolai S. Lazebnikov aber noch mit der Bekämpfung von gegnerischen Gruppen im Stadtzentrum befasst war, übertrug er die Einrichtung der Stadtkommandantur seinem Stabschef, Major N. P. Smirnow, dem Politstellvertreter des Regiments, Oberleutnant Lebedjew, und dem Dolmetscher, Oberleutnant A. I. Lewin.
Die Interimstätigkeit der provisorischen Potsdamer Stadtkommandantur, die vermutlich bis Anfang Mai 1945 von den vorstehend genannten Personen geführt wurde und dann provisorisch auf Oberstleutnant Andrej Sacharowitsch Werin, Stellvertreter des Kommandeurs der 175. Schützendivision, überging  wurde am 15. Mai 1945 mit der offiziellen Ernennung Werins durch den Befehlshaber der 1. Belorussischen Front, Marschall Georgij K. Shukow, zum Stadtkommandanten von Potsdam beendet.[69]

Die Übergabe des “Potsdamer Stadtschlüssels”

Gegen 12 Uhr hatte der Kommandeur der 175. Schützendivision, Generalmajor Zakhari Petrovich Vydrigan, am 27. April 1945 – die Kämpfe im Stadtzentrrum waren noch in vollem Gange – seinem Korpskommandeur, Generalmajor Andrej M. Andrejew, mitgeteilt, dass sich in dem von ihm besetzten Schloss Cecilienhof Vertreter des Potsdamer Magistrats mit Schlüsseln eingefunden hätten und diese übergeben wollten. Vydrigan wurde von Andrejew beauftragt, die Schlüssel zu übernehmen.

In seinen 1984 erschienen Erinnerungen beschreibt Andrejew, wie er die Schlüsselübergabe erlebt hat.

Am Mittag war ich Augenzeuge und Teilnehmer eines Ereignisses im Cecilienhof. Der Kommandeur der 175. Schützendivision, Generalmajor Zakhar Petrovich Vydrigan, erhielt von Vertretern des Potsdamer Magistrats Schlüssel aus dem Kaiserpalast. „Ich bin erfreut über die Ehre, mit der großen Mission hierher zu kommen – das deutsche Volk vom faschistischen Joch zu befreien – und nun die Schlüssel zu übernehmen“, sagte der General fest. „… Sehr geehrte Vertreter des Magistrats von Potsdam! Im September 1941 forderte Ihr Führer, dass die Stadt Leningrad mit ihren historischen Denkmälern vom Erdboden verschwindet. Die Leningrader überlebten und gewannen, obwohl die Nazis in der Nähe der Stadt Paläste, Kunstgalerien und Parks zerstörten – die historischen Werte des sowjetischen Volkes. Krieger der Roten Armee werden niemals mit den faschistischen Kannibalen verglichen werden können und werden niemals die Würde der Sowjetbürger verlieren. Die Rote Armee ist eine Befreiungsarmee, die Armee des großen sowjetischen Volkes, das die Welt vor der Sklaverei der Nazis gerettet hat. [70]

1965 stellte der Korrespondent des Zentralorgans des sowjetischen Jugendverbandes „Komomolskaja Pravda“ nach einem Gespräch mit dem damals 67jährigen Vydrigan – der zwei Jahre später verstarb – den Vorgang wie folgt dar:

Der Schlüssel von Potsdam wurde Generalmajor S. P. Vydrigan, Kommandeur der Division, die Potsdam im April 1945 erstürmt hat, von Repräsentanten des Bürgermeisters ausgehändigt.“ Dieser lakonische Text und der mit Initialen verzierte Schlüssel selbst ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher des Historischen Museums Cherson auf sich.
Der Museumsführer, an den wir uns mit der Bitte wandten, die Geschichte dieses Exponats zu erzählen, schlug vor, sich doch selbst mit Sachar Petrowitsch Vydrigan zu treffen – der Generalmajor, inzwischen im Ruhestand, wohnt in Cherson.
… Mit dem ersten Bataillon landete auch General Vydrigan am feindlichen Ufer. Den Widerstand der Verteidiger überwindend besetzte die Division die Stadt. In Panik flüchtete die Besatzung der Garnison. Gegen Mittag wehte die Rote Fahne vom Familienschloss der deutschen Imperatoren, der letzten Festung der Feinde. Und hier übergab der erschrockene zitternde Vertreter des Potsdamer Bürgermeisters sich tief verneigend dem General den Schlüssel der Stadt.
So ergab es sich, beendete Sachar Petrowitsch seine Erzählung, dass der traditionelle Schlüssel, der die Öffnung der Festungstore symbolisiert, den Ring um Berlin schloss. Denn genau in Potsdam trafen wir auf die Kämpfer der Ersten Ukrainischen Front, die Hitlers Hauptstadt von Süden eingekreist hatten. [71]

Als seine Memoiren erschienen, war Andrejew 79 Jahre alt. Vermutlich waren sie ein Baustein der Vorbereitung auf den 40. Jahrestag des Endes des Großen Vaterländischen Krieges im Jahr 1985. Ob wirklich alles so abgelaufen ist, wie von ihm geschildert, lässt sich nicht nachprüfen. Aber er war dabei und somit Zeitzeuge. Das trifft auch für den nachfolgenden von ihm beschriebenen Vorgang zu.

Nach der Zeremonie der Schlüsselübergabe (der jetzt in General Vydrigans Heimat im Chersoner Regionalmuseum für örtliche Geschichte aufbewahrt wird) verließen wir zusammen mit den Vertretern des Magistrats den Palast. Wie absichtlich kam eine Kolonne gefangener deutscher Soldaten und Offiziere evorbei. Eine junge deutsche Frau schluchzte am Palastplatz in einer Menge von Anwohnern. Zakhar Petrovich, der missmutig seinen Budjonny-Schnurrbart drehte, befahl dem Dolmetscher, herauszufinden, was da los sei. Zwei ältere Frauen traten vor. Sie fielen sich gegenseitig ins Wort und sagten: In der Kolonne der Kriegsgefangenen ist ein junger deutscher Bräutigam und sie weint, weil sie ihn nie wieder sehen wird. Der General befahl, die Kolonne anzuhalten und den Bräutigam zu finden. Heraus trat trat ein ziemlich ramponiert aussehender, sehr junger Soldat. Nachdem Zakhar Petrovich das Mädchen gerufen hatte, nahm er die Hände der jungen Menschen und wünschte ihnen Glück.
Lautes Stimmengewirr unter den erstaunten gefangenen Soldaten. Ergriffen wischten sich Einheimische die Tränen weg. Eine der Frauen verbeugte sich vor dem russischen General und sagte: „Wir werden diesen Augenblick nie vergessen! Gestatten Sie mir, in die Stadtteile zu gehen, in denen die Deutschen noch Widerstand leisten. Ich und andere Frauen werden ihnen sagen, dass die Russen nicht so sind, wie Goebbels sie geschildert hat.“ Nach ungefähr einer Stunde kehrten die Frauen zurück. Sie berichteten, dass der Hitleroberst bereit ist, den Widerstand einzustellen und sich dem russischen General mit dem langen Schnurrbart zu ergeben.

Um 12 Uhr hatte Vydrigan seinen Korpskommandeur über den Wunsch der Schlüsselübergabe informiert.  Interessant ist, wie dieser Wunsch an Vydrigan selbst herangetragen wurde und vor allem durch wen. Eine Rolle dabei könnte der zum Zeitpunkt der Besetzung des Schlosses Cecilienhof dort anwesende Privatsekretär des Kronprinzen Wilhelm von Preußen, Arthur Berg, gespielt haben. Zumindest gewährte ihm die sowjetische Besatzungsmacht auch nach der Einnahme Potsdams viel Handlungsfreiheit. Möglicherweise trug auch seine Bekanntschaft mit dem Obermagistratsrat Dr. Friedrich Bestehorn[72] dazu bei, der seit dem 25. April als Oberbürgermeister von Potsdam wirkte. Berg war 1945 im Alter von 56 Jahren, Bestehorn 57 Jahre alt und nicht nur Verwaltungsfachmann, sondern tief in der Geschichte verhafteteter Historiker. Möglicherweise hatte Berg die Zeremonie der Schlüsselübergabe Bestehorn telefonisch suggeriert. Um mit dieser symbolischen Geste die Angreifer für sich einzunehmen. Was anfänglich auch funktioniert hat – kurzzeitig bei Bestehorn[73], über ein Jahr lang bei Berg.

