Von 1970 bis 1981 leitete Erika Herbrig die “Historische Gedenkstätte des  Potsdamer Abkommens. Cecilienhof”. Ab 1960 war sie dort tätig. Wie sie die Zeit erlebt hat und wer vor ihr und danach in Cecilienhof tätig war, ist bislang nicht nachzulesen gewesen. Der Mantel des Schweigens liegt gewissermaßen über diesen Jahren und wird dafür genutzt, Klischees am Leben zu halten oder neue Legenden zu schaffen. Eine sachliche Darstellung der Geschichte des Schlosses Cecilienhof in den Jahren 1945 bis 1990 – dringend notwendig – ist bislang nicht geschrieben worden.

Unter dem Titel “Chefin in Cecilienhof. Die Leiterin der Gedenkstätte Potsdamer Abkommen erinnert sich” liegen mit den Erinnerungen von Erika Herbrig nunmehr Fakten auf dem Tisch, die dafür genutzt werden könnten. Doch das wird wohl nicht geschehen. Das Interesse dafür scheint bei den Verantwortlichen von Schloss Cecilienhof nicht gerade besonders groß zu sein. Was auch Traugott Kreyßing, Schwager von Erika Herbrig, erlebte, als er in der Hoffnung auf Hilfe für die Herausgabe der Erinnerungen seiner Schwägerin dort nachfragte. Dass der sich über 90jährige davon nicht entmutigen ließ, ist höchster Achtung wert und kann nicht genug gewürdigt werden. Im Verlag am Park in Berlin fand er Hilfe und Sachkundige, die den Wert des Manuskriptes erkannten und daraus ein Buch werden ließen.

Auf 154 Seiten gedruckt, liegen die Erinnerungen nunmehr vor und geben einen Einblick in die Arbeit der Gedenkstätte. Besonders wertvoll die Beschreibung der dort tätigen Personen, ob nun in “gehobener Stellung” oder einfach als Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter. Interessant aber auch die zahlreichen Hintergrundinformationen, die so weder in offiziellen Dokumenten noch in den Presseerzeugnissen der damaligen Zeit zu finden sein werden. Erika Herbrig ging in ihrer Arbeit auf, aus Interesse am Gegenstand und aus Pflichtbewusstsein. Sie verzichtete auf Familie und ruinierte ihre Gesundheit. Aber die Freude am Geleisteten ließ sie während des Berufslebens die Belastung verkraften und gab ihr nach dem Eintritt in das Rentnerdasein die Kraft, weiter ein erfülltes Leben zu haben. Im Alter von 96 Jahren verstarb sie 2017 in Dresden. Geblieben sind uns ihre Erinnerungen, von denen nur ein Teil in dem Büchlein nachzulesen ist.

Über die Gründe für die Auswahl schreibt Traugott Kreyßing im Vorwort der Publikation:

Daher entschlossen wir uns, eben jenen Teil ihrer Erinnerungen zu publizieren, in welchem sie ihre Tätigkeit in Cecilienhof schildert. Das ist keine wissenschaftliche Darstellung, kein Abriss der Geschichte des Hauses, sondern ihr subjektiver Blick auf die Jahre zwischen 1960 bis 1981. Ich meine: Es ist eine interessante Ergänzung aller Publikationen, die zum 75. Jahrestag des Potsdamer Abkommens erschienen, und auch eine Quelle für weitere Forschungen.

 

© Dr. Volker Punzel, GeschichtsManufaktur Potsdam (17.11.2020)

Von admin

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