Oberbürgermeister Hans Friedrichs (NSDAP)[74] hatte sich am 23. April mit NSDAP-Gauleiter Emil Stürtz[75] und dem NSDAP-Kreisleiter Karl Scholze[76] sowie dem Polizeipräsidenten Heinrich von Dolega-Kozierowski[77] und verschiedenen Dezernenten der Stadtverwaltung in Richtung Westen abgesetzt. Die Geschäfte des Oberbürgermeisters übte seit dem 25. April Obermagistratsrat Dr. Friedrich Bestehorn aus. Für die Leitung der von ihren Chefs verlassenen Verwaltungsressorts hatte er „ die fähigsten älteren Berufsbeamten aus(gesucht), die auch politisch im nationalsozialistischen Staat nie aktiv hervorgetreten waren.“ Bestehorn wohnte in der Allee nach Sanssouci 5. Vermutlich hielt er sich am 27. April im Gebäude des Regierungspräsidenten (heute: Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Potsdam, Friedrich-Ebert-Straße 79/81) auf, da das Stadtschloss – der eigentliche Sitz der Stadtverwaltung – zerstört war. Aber was soll ihn bewogen haben, sich während der Kämpfe in das Schloss Cecilienhof zu begeben? Oder war er dort hingebracht worden? Aber wer soll gewusst haben, dass er die Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters ausübte? Zwischen dem Beginn der sowjetischen Offensive um 10.30 Uhr und der Information über die gewünschte Schlüsselübergabe waren gerade 90 Minuten vergangen! Arthur Berg war das bekannt.

Der am 27. April 1945 an die Rote Armee übergebene “Potsdamer Schlüssel”.

Der Zeitraum zwischen der Besetzung von Schloss Cecilienhof (zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr), dem Beginn der sowjetischen Offensive (10.30 Uhr) und der Übermittlung des Wunsches der Schlüsselübergabe (12.00 Uhr) spielt auch eine Rolle, wenn es um die Antwort auf die Frage geht: Wie erfolgte die Auswahl des Schlüssels und was für einer wurde übergeben. Einen offiziellen Stadtschlüssel gab es in Potsdam nicht. Bestehorn hatte zu diesem Zeitpunkt nur Zugriff auf die in seinen Büroräumen befindlichen Schlüssel und Berg auf die im Schloss Cecillienhof. Die Reite des Schlüssels, d.h. der Griff, war kunstvoll gestaltet, mit einem Katzenkopf bzw. einer Maske im Zentrum. Es wirkt aber verspielt und weist eher auf die Bewohner von Schloss Cecilienhof hin als auf die doch sehr sachlich und korrekt agierenden Beamten der Stadtverwaltung bzw. des Regierungspräsidiums.
Eine Antwort auf die vorstehenden Fragen und Vermutungen liefert das Journal der Kampfhandlungen der 175. Schützendivision für den Zeitraum 1. bis 30. April 1945, in dem es zum 27. April 1945 heißt:

Um 12 Uhr war der Beobachtungspunkt des Kommandeurs der Division schon im nordöstlichen Gebiet Potsdams, im Schloss der Dynastie des vormaligen Kaisers von Deutschland, Wilhelm II. Hohenzollern, in dem bis Ende März 1945 sein Sohn August Hohenzollern wohnte. Der Schlüssel zum Schloss wurde dem Divisionskommandeur vom Kommandeur des 2. Bataillons des 282. Schützenregiments übergeben, das das Schloss eingenommen hatte und im Verlauf des Tages im südlichen Bereich Potsdams vorging.[78]

Das Schloss Cecilienhof diente dem Komandeur und dem Stab der 175. Schützendivision vom 27. bis zum 30. April 1945 (bzw. bis zum 1. Mai) als Kommandopunkt. Das und die vor allem im südöstlichen Bereich des Neuen Gartens bis Ende April geführten Kämpfe müssen Auswirkungen auf die Bewohner des Schlosses Cecilienhof sowie weiterer im Neuen Garten befindlicher Wohnhäuser gehabt haben.

Viel Pathos und Theatralisches enthält die Beschreibung der Szene, die sich vor dem Schloss Cecilienhof abgespielt haben soll. Man kann es als nachträgliche Propaganda abtun, andererseits sind die vorhergehenden Beschreibungen von Andrejew weitgehend sachlich gehalten und enthalten durch offizielle Dokumente bestätigte Fakten. Doch auch dafür hält der schon vorstehend zitierte Bericht für den 27. April Erklärungen bereit:

In der Nacht wurden in der Stadt kleinere Gruppen des Gegners liquidiert und zum Morgen des 28.4.45 wurde Potsdam vollständig gesäubert. In den Kämpfen um Potsdam verlor der Gegner:
Tote –  bis zu 100 Soldaten und Offiziere, Gefangene – 398 Soldaten und Offiziere, darunter auch ein Oberst des Luftfahrtministeriums…[79]

Am 27. April 1945, 13 Uhr, waren Babelsberg, die Nauener Vorstadt, die Jägervorstadt, die Innenstadt und die Teltower Vorstadt von der Sowjetarmee eingenommen. In der Brandenburger Vorstadt, im südlichen Teil des Neuen Gartens und in der Berliner Vorstadt gingen die Kämpfe weiter.

Letzte Kämpfe in der Berliner Vorstadt

In der Berliner Vorstadt hatten sich aus den umkämpften und danach besetzten Stadtgebieten abgedrängte bzw. ausgewichene Teile der Potsdamer Besatzung verschanzt. Rund 300 Mann sollen es gewesen sein, vorwiegend Volkssturmmänner mit Gewehren älterer Bauart und Handgranaten. Aber auch ein Trupp SS-Männer unter Führung eines SS-Sturmbannführers sowie Angehörige der Polizei. Sie verfügten über etwa 50 Maschinengewehre, mindestens 26 Geschütze unterschiedlichsten Kalbers und wenigstens 2 Sturmgeschütze. Das von dieser Kampfgruppe gehaltene Gebiet hatte als Grenzen die Havel im Süden, die Behlertstraße im Westen, die Straßen am Rand des Neuen Gartens im Norden und den Jungfernsee im Osten. Verschanzt hatte sie sich vorwiegend in den Kasernen am Westende des Gebietes, entlang des Heiligen Sees und des Hasengrabens sowie im Bereich der Glienicker Brücke.
Am 28. April begann die 75. Schützendivision von Generalmajor Vydrigan mit dem Angriff auf die Berliner Vorstadt. Geführt wurden die Angriffshandlungen von dem im Schloss Cecilienhof befindlichen Kommandopunkt der Einheit.
Das 2. Bataillon des 277. Schützenregiments der Division griff südöstlich vom Schloss Cecilienhof an, vermutlich ab dem Grünen Haus und auf dem Teilstück des Neuen Gartens zwischen Heiligem See und Jungfernsee. Am Hasengraben stieß es auf Widerstand. Um diesen zu brechen, wurden vom Neuen Garten aus Granatwerfer und leichte Artillerie sowie Scharfschützen eingesetzt. Da es in der Berliner Vorstadt kaum Zerstörungen gab, werden die Geschosse konzentriert auf die deutsche Verteidigungslinie abgefeuert worden sein.

Hanna Grisebach beschreibt den Vorgang mit ihren Worten:

Der 28. April, ein Sonntag, bringt die entscheidenden letzten Kämpfe. Granatwerfer, im Neuen Garten aufgestellt, und leichte Artillerie beschießen unsere Wohnviertel, dazu Tiefflieger mit ihren MGs und Scharfschützen. Unter Lebensgefahr holen wir die notwendigen nahrungsmittel aus der Wohnung. Als meine Tochter bei einem solchen Gang oben in der Küche ist, hört sie das Heulen einer Granate, sieht wie die Soldaten draußen auf der Straße sich zur Erde werfen  – und schon steckt das Geschoß in der decke, sie mit Mörtel und Staub überschüttet. Es ist ein Blindgänger, und äußerlich ruhig, als ob nichts geschehen ist, kommt sie zu uns in den Keller.
Inzwischen ist, zu unser aller Schrecken, eine Horde von SS-Männern unter Führung eines >>Sturmbannführers>> ins Haus gerückt. Sein Adjutant hatte uns oft durch die zynische Roheit seiner Erzählungen im Luftschutzkeller über die Verteidigung Posens Abscheu eingeflößt. Nun brachte er durch die Einquartierung das Leben von mindestens fünfzig Menschen in höchste Gefahr. Quälende Spannung bemächtigte sich unser, ob die SS wohl aus den Fenstern feuern würde, dann wären wir später von den Russen erschossen und das Haus eingeäschert worden: Wir wußten von gleichen Maßnahmen anderwärts. Ein Freund meines Sohnes in Berlin war das unschuldige Opfer davon geworden.
Einmannlöcher wurden vor unseren Kellerfenstern in den Garten gegraben und uns unter Androhung der Erschießung verboten, die weiße Fahne zu hissen. In der gegenüberliegenden Villa, die Frau von B. mit fünf Töchtern bewohnte[80], rissen wutentbrannte SS-Leute die herausgehängten Bettlaken herunter. Mein Mann versuchte Frau von B. zu verteidigen, er mußte aber ins Haus zurückfliehen, um nichts selbst ergriffen zu werden, – ich schlug geistesgegenwärtig die schwere Eichentür den Verfolgern vor der Nase zu. Im selben Augenblick setzt ein heftiges Bombardement ein, unser Keller bebt unter den vielen Einschlägen. Oft dringt der Rauch der Explosionen zu uns herein, wir ziehen zum Schutz gegen Splitter dicke Wolldecken über die Köpfe und pressen uns an Wand und Boden, aber der Keller hält! Er hat seine Feuerprobe bestanden.
Nicht lange danach stürzen zwei Schwerverwundete herein: Es sind der SS-Mann Sch. Und ein Polizeiwachtmeister. Sie kriechen auf allen Vieren, Blutspuren nach sich ziehend, werden rasch verbunden und auf Wagen über die Brücke abtransportiert. Herr Sch. nimmt seine Tochter mit, die er als Rote-Kreuz-Schwester mit Windjacke, Stahlhelm und Armbinde ausstaffiert hat. Gerade hatte dieses Mädchen, das wir die >>Jungfrau von Orleans<< nannten, die Granaten verächtlich als >>kleine harmlose Dinger>> bezeichnet – nun machten sie ihren Vater für Jahre, wenn nicht für immer, zum Krüppel. Später soll der NKWD der Russen ihn lange in einem der Lazarette gesucht haben, konnte ihn aber nicht finden, da er wie alle SS-Leute über doppelte Papiere verfügte.
In zwölfter Stunde verlassen endlich Volkssturm und SS das Haus, die unerträglich gestiegene Spannung läßt nach und wir atmen auf. Von welcher Seite der Befehl zur Räumung ausgegangen war, bleibt uns unbekannt, obwohl der Stab des Generals L. im Hause schräg gegenüber[81] liegt. Dies gibt mir Gelegenheit, als unfreiwillige Zeugin ein Gespräch zwischen dem General und seinem Adutanten zu belauschen, während sie vor unserem Kellerfenster auf und ab gehen, so daß ich ihre hin- und herschreitenden Füße sehen kann. Es handelt sich um die nie zu lösende Frage: Kapitulieren oder weiterkämpfen? Der Major tritt für das Aufgeben des doch zwecklosen Kampfes ein, der General in altem preußischem Pflichtgefühl kanzelt ihn ab und erwidert etwas scharf, aber mit tiefer Überzeugung in der Stimme: „Ich werde jedenfalls bis zum letzten Augenblick hier helfen!“ Damit ist der jüngere Offizier gedemütigt, niedergeschlagen geht er langsam aus dem Hofe.
Die Russen rücken nun vom Neuen Garten her an, die kleine Brücke über den sog. Hasengraben ist hart umfochten, die Villen daran sind in Brand geschossen, Flammen und Rauch steigen in langer Zeile empor. Wir hören die letzten noch übriggebliebenen Verteidiger ihre Gewehre laden und schießen, dann der Ruf: „Zurück, der Russe kommt!“ Kurz darauf donnert es unsere Haustür, aber erst gegen Morgen dringt der erste Russe in den Keller. Für uns bedeutet das, daß wir uns nicht mehr in unmittelbarem Kampfgebiet befinden. Draußen aber geht die Schlacht um Berlin weiter, und die Abschüsse der schweren Artillerie von der nahen Brückenstellung aus erschüttern unser Haus. Bei einem raschen Inspektionsgang konstatieren wir zwei Treffer in Küche und Wohnzimmer, dessen Decke durchschlagen ist. Fast alle Fenster sind zerbrochen. Die Scheibenreste klopfen wir heraus und werfen sie zu einem großen Glashaufen auf die Straße.[82]

Hannah von Bredow, die mit ihren noch zu Hause befindlichen vier Töchtern in der Wörtherstraße 15 (Menzelstraße 15) wohnte, schilderte ihrem Bruder in einem Brief den von Hanna Grisebach beschriebenen Vorgang um die aus ihrem Haus hängenden weißen Tücher wie folgt:

Und plötzlich entstand in einer Feuerpause vor meinem Haus ein Menschenauflauf. S.S.-Kerle, Zivilisten, Weiber aller Artt brüllten nach mir. Ich ging ans Fenster: “An die Laterne die Verräterin! Handgranaten ins Haus! Weiße Fahnen! Solche Weiber sollte man zerreißen!” Immer mehr Leute sammelten sich an. Mich ergriff eine ganz große Wut. Ich beugte mich heraus und rief: “Scheren sie sich alle zum Teufel! Schämen Sie sich selber! Was liegt hier in der Straße herum? Gewehre, Monturen, Uniformen, Koppel, Munition! Wer bettelt um Zivilkleider? Die S.S.! Wer ist feige? Sie alle! Glauben Sie, dass ich meine Töchter diesem Wahnsinn opfern will? Wenn Sie mir beweisen können, dass die Russen noch nicht da sind, werde cih die Fahnen einziehen, werde sie aber sofort heraushängen, wenn die ersten Russen kommen.”[83]

Hintergrund des Handelns von Frau von Bredow war die am 27. April in Potsdam umlaufende Nachricht vom Einmarsch der Roten Armee. Doch das bezog sich auf andere Teile der Stadt, noch nicht auf die Berliner Vorstadt.

Der Angriff der Roten Armee kam am Hasengraben zum Stocken und wurde erst am 29. April wieder aufgenommen. Generalmajor Vydrigan plante einen Hauptangriff zwischen der Gotischen Bibliothek und dem Westende des Hasengrabens über den Heiligen See in Kombination mit einem erneuten Angriff des 277. Schützenregiments entlang des Hasengrabens sowie mit einem Vorstoß des 282. Schützenregiments aus dem Bereich des Gaswerks an der Schiffbauergasse heraus. Das 282. hatte das Gaswerk am 28. April gegen 20.00 Uhr mit zwei Bataillonen eingenommen und sich dort festgesetzt. Vydrigan konzentrierte am Westufer des Sees, vermutlich im Umfeld des Marmorpalais, ein Bataillon mit Schwimmfahrzeugen, das den See überwinden und einen Schlag in die Flanke des Gegners führen sollte. Sowohl des 277. SchtzRgt als auch das 282. SchtzRgt waren nicht erfolgreich. Gegen 19.00 Uhr mussten sie zwei Gegenangriffe abwehren, die gegen das 277. mit 150 Mann und 2 Sturmgeschützen und gegen das 282. ebenfalls mit 150 Mann und 3 Sturmgeschützen geführt wurden. Die Gegenangriffe scheiterten unter erheblichen Verlusten auf der deutschen Seite, was dazu führte, dass die sowjetischen Truppen dann doch noch erfolgreich waren.

In der Nacht zum 30. April gelang dann der Stoß über den Heiligen See bei gleichzeitigem Angriff von den beiden anderen Seiten. Im Zusammenwirken mit dem 3. Bataillon des 277. SchRgt nahm das 282. SchtzRgt unter Einbsatz von Artillerie im direkten Richten die Berliner Vorstadt bis 1.00 Uhr ein. Etwa 160 deutsche Soldaten und Offiziere waren gefallen, 140, darunter ein Oberst, gaben sich gefangen. Ein weiterer Teil der deutschen Besatzung von Potsdam zog sich über die Glienicker Brücke auf die Insel Wannsee zurück, während die Brücke durch ein einschlagendes Geschoß vorzeitig zerstört wurde.[84]

Hanna Grisebach hat in der Nacht vom 29. zum 30. April in ihrem Keller in der Wörtherstraße 3 den ersten Soldaten der Roten Armee gesehen haben.

Als dann in der Nacht des 29. April der erste Russe in unser Haus drang, fungierte Marja in sehr verständiger Weise als Dolmetscherin und rettete unsern Sohn durch den Hinweis auf seine Krankheit vor Belästigungen. Ihr Brotherr[85] war durch die Ereignisse so gebrochen, daß er auf die Frage meines Mannes, was er tun würde, wenn die Russen kämen, antwortete: Ich werde den Hut ziehen und sagen „Guten Tag, meine Herren“. Dies war, so grotesk es uns erschien, ernst gemeint. Er wurde jedoch nach wenigen Tagen von dem NKWD abgeholt und nach Rußland abtransportiert. Sein Geschick ist tragisch zu nennen, weil er ein Opfer der falschen Ideologie des Nazismus wurde und viel Gutes und echter Idealismus in dem Manne steckten. In normalen Zeiten wäre er ein geachtetes und sozial in aufbauendem Sinne wirkendes Mitglied des Bürgertums geblieben.[86]

In der Wörtherstraße 15, dem Haus von Hannah von Bredow und ihren Töchtern, wurde der erste Soldat der Roten Armee am 30. April registriert.

Nun ging es ununterbrochen: Russen, Russen, und ich versteckte die Mädel oben im blauen Zimmer. Die Russen lieben keine Treppen.[87]

Hannah von Bredows Biograph, Reiner Möckelmann, fasste die weiteren Erlebnisse aus ihren Tagebucheintragungen wie folgt zusammen.

Einen gewissen Schutz boten Hannah von Bredow der bei ihr wohnende Sydney Jessen[88] und der Diplomat Maximilian von Engelbrechten[89]. So setzte Engelbrechten auf die Liebe der Russen zur Musik, als ein betrunkener Soldat Jessen im Haus mit einer Pistole bedrohte. Mit Takten aus einer Arie von Haydns „Schöpfung“ beruhigte er den Angreifer und ermöglichte Hannah, ihre vier Töchter im Alter zwischen 19 und 26 Jahren im Obergeschoss zu verstecken. Einen Tag darauf fehlten nach Verlassen von 14 russischen „Übernachtungsgästen“ allerdings Teppiche, Schuhe und Wertgegenstände. Ein Protest in der russischen Kommandantur und der Hinweis auf dieselbe gegenüber weiteren russischen Eindringlingen erbrachte zumindest Schutz gegen erneute Übergriffe.[90]

Am 30. April waren gegen heftigen Widerstand auch die Brandenburger Vorstadt, Eiche und Golm eingenommen worden. Am 1. Mai verdrängten die sowjetischen Truppen die letzten deutschen Einheiten aus dem Gebiet Pirschheide-Wildpark über die Baumgartenbrücke von der Insel Potsdam.

Bei der Heftigkeit der im Gebiet Neuer Garten – Berliner Vorstadt geführten Kämpfe ist es erstaunlich, dass es diese unzerstört überstand. Mögliche Schäden müssen so geringfügig gwesen sein, dass sie keine Aufnahme in die Bestandsübersicht von Wohnhäusern in der Stadt Potsdam vom 28. Mai 1947[91] fanden.

Das Haus Neue Königstraße 62 (heute: Berliner Straße 86), „Villa Schöningen“ überstand den Krieg ebenfalls ohne größere Schäden. Bewohnt wurde es zum Zeitpunkt der Kämpfe von Hausangestellten der Eigentümerfamilie Wallich, der Köchin und drei Hausmädchen. Die Eigentümer hatten das Haus ab 1939 nicht mehr aufgesucht. Zeitweilig wurde das Haus von der Roten Armee genutzt, um dort verwundete Soldaten unterzubringen. Das war vermutlich ab dem 29. April der Fall. [92]

Einer ausführlicheren Untersuchung wert wäre das Haus Schwanenallee 10. Es befindet sich kurz vor der Schwanenbrücke und lag während der Kämpfe Ende April 1945 mitten im Zentrum derselben. Sein Eigentümer war zu diesem Zeitpunkt Oberregierungsrat Dr. Hermann Albrecht. Albrecht war noch im Jahr 1949, als alle anderen Häuser der Schwanenallee von der Besatzungsmacht vereinnahmt worden waren, als Eigentümer im Adressbuch eingetragen. Als „Oberregierungsrat a. D.“.
Hermann Albrecht war am 6. August 1881 geboren worden und verstarb am 28. März 1965 in Potsdam. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Friedhof in der Heinrich-Mann-Allee.[93]
Seit 1915 ist der 34jährige Jurist Hermann Albrecht im Potsdamer Adressbuch verzeichnet: Dr. jur. und Gerichtsassessor sowie wohnhaft Neue Königstraße 82. Dort wohnt er auch 1917, nunmehr als Regierungsassessor. 1919 ist der Regierungsrat Hermann Albrecht in der Wörther Str. 6 zu finden, wo er auch 1922 als Oberregierungsrat wohnt. 1925 ist er Eigentümer der Schwanenallee 9/10. 1922 hieß die Eigentümerin Lisbeth Frick, Witwe. Für 1938 ist Albrecht im Adressbuch als in Misdroy[94] wohnend und mit 57 Jahren als noch beruflich tätig verzeichnet.
In seiner Freizeit befasste er sich mit der Natur, und er war mit dem Staudenzüchter Karl Foerster befreundet. 1935 erschien ein von Hermann Albrecht verfasster Beitrag mit dem Titel „Landschaftsgestaltung an der Ostseeküste. Vom Zauber der Dünen, von Menschen- und Weltseele“. Die Freundschaft mit Karl Foerster hat vermutlich den Ursprung in der beruflichen Tätigkeit ihrer Väter, Wilhelm Foerster[95] und Carl Theodor Albrecht[96], und in der freundschaftlichen Beziehung ihrer Familien. Carl Theodor Albrecht wohnte mit seiner Familie auf dem Telegrafenberg, wo er am 31. August 1915 verstarb.
Hermann Albrecht erwarb das Grundstück, auf dem der Maurermeister Albert Lüdicke 1874 für den Kaufmann Paul Eckert ein kleines Sommerhaus baute. Der Hoflieferant Eckert besaß in der Schwertfegerstraße 13 ein „Magazin f. Haus u. Küchengeräthe“. 1995 wird das Haus wie folgt beschrieben:

Dadurch erwarb er sich vermutlich auch das Privileg, so nahe am Heiligen See, in der zur Krone gehörenden, >>von der Schwanenbrücke im Neuen Garten nach der Glienicker Brücke führenden Chaussee<< sein Sommerhaus erbauen zu dürfen. Das kleine eingeschossige Haus, das an der Rückseite schlimme Auswucherungen durch immer wieder neue Anbauten aus späterer Zeit zeigt, hat einen giebelbekrönten Mittelrisalit, dem ein Altan vorgelagert ist. Dieser wurde später zur glasüberdachten Veranda ausgebaut. Der Kranz im Giebelfeld, noch mehr aber die Loggia mit ihrem reichen plastischen Schmuck, den schönen Figurenkapitellen und den drei Reliefmedaillons mit den munter agierenden Putten, die heute unter dem Glasdach versteckt sind, lassen erkennen, daß dieses Haus einst wohl mehr war als ein bescheidenes Sommerhaus. Dafür spricht auch das pfeilergeschmückte, mehrfach erweiterte Gartenhaus aus gelbem Backstein direkt an der Grundstücksgrenze zur Schwanenallee 11, ein mittlerweile völlig zugewachsener Bau, von dem aus sich ursprünglich ein weiter Ausblick nach Norden auf den Jungfernsee bis nach Sacrow bot.[97]

Dass in der Architekturbeschreibung keine während des Krieges entstandenen Schäden benannt werden, grenzt an ein Wunder, angesichts der dort stattgefundenden Kämpfe.

Anmerkungen

[1] Shukow, G. K.: Erinnerungen und Gedanken. In: Volksarmee, Sonderausgabe Nr. 4,. S. 111.

[2] Zur 47. Armee:
https://ru.wikipedia.org/wiki/47-%D1%8F_%D0%B0%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%8F_(%D0%A1%D0%A1%D0%A1%D0%A0) ; https://web.archive.org/web/20110425185202/http://bdsa.ru/index.php?option=com_content&task=view&id=2818&Itemid=28

[3] Vgl. Shukow, a.a.O., S. 113.
Am 24. April hatte die 47. Armee, die nördlich an Berlin vorbeigestoßen war und nun nach Südwesten zur Schließung des Ringes um Berlin einschwenkte, zurückweichende deutsche Kräfte verfolgt und mit ihrem 77. Schützenkorps Nauen erreicht.
Um 20 Uhr erhielt die 328. Schützendivision des 77. Schützenkorps den Auftrag, mit der 65. Panzerbrigade der 2. Panzerarmee und dem 21. Leichten Artillerieregiment die Stadt anzugreifen und einzunehmen. Offensichtlich weurden in der nacht aber nur einige Panzer mit aufgesessener Infanterie in Marsch gesetzt. Sie bekämpften und beseitigten gegnerische Straßensperren, die um diese Zeit nur von wenigen Volkssturmmännern besetzt waren.
Um 22.10 Uhr trafen die Spitzen des 1103. Schützenregiment der 328. Schützendivision, das auf der Straße Markee-Etzin-Ketzin vorgerückt war, am Nordrand von Ketzin auf eine Einheit der 35. Garde-Motschützenbrigade des 6. Mechanisierten Panzerkorps der 4. Garde-Panzerarmee der 1. Ukrainischen Front. Nach einer anderen Quelle soll das Zusammentreffen um 23.30 Uhr erfolgt sein.
Am Morgen des 25. April folgten die Hauptkräfte der 328. Schützendivision. Auf der Straße Bredow-Wustermark-Falkenrehde erreichte gegen 10.00 Uhr die zum Teil auf Panzern aufgesessene Infanterie südlich von Marquardt das Nordufer des Sacrow-Paretzer Kanals. Die Straßenbrücke und vermutlich auch die wenige hundert Meter weiter westlich gelegene Eisenbahnbrücke waren gesprengt bzw. vermint. Mögliche Übersetzstellen sicherten die auf der Südseite liegenden deutschen Truppenteile mit Maschinengewehr- und Granatwerferfeuer. Die sowjetischen Einheiten antworteten mit Geschützfeuer und versuchten den Kanal zu überqueren. Bis 13.00 Uhr war ein Bataillon des 1107. Schützenregiments der 328. Schützendivision übergesetzt. Die übrigen Einheiten folgten. Bis 20.00 Uhr erreichten die Spitzen der Division Bornim. Damit schwere Kampftechnik (Panzer, Geschütze, Lastkraftwagen) nachgeführt werden konnte, wurde über den Sacrow-Paretzer-Kanal eine Behelfsbrücke errichtet.
(Vgl. Arlt, Kurt/Stang, Werner: Kampf um Potsdam Ende April 1945. In: Brandenburg im Jahr 1945. Studien. Herausgegeben von Werner Stang unter Mitarbeit von Kurt Arlt, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam 1995, S. 175 f.)
Die Autoren hatten 1995 die Möglichkeit, Unterlagen zu verwenden, die im Zentralarchiv des Ministeriums für Verteidigung der Russischen Föderation liegen sowie aus dem Bundesarchiv-Militärarchiv/Militärisches Zwischenarchiv Potsdam. Es ist bis heute die faktenreichste und am sachlichsten gehaltene Arbeit über die Kämpfe um und in Potsdam im April 1945.

[4] Zur Person von Franz Josifowitsch Perchorovitsch: https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D1%80%D1%85%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87,_%D0%A4%D1%80%D0%B0%D0%BD%D1%86_%D0%98%D0%BE%D1%81%D0%B8%D1%84%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87

[5] Zur Person von Iwan Nikolajewitsch Koroljow:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%BB%D1%91%D0%B2,_%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD_%D0%9D%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%BB%D0%B0%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87
sowie
http://www.podvignaroda.ru/filter/filterimage?path=VS/422/033-0686046-0044%2B010-0041/00000332.jpg&id=46810440&id1=f0b46a0804cc79c060d250ca5b12e125

[6] Zur Person von Grigori Sergejewitsch Lukjanenko:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9B%D1%83%D0%BA%D1%8C%D1%8F%D0%BD%D1%87%D0%B5%D0%BD%D0%BA%D0%BE,_%D0%93%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%BE%D1%80%D0%B8%D0%B9_%D0%A1%D0%B5%D1%80%D0%B3%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87
sowie
https://1941g.wordpress.com/about/%D0%B3%D0%B5%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%B0%D0%BB%D1%8B-%D0%B8-%D0%B0%D0%B4%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%B0%D0%BB%D1%8B-%D0%BB/%D0%BB%D1%83%D0%BA%D1%8C%D1%8F%D0%BD%D1%87%D0%B5%D0%BD%D0%BA%D0%BE-%D0%B3%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%BE%D1%80%D0%B8%D0%B9%D1%81%D0%B5%D1%80%D0%B3%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%871902-1967/

[7] Vgl. Shukow, S. 113.

[8] Zur Person von Grigori Wasiljewitsch Godin:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D0%BE%D0%B4%D0%B8%D0%BD,_%D0%93%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%BE%D1%80%D0%B8%D0%B9_%D0%92%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BB%D1%8C%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87

[9] Zur 328. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/328-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F_(2-%D0%B3%D0%BE_%D1%84%D0%BE%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F)

[10] Zur Person von Iwan Grigorjewitsch Pavlovskij:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B0%D0%B2%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9,_%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD_%D0%93%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%BE%D1%80%D1%8C%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87_(%D0%B3%D0%B5%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%B0%D0%BB)

[11] Zur 132. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/132-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F

[12] Zur Person von Iwan Wladimirowitsch Solowjow:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D1%8C%D1%91%D0%B2,_%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD_%D0%92%D0%BB%D0%B0%D0%B4%D0%B8%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87_(%D0%93%D0%B5%D1%80%D0%BE%D0%B9_%D0%A1%D0%BE%D0%B2%D0%B5%D1%82%D1%81%D0%BA%D0%BE%D0%B3%D0%BE_%D0%A1%D0%BE%D1%8E%D0%B7%D0%B0)

[13] Zum 125. Schützenkorps:
http://www.edinainedelima.ru/sssr/korpusa/125-j-strelkovyj-korpus-sssr/

[14] Andrejew, Andrej M.: Ot pervogo mgnoveniya, Moskva (Voyenizdat) 1984, S. 53.

[15] Am 25. April 1945 wurde der Eigentümer des Hotels „Adlon“ in Berlin, Louis Adlon, in Neu Fahrland von Angehörigen der Roten Armee festgenommen und zum Stab der 47. Armee nach Falkensee gebracht. Adlon hielt sich in der seiner Ehefrau gehörenden Villa, die „Villa Adlon“ auf und wurde vermutlich Opfer eines sprachlichen Mißverständnisses. Am 7. Mai 1945 ist er in Falkensee im Alter von 71 Jahren unter bislang ungeklärten Umständen verstorben. (Vgl. dazu: https://www.tagesspiegel.de/berlin/familiensitz-in-neu-fahrland-adlons-schicksalsvilla/7608424.html)

[16] Zur Person von Andrej Matwejewitsch Andrejew:
https://en.wikipedia.org/wiki/Andrey_Matveyevich_Andreyev

[17] Zur 60. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/60-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F_(2-%D0%B3%D0%BE_%D1%84%D0%BE%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F)

[18] Zur Person von Georgij St. Iwanow:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2,_%D0%93%D0%B5%D0%BE%D1%80%D0%B3%D0%B8%D0%B9_%D0%A1%D1%82%D0%B5%D0%BF%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87

[19] Zur 76. Schützendivision:
http://www.pobeda1945.su/division/967

[20] Zur Person von Andrej Nikititsch Gervasijew:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%93%D0%B5%D1%80%D0%B2%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%B5%D0%B2,_%D0%90%D0%BD%D0%B4%D1%80%D0%B5%D0%B9_%D0%9D%D0%B8%D0%BA%D0%B8%D1%82%D0%B8%D1%87

[21] Zur 175. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/175-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F_(3-%D0%B3%D0%BE_%D1%84%D0%BE%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F)

[22] Zur Person von Zakhari Petrowitsch Vydrigan:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%92%D1%8B%D0%B4%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%B0%D0%BD,_%D0%97%D0%B0%D1%85%D0%B0%D1%80%D0%B8%D0%B9_%D0%9F%D0%B5%D1%82%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87

[23] http://www.pobeda1945.su/division/12124

[24] Vgl. Andrejew, Andrej M., a.a.O., S. 52.
Die ihm zur Verfügung gestellten topographischen Karten waren in den ersten Monaten des Jahres 1945 erstellt worden. Genutzt wurden dafür aber Informationen aus deutschen Karten, deren jüngste von 1937 bzw. 1938 waren. Teilweise wurden auch weitaus ältere Karten in die Herstellung der eigenen einbezogen.

[25] Ebenda.

[26] Der Führungspunkt der 47. Armee befand sich seit dem 21. April 1945 in einem in Falkensee gelegenen Objekt. Nach der Eintragung in einer operativen Karte kommen zwei Objekte in Betracht:  Villa Rheinstraße 86 (https://www.schacher-immobilien.de/objekte/beeindruckend-schoenes-jugendstil-juwel-von-1898-in-spitzenlage-von-falkensee-falkenhain_2385.php) bzw. die heutige Forstschule Finkenkrug (https://falkenseeaktuell.de/2013/05/09/forstschule-finkenkrug-kummert-sich-um-die-weiterbildung-lernende-forster/).

[27] Ebenda.
Friedhild-Andrea Anders schrieb 1999:
Die politische Führung der DDR gefiel sich darin, die Rote Armee zu glorifizieren. Die Sowjetarmee habe den Park von Sanssouci umgangen, um die Schlösser zu schützen, hieß es bereits 1951 in der Zeitung „Märkische Union“. Bei jedem runden Jahrestag der Befreiung vom Faschismus wurde die angebliche Rettungstat der Sowjetsoldaten weiter ausgeschmückt bis hin zur Erfindung eines Spezialbefehls von Stalin zum Schutz von Sanssouci. Um den Antagonismus von Roter Armee und faschistischer Wehrmacht noch stärker zu unterstreichen, wurde die Verminung von Sanssouci durch fanatische Nazis erfunden. Die angebliche Authentizität schien sich durch biographische Skzizzen beteiligter sowjetischer offiziere zu bestätigen. Sowjetunion und DDR hielten ihre Archivbestände und die Menschen ihre Erinnerungen unter Verschluß. Was war wirklich in den letzten Kriegstagen um und in Sanssouci geschehen?
Anders, Friedhild-Andrea: Schlösser in der Stunde Null. Die Berliner und Potsdamer schlösser während der Kriegs- und Nachkriegszeit, Potsdam 1999, S. 35.
Als sie dies niederschrieb, lagen die Erinnerungen von Generalmajor Andrejew schon seit 15 Jahren als Veröffentlichung vor. Wie auch weitere Publikationen, die Details zum Kampf um Potsdam im April 1945 enthielten. Aber keine davon wurde weder ausgewertet noch wenigstens erwähnt. Wie sie schreibt, stützte sie sich bei der Schilderung der Kampfhandlungen im Wesentlichen auf eine Publikation von Arlt/Stang aus dem Jahr 1995. (Vgl.  Anders, Friedhild-Andrea, a.a.O., S. 106, Anm 56.)
Gemeint ist folgendes Buch: Arlt, Kurt/Stang, Werner: Kampf um Potsdam Ende April 1945. In: Brandenburg im Jahr 1945. Studien, hrsg. von Werner Stang unter Mitarbeit von Kurt Arlt, Potsdam 1995, S. 167-194.

[28] ЦАМО, Ф. 359. О. 20165сс. Д 9. Л. 213-217.

[29] ЦАМО, Ф. 309. О. 20165сс. Д. 9. Л. 217.

[30] ЦАМО, Ф. 418. О. 74132с. Д. 12. Л. 109-116.

[31] Ebenda, S. 53.
In der Nacht des 26. Juli wurde Bornstedt von russischen Truppen aus nördlicher Richtung besetzt. In erbitterten Kämpfen zogen sich die deutschen Soldaten nach Potsdam zurück. Nach einem von der deutschen Verteidigung nicht erwarteten Übersetzen von Einheiten der Roten Armee über den Jungfernsee auf die Insel Potsdam befanden sich russische Truppen im Neuen Garten. Nach tagelangem Beschuß, bei dem die Ruinen der Altstadt restlos zerstört wurden, gelang den russischen Kampftruppen ein Übersetzen über die Havel. Die Altstadt wurde besetzt und die deutsche Verteidigung aufgespalten. Ein Teil verschanzte sich in der Berliner Vorstadt, der zweite setzte sich in der Brandenburger Vorstadt fest.
Anders, Friedhild-Andrea, a.a.O., S. 38

[32] Zum 286. Motorisierten Bataillon besonderer Bedeutung:
https://www.moypolk.ru/soldier/yakovlev-artemiy-yakovlevich
sowie
https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=%D0%9E%D0%A1%D0%9D%D0%90%D0%97

[33] Arlt, Kurt/Stang, Werner: Kampf um Potsdam Ende April 1945. In: Brandenburg im Jahr 1945. Studien. Herausgegeben von Werner Stang unter Mitarbeit von Kurt Arlt, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam 1995, S. 179.

[34] Zur 175. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/175-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F_(3-%D0%B3%D0%BE_%D1%84%D0%BE%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F)

[35] Andrejew, Andrej M., a.a.O., S. 53.

[36] Arlt, Kurt/Stang, Werner, a.a.O., S. 179.

[37] Zur Person von Nikolai Seliverstovich Lazebnikov:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9B%D0%B0%D0%B7%D0%B5%D0%B1%D0%BD%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%B2,_%D0%9D%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%BB%D0%B0%D0%B9_%D0%A1%D0%B5%D0%BB%D0%B8%D0%B2%D0%B5%D1%80%D1%81%D1%82%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87
sowie
https://pamyat-naroda.ru/heroes/podvig-chelovek_nagrazhdenie30078040/

[38] Zur 16. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/16-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F_(2-%D0%B3%D0%BE_%D1%84%D0%BE%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D1%8F)

[39] Andrejew, Andrej M., a.a.O.

[40] Zur Person von Iwan Grigorjewitsch Pavlovskij:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B0%D0%B2%D0%BB%D0%BE%D0%B2%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9,_%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD_%D0%93%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%BE%D1%80%D1%8C%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87_(%D0%B3%D0%B5%D0%BD%D0%B5%D1%80%D0%B0%D0%BB)

[41] Zum 9. Garde-Panzerkorps:
https://ru.wikipedia.org/wiki/9-%D0%B9_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D1%8B%D0%B9_%D0%BA%D0%BE%D1%80%D0%BF%D1%83%D1%81

[42] Zur 2. Garde-Panzerarmee:
https://de.wikipedia.org/wiki/2._Garde-Panzerarmee
sowie
https://ru.wikipedia.org/wiki/2-%D1%8F_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B0%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%8F; http://www.2gvta.ru/

[43] Zur Person von Nikolai Denisowitsch Vedenejev:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%92%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D0%BD%D0%B5%D0%B5%D0%B2,_%D0%9D%D0%B8%D0%BA%D0%BE%D0%BB%D0%B0%D0%B9_%D0%94%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D1%81%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87

[44] Zur 1. Garde-Panzerbrigade:
https://ru.wikipedia.org/wiki/1-%D1%8F_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B1%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%B0%D0%B4%D0%B0

[45] Zur 1. Garde-Panzerarmee
https://ru.wikipedia.org/wiki/1-%D1%8F_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B0%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%8F#1-%D1%8F_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B0%D1%80%D0%BC%D0%B8%D1%8F

[46] Andrejew, Andrej M., a.a.O., S. 53.

[47] Andrejew, Andrej M., a.a.O.

[48] Arlt, Kurt/Stang, Werner, a.a.O., S. 179 f.

[49] Zur Person von Hanna Grisebach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hanna_Grisebach.  Ihre Erinnerungen erschienen unter dem Titel: Grisebach, Hanna: Potsdamer Tagebuch. Mit einem Nachwort von Hilde Domin, Heidelberg 1974.

[50] Zum Verleger Ludwig Voggenreiter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Voggenreiter_Verlag sowie https://www.voggenreiter.de/custom/index/sCustom/47.
Ludwig Voggenreiter hatte mit seiner Frau Josepha eine Wohnung im Haus Wörtherstraße 3 und war zugleich Eigentümer des Hauses Wörtherstraße 18, in dem sich der Verlag befand. Hanna Grisebach erwähnt ihn in ihren Erinnerungen auf S. 28 f., kürzt seinen Namen (warum auch immer) mit dem Buchstaben „N.“ ab. Ludwig Voggenreiters Bruder, Hermann, mit dem er gemeinsam den Verlag betrieb wohnte Auf dem Kiewitt 32. Josepha Voggenreiter betrieb in der Brandenburger Straße 23 ein Geschäft für Bekleidung und Sportausrüsrtung.

[51] Welche „Kapitäns“-Familie Hanna Grisebach hier erwähnt, lässt sich nicht nachvollziehen. Nach dem Potsdamer Adressbuch von 1938/39 gab es in den benachbarten Häusern keine Eigentümer, auf die diese Beschreibung zutreffen könnte.

[52] Grisebach, Hanna, a.a.O., S. 27-29.

[53] Andrejew, Andrej M., a.a.O., S. 53 f.

[54] Eine starke Verteidigungslinie entstand auf der Höhe Wildpark – Neues Palais – Straße nach Eiche. Vom 24. Zum 25. April hatte sich kurzzeitg der Führungsstab der Potsdamer Verteidigung, die Korpsgruppe Reymann, im Neuen Palais einquartiert. Er wurde abgelöst durch den Abschnittskommandanten des Verteidigungsbereiches Potsdam. Sowjetische Tieffliegerangriffe am 23. und 26. April sollten die deutsche Verteidigungsfront aufweichen.
Der Schloßoberinspektor des Neuen Palais hörte am 26. und 27. April die erbitterten Kämpfe im Park Sanssouci und am Neuen Palais. Er war besonders beunruhigt, befanden sich doch über 1.000 Personen in den Kellerräumen des Neuen Palais. Am 28. April begannen sowjetische Panzer, das Neue Palais und die Communs zu beschießen. Auf das Angebot eines russischen Parlamentärs, das Neue Palais zu übergeben, durfte der Abschnittskommandeur n icht eingehen. Seine Stellung sollte gehalten werden. Erst als er sich abgesetzt hatte, konnte der Schloßoberinspektor am Kellereingang die weiße Fahne zeigen. Wäre sie auf dem Dach des Neuen Palais angebracht worden, hätten möglicherweise deutsche Truppen das Schloß beschossen.

[55] Ebenda, S. 54.

[56] Vgl. Arlt, Kurt/Stang, Werner, a.a.O., S. 180 f.

[57] Vgl. Tagesmeldung der Heeresgruppe Weichsel vom 24. April 1945. BA-MA/MZwA, WF-03/5088, Bl. 131.

[58] Vgl. Arlt, Kurt/Stang, Werner, a.a.O., S. 172 u. 174.

[59] Ebenda, S. 174.

[60] Zum 10. Garde-Panzerkorps:
http://tankfront.ru/ussr/tk/gvtk10.html
Zum Bestand des 10. Garde-Panzerkorps gehörten folgende Einheiten:
61. Swerdlowsker Garde-Panzerbrigade, 62. Molotowsker Garde-Panzerbrigade,  63. Tscheljabinsker Garde-Panzerbrigade, 29. Garde-Motschützenbrigade, 299. Granatwerferregiment, 1621. Selbständiges Artillerieregiment, 7. Garde-Motorradbataillon, 152. Selbständiges Garde-Nachrichtenbataillon, 131. Selbständige Pionierbataillon, 141. Selbständige Chemische Abwehrkompanie, 769. Selbständige Motorisierte Tankkompanie, 266. Feldreparaturbasis für Panzer, 267. Feldreparaturbasis für Lastkraftwagen, Luftverbindungseinheit, 48. Motorisierte Feldbäckerei, 1930. Feldkasse der Staatsbank, 2737. Feldpoststation.
Kommandeur war Jewtichij Jemeljanowitsch Below. (http://tankfront.ru/ussr/persons/gen-tv/BelovYeYe.html)

[61] Zur 4. Garde-Panzerarmee:
http://tankfront.ru/ussr/ta/gvta4.html

[62] Zur 350. Schützendivision:
https://ru.wikipedia.org/wiki/350-%D1%8F_%D1%81%D1%82%D1%80%D0%B5%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B4%D0%B8%D0%B2%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%8F
Zum Bestand der 350. Schützendivision gehörten folgende Einheiten:
776. Divisions-Veterinärlazarett, 641. Fliegerabwehrkompanie, 1176. Schützenregiment, 1178. Schützenregiment, 1180 Schützenregiment, 917. Artillerieregiment, 268. Selbständige Panzerabwehrabteilung, 416. Selbständige Aufklärungskompanie, 474. Selbständiges Pionierbataillon, 805. Selbständiges Nachrichtenbataillon, 439. Sanitätsbataillon, 432. Selbständige Chemische Abwehrkompanie, 469. Transportkompanie, 305. Selbständige Fluzgabwehrbatterie, 208. Feldbäckerei, 761. Divisions-Veterinärlazarett, 285. Feldpoststation, … . Feldkasse der Staatsbank, Sperrabteilung (https://en.wikipedia.org/wiki/Barrier_troops) , Selbständiges Ausbildungsbataillon, 208. Motorisierte Feldbäckerei (ПАХ (полевого автохлебозавода).

[63] Zur 13. Armee:
https://de.wikipedia.org/wiki/13._Armee_(Rote_Armee)

[64] Zur Person von Grigorij Iwanowitsch Wechin:
https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%92%D0%B5%D1%85%D0%B8%D0%BD,_%D0%93%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%BE%D1%80%D0%B8%D0%B9_%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87

[65] Zum 6. Mechanisierten Gardekorps:
https://ru.wikipedia.org/wiki/6-%D0%B9_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B5%D1%85%D0%B0%D0%BD%D0%B8%D0%B7%D0%B8%D1%80%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%BD%D1%8B%D0%B9_%D0%BA%D0%BE%D1%80%D0%BF%D1%83%D1%81.

Korpskommandeur war Wasilij Ijnatjewitsch Korezkij.
(https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%BE%D1%80%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9,_%D0%92%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BB%D0%B8%D0%B9_%D0%98%D0%B3%D0%BD%D0%B0%D1%82%D1%8C%D0%B5%D0%B2%D0%B8%D1%87)

[66] Zur 61. Garde-Panzerbrigade: https://ru.wikipedia.org/wiki/61-%D1%8F_%D0%B3%D0%B2%D0%B0%D1%80%D0%B4%D0%B5%D0%B9%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F_%D1%82%D0%B0%D0%BD%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%8F_%D0%B1%D1%80%D0%B8%D0%B3%D0%B0%D0%B4%D0%B0
Kommandeur der 61. Garde-Panzerbrigade war Oberstleutnant Wasilij Iwanowitsch Saizew. (https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%97%D0%B0%D0%B9%D1%86%D0%B5%D0%B2,_%D0%92%D0%B0%D1%81%D0%B8%D0%BB%D0%B8%D0%B9_%D0%98%D0%B2%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87_(%D0%BF%D0%BE%D0%B4%D0%BF%D0%BE%D0%BB%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%BD%D0%B8%D0%BA)
Die 61. Garde-Panzerbrigade setzte sich aus folgenden Einheiten zusammen:
Brigadestab, Stabskompanie, 1. Selbständiges Panzerbataillon, 2. Selbständiges Panzerbataillon, 3. Selbständiges Panzerbataillon, Motorisiertes Maschinengewehrbataillon, Fliegerabwehr-Maschinengewehrkompanie, Technik-Sicherstellungskompanie, Sanitätszug.

[67] Eine andere Version dieser Geschichte besagt, dass sich die Aufklärer der 1. Ukrainischen Front in der Nacht vom 26. auf den 27. April im Gebäude der Hauptpost mit Lazebnikovs Stab getroffen und diese über die Stellungen der auf der gegenüberliegenden Havelseite wartenden sowjetischen Einheiten informiert hätten. Ort und Zeitpunkt des Treffens sind aber unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass die Begegnung zu diesem Zeitpunkt im Kommandopunkt des 125. Schützenkorps in Neu Fahrland stattfand.

[68] Die Kämpfe im Raum Potsdam zogen sich bis Anfang Mai 1945 hin. Die Kampfhandlungen erfolgten vor allem an den Übergängen nach Wannsee, insbesondere an der Glienicker Brücke und bei Klein Glieniecke sowie entlang des Griebnitzsees.

[69] Die Informationen zur Frühgeschichte der sowjetischen Stadtkommandantur von Potsdam stellte Bernd Muck aus Kleinmachnow zur Verfügung.

[70] Andrejew, Andrej M., a.a.O., S. 1.

[71] Дубовник Э.: Потсдамский ключ. История одной реликвии. (Dubovnik E.: Potsdamskiy klyuch. Istoriya odnoy relikvii). In: Комсомольская правда (Komsomol’skaya pravda) v. 8. Mai 1965. Übersetzt wurde der Zeitungsbeitrag von Bernd Muck (Kleinmachnow). Zusammen mit anderen Dokumenten machte er die „Märkische Allgemeine Zeitung“ auf diesen Sachverhalt aufmerksam, die am 28. April 2017 darüber berichtete. Siehe: Oelschläger, Volker: Der Schlüssel von Potsdam. In: MAZ v. 28.04.2017.  (Gesehen am 18.05.2020: https://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Der-Schluessel-von-Potsdam)

[72] Zur Person von Dr. Friedrich Bestehorn gibt es nur sehr wenige Informationen, die der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden. Der im Stadtarchiv Potsdam liegende Lebenslauf, den er am 22. Oktober 1945 verfasst hatte, wurde bislang nicht ausgewertet und in die Öffentlichkeit gebracht. Vgl. Stadtarchiv Potsdam, o. Sign., Lebenslauf des Dr. Friedrich Bestehorn, 22.10.1945, Bl. 1 bis 10

[73]Oberbürgermeister Dr. Friedrich Bestehorn wurde am 13. Mai 1945 – zwei Tage vor der offiziellen Ernennung von Oberstleutnant A. S. Werin zum sowjetischen Stadtkommandanten – abgesetzt und von sowjetischer Seite eine offizielle Untersuchung zu seinem Wirken in der zeit zwischen 1933 und 1945 eingeleitet. Am 19. Mai 1945 wurde die neue Stadtverwaltung unter dem 28 Jahre alten Heinz Zahn als Oberbürgermeister vorgestellt.

[74] Zur Person von Hans Friedrichs:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Friedrichs

[75] Zur Person von Emil Stürtz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_St%C3%BCrtz

[76] Zur Person von Karl Scholze:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Scholze

[77] Zur Person von Heinrich Dolega-Kozierowski:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kozierowski

[78] Журналы боевых действий. Дата создания документа: 02.05.1945 г., Архив: ЦАМО, Фонд: 1017, Опись: 1, Дело: 211, стр. 214.

[79] Ebenda.
Ein Name für den Lufwaffenoberst wird in den Unterlagen nicht angegeben. Aber in Potsdam gab es zu diesem Zeitpunkt einen weiteren Oberst: Oberst Georg Lux, Kampfkommandant von Potsdam. (https://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=235082#p2137912). Doch Lux war Heeresoffizier.

[80] Hannah von Bredow wohnte in der Wörtherstraße (Menzelstraße) 15. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_von_Bredow) Ihr Mann, Leopold von Bredow, war Anfang Oktober 1933 verstorben. Sie hatten fünf Töchter und drei Söhne. Siehe zu Frau Bredows Erlebnissen Ende April 1945 den nachfolgenden Text.

[81] Es könnte sich um die Wörtherstraße 18 oder 19 gehandelt haben. In der 18 befand sich der Voggenreiter-Verlag und die 19 gehörte Oberstleutnant a. D. Theobald von Schäfer, Direktor bei der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres. 1949 wohnte er in der Sonnenlandstraße 24. Vgl. dazu: https://www.geni.com/people/Theobald-von-Sch%C3%A4fer/6000000033307141165 . Wer General L. war, muss noch geklärt werden. Aber es könnte sich um eine Verwechslung gehandelt haben und Hanna Grisebach sah Oberst Georg Lux, den Kampfkommandanten von Potsdam.

[82] Grisebach, Hanna, a.a.O., S. 29 – 31.

[83] Möckelmann, Reiner:Hannah von Bredow. Bismarcks furchtlose Enkelin gegen Hitler, Darmstadt 2018, S. 205.

[84] Arlt, Kurt/Stang, Werner, a.a.O., S. 186.

[85] Ludwig Voggenreiter ist hier gemeint. Er wurde 1945 von der Besatzungsmacht verhaftet und zeitweilig im Speziallager Nr. 6 Jamlitz festgehalten. Von dort kam er in das Speziallager Nr. Buchenwald, wo er am 15. August 1947 im Alter von 49 Jahren verstirbt.

[86] Grisebach, Hanna, a.a.O., S. 29.

[87] Möckelmann, Rainer, a.a.O., S. 205.

[88] Zur Person von Dr. Sydney Jessen (geb. 1892) siehe seine eigenen Auskünfte:
„Ich bin nach humanistischem Abitur 1911 als Seekadett in die Kriegsmarine eingetreten. Kam als Lt. z. S. auf S.M.S. Gneisenau 1914 bei den Falklands Inseln in engl. Kriegsgefangenschaft. Wurde noch 1918 Kommandeur der Funktstation Rothenkrug und dann als Oblt. Z. S. verabschiedet.
Nach Studium in Zürich, München, Hamburg promovierte ich 1923 in Berlin zum Dr. rer. pol., war anschließend Privatsekretär des Fürsten v. Bismarck für dessen Tätigkeit als M.d.R. bis zu dessen Übertritt in den dipl. Dienst 1926. Von 1927-1930 war ich Geschäftsführer im Deutsch-französischen Studeinkomitee in Berlin. Übernahm anschliessend ein der Familie gehörendes Weingut in der Markgrafschaft/Baden. Geriet dort unmittelbar nach der Machtübernahme mit dem NS in Konflikt. Als Gründer und Leiter und Mitbegründer von wichtigen Genossenschaften wurde ich aus zahlreichen ehrenamtlichen Stellungen entfernt.
Im wesentlichen aus Sicherungsgründen folgte ich erstmals 1934 der Aufforderung, an Reserveübungen teilzunehmen.
Als ich Ende 1938 von einem befreundeten Admiral aufgefordert wurde, zum OKM zu kommen und da ich den Krieg kommen sah, trat ich Anfang 1939 in die Nachrichtenabtlg. der Seekriegsleitung (3/SKL) ein, als Kapitänleutnant E. Ich erhielt zuerst das Wirtschaftsreferat, dann das für die USA und schliesslich dazu das der Feindlage. 1943 im Dezember wurde z. V. gestellt, weil ich mich weigerte, in das aktive Korps übernommen zu werden.
Juli 44 verhaftet; August 44 aus der Wehrmacht ausgestossen.“

(Archiv Institut für Zeitgeschichte München, ZS-1484-1)

Sydney Jessen beschrieb 1946 sehr ausführlich das Wirken Hannah von Bredows während der Nazizeit:

KKpt. (Korvettenkapitän) Jessen gehörte seit vielen Jahren zu dem Freundeskreis des hauses von Frau von Bredow, geb. Gräfin von Bismarck in Potsdam. Dort war ihm auch ein Zimmer überlassen worden, als er im November 1943 durch einen Luftangriff seine Berliner Wohnung verloren hatte.
Frau von Bredow war die entschiedenste Gegnerin des Hitlertums. Sie machte nie einen Hehl aus ihrer Einstellung und tart mit aller Leidenschaft den Ansichten entgegen, die Hitler selbst entschuldigen wollten und die Verantwortung für die Untaten untergeordneten Organen glaubten zuschieben zu müssen. Ihrer Energie und Kompromißlosigkeit allein war es zu danken, daß ihre Söhne und Töchter sich von den Nazi-Jugendorganisationen, insbesondere dem Arbeitsdienst fernhalten konnten. Mehrfache Denunziationen aus den Jahren 35, 37 und 38 brachten ihr die Drohung der Verhaftung, die während der ganzen zehn Jahre nicht aus dem Bereich der Möglichkeit verschwand. Bei dem Mißbrauch, der von den Hitlerleuten mit dem Namen „Bismarck“ getrieben wurde, wäre eine Verhaftung der Enkelin des Altreichskanzlers ein öffentliches Eingeständnis der Partei geworden, daß diese nicht dem Führer folgte – eine den Nazis untragbar erscheinende Belastung ihrer inneren Propaganda, die u.a. beim Stapellauf des Schlachtschiffes „Bismarck“ sich s. Zt. ausgewirkt hatte.
So konnte Frau von Bredow mit ihren Kindern eine der wenigen Stellen in Deutschland bleiben, an denen die dem Massenwahn nicht erlegenen Menschen stets die Möglichkeit freien Sprechens fanden, um gestärkt und bereichert in ihr jeweiliges Leben zurückzukehren. Man war sicher an jedem Wochenende ältere und jüngere Gäste anzutreffen, die sich um den Eintopf oder um brotähnliche Kuchenstücke versammelten. Mancher junge Franzose gesellte sich hinzu, der zur Zwangsarbeit nach Berlin gekommen war und hier geistige und körperliche Erholung fand. Frau von Bredow gab jedem etwas Helfendes mit auf den Weg und kaum jemand ahnte ihre eigene Überanstrengung durch ihre weitsichtige Vorausschau des Schicksals, dem Deutschland unter Hitler entgegeneilte, durch die immer wiederkehrenden nächtlichen anonymen Störungsanrufe der Gestapo – ein beliebtes Mittel des individuellen Nervenkrieges – durch die gelegentlichen Beobachter des Hauses und Beschatter auf der Straße. Jeder, der dieses Haus in der Wörtherstraße in Potsdam kennengelernt hat und dem diese Zeilen einmal vor Augen kommen solllten, wird sich seiner in diesem Sinne dankbar erinnern. Ein gnädiges Schicksal hat seine Insassen vor dem tragischen Ende so vieler Angehöriger der Widerstandsbewegung bewahrt, wenn auch Frau von Bredow und ihre Töchter in den dramatischen Ablauf der letzten Ereignisse verwickelt wurden.
Kkpt. Dr. Jessen verbrachte seine Wochenendurlaube regelmäßig im Hause von Frau von Bredow, in den ersten Kriegsjahren von Berlin aus, nach Zerstörung des Kriegsministeriums von dem Ausweichquartier des OKM (Oberkommando Marine), das unter dem Tarnwort „Koralle“ bekannt war und in dem nordöstlichen Vorgelände der Stadt lag.
(
Archiv Institut für Zeitgeschichte München, ZS-1484-9 f.)
Sydney Jessen wurde im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 20. Juli 1944 verhaftet und im Gefängnis in der Lehrterstraße in Berlin inhaftiert. Einer möglichen Hinrichtung entging er, „als die Russen am 25. April 1945 Berlin nördlich der Spree besetzt hatten“. Er schlug sich nach Potsdam durch und wohnte während der Kämpofe in der Berliner Vorstadt wieder bei Hannah von Bredow in der Wörtherstraße 15.

[89] Zur Person von Maximilian von Engelbrechten:
Geboren am 3. August 1901 in Bückeburg (Schaumburg-Lippe), wohnhaft in Berlin, Jurist, tätig als Rechtsanwalt, verwaltete ab 1937 sein eigenes Gut in Oppershausen/Celle, ab September 1939 für die Abwehr tätig, ab Herbst 1939 als Sonderführer der Abwehr Abt. III mit der Funktion des Konsuls in das Deutsche Konsulat Genf (Schweiz) eingebaut, Mitglied des Legationsrates des Auswärtigen Amtes, seit 1941 Mitglied der NSDAP, im Frühjahr 1944 Umzug von Genf nach Potsdam, vermutlich Verbindungen zur Widerstandsgruppe um den Chef der Militärabwehr Admiral Wilhelm Canaris. Engelbrechten wurde am 27. Juni 1945 wegen seiner Verbindung zu Canaris in Potsdam festgenommen und am 29. Oktober 1945 aufgrund Art. 58-6 des Strafgesetzbuches der RSFSR vom Sowjetischen Militärtribunal (SMT) der Gruppe der Sowejtischen Besatzungskräfte in Deutschland zum Tode durch Erschießen verurteilt. Vorwurf: Spionage. Das Urteil wurde am 20. November 1945 vollstreckt, vermutlich in der Sowjetunion. Später aus der Haft nach Deutschland zurückgekehrte Diplomaten wollen ihn in Moskau gesehen haben. Das Rote Kreuz Moskau teilte dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) 1957 mit, dass Engelbrechten am 20. November 1945 in Sschodnia „einem Herzinfarkt erlegen“ sei. Die Glawnaja Wojennaja Prokuratura (GWP = Obermilitärstaatsanwaltschaft) der Russischen  Föderation rehabilitierte ihn am 26. Oktober 2001.
(Vgl. Schmeitzner, Mike; Weigelt, Andreas; Müller, Klaus-Dieter; Schaarschmidt, Thomas: Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947). Eine historisch-biographische Studie, Göttingen 2015, S. 121.)
Engelbrechten wohnte ab Frühjahr 1944 offensichtlich mit im Haus von Hanah von Bredow.

[90] Ebenda, S. 206.
Aus einem Text Hannah von Bredows mit dem Titel „Gedanken über das Phänomen Angst“, geschrieben am 26. Januar 1949, geht hervor, dass sich die Kommandantur in der Wörtherstraße befand.
Ich erlebte es mehrmals, dass hohe englische Offiziere, die uns in der russischen Zone besuchten, von russischen Mannschaften der neben unserem Haus liegenden Kommandantur abgeführt und einem Verhör unterzogen wurden. Sie verloren ihre Haltung, folgten den russischen Soldaten, die sie abführten, ohne Widerrede und waren unsagbar erleichtert, wenn sie nach einigen Stunden entlassen wurden.
(Möckelmann, Rainer, a.a.O., S. 256 f.)

[91] Vgl. Stadtarchiv Potsdam, Sign. 400, Stadtbauamt, o. Bl.-Nr.

[92] Vgl. Kürvers, Klaus: Villa Schöningen: Potsdam, Berliner Straße 86. Die Baugeschichte einer „Turmvilla“ von Ludwig Persius. Eine baugeschichtliche Dokumentation, Berlin/Potsdam 1999. Unveränderte digitale PDF-Version von April 2007, S. 103 f.

[93] Vgl. https://www.literaturport.de/literaturlandschaft/autoren-berlinbrandenburg/autor/hermann-albrecht/

[94] https://de.wikipedia.org/wiki/Mi%C4%99dzyzdroje

[95] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Foerster

[96] https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Theodor_Albrecht

[97] Bohle-Heintzenberg, Sabine: Die Berliner Vorstadt. Geschichte und Architektur eines Potsdamer Stadtteils, Berlin 1995, S. 65.

© Dr. Volker Punzel, GeschichtsManufaktur Potsdam (29.05.2020)

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