Tania Long, aus Berlin berichtende Korrespondentin der US-amerikanischen Zeitung „The New York Times“ (NYT), hatte am 15. Juli 1945 – vor dem offiziellen Beginn der Potsdamer Konferenz – die Möglichkeit zum Besuch des Konferenzortes. Dieser wurde damals noch als das bzw. als ein Schloss Kaiser Wilhelms II. bezeichnet. Sein eigentlicher Name und die Bedeutung als Wohnschloss für den Kronprinzen Wilhelm und seine Familie war weder den Organisatoren der Konferenz noch den hochrangigen Teilnehmern derselben und schon gar nicht dem darüber berichtenden Pulk der Berichterstatter bekannt oder bewusst.[1] Erst nach dem Ende der Potsdamer Konferenz setzte sich fest, dass die Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof tagte.
Die Besichtigung von Schloss Cecilienhof erfolgte vermutlich im Rahmen eines offiziellen Pressetermins. Das heißt, auch andere große Zeitungen müssen darüber berichtet haben. Tania Long hielt ihre Eindrücke in einem Bericht fest, den die NYT in ihrer Ausgabe vom 16. Juli 1945 veröffentlichte.

Tania Long im Jahr 1945 in der Uniform der Kriegsberichterstatterin.

Leaders will meet in bleak room.
In Potsdam to settle Reich`s fate.

Truman, Stalin and Churchill will enterb y separate doors – Russians daub in star for cloud in painting as symbol.

By Tania Long.
By Wireless to The New York Times.

Berlin, July 15 – The Big Three leaders will begin their series of historic conferences tomorrow in a large oak-paneled room in a building that the Russians have specially outfitted for the occasion in the Potsdam area, west of Berlin. (Press services said that the meetings would be held in a palace of the former Kaiser.)
The room, measuring about fifty by forty feet, contains little furniture beyond a big, round table, covered in dark red cloth, and the chairs required to seat the three chiefs and members of their staffs. There are fifteen chairs around the table and the three in which President Truman, Premier Stalin and Prime Minister Churchill will sit stand out by their greater size and by carved cupids perched on their backs.
The somberness of the room – its color scheme is dark red, black and gold – is unrelieved by groups of American, British and Russian flags placed at the top of the paneling and by two immense chandeliers of wrought iron and glass eight feet in diameter and six feet in height, each with thirty light bulbs.
The room has a vaulted roof with oak beams built between beams painted white. At one end a window thirty by forty feet looks out on a landscaped garden.
The conference room has three entrances. Each of the leaders will enter by a different door for the first meeting. They will be followed by members of their staffs. Only the three Chiefs of State will be driven up the driveway to the terrace of the house, passing the main gates.

Each has consulting room

At one end of the conference room is a door leading to Mr. Churchill`s private consulting room and office, where he can meet with his assistants and discuss with them problems from the British viewpoint.
Beyond this, but not connected with it, is Mr. Truman`s consulting room furnished with a desk, tables and comfortable chairs. Mr. Truman`s office contains a number of books in English. Among the books are Mahan`s „The Influence of Sea Power Upon History,“ which has several uncut pages; Homer Lee`s „The Valor of Ignorance,“ several copies of Will Livingston Comfort`s novels and an assortment of „Westerns“ and novels of the Nineteen Hundreds. Also among them is Martha Dodd`s book on Berlin, „Through Embassy Eyes.“
Each of the three leaders has his own suite of rooms in the building in addition to his office. Mr. Churchill`s is separated from his consulting room. He lives in another wing turned over to the British. Mr. Truman`s is directly above his office and is reached by a small, narrow staircase. Each suite consists of a bedroom, sitting room and bath and has a small private dining room near by. President Truman`s dining room is next to his consulting room and has only four chairs and a small table.
Mr. Truman`s rooms are furnished in a nondescript mahogany.
In another part of the building that can be reached through a long narrow corridor is a huge dining room in which the other participants in the meetings will eat. The room is big enough to seat fifty and is decorated with light wallpaper with a pattern of flowers and pheasants.

Russians switch symbols

A painting in the room showed a dark cloud over a vessel, and the Russians thought that this was not right at a time like this, so they removed the cloud and substituted a large, shining star, which they say is symbolic of Russian-American unity, since a star appears prominently in each nation`s heraldry.
On the third floor of the building are twelve rooms outfitted as offices and one, the largest of all, is a message center. Here are teletypes and telephone switchboards which will connect the Big Three with the rest of the world.
Although private suites have been placed at the disposal of Mr. Truman, Generalissimo Stalin and Mr. Churchill in the conference building, the leaders live in separate villas, as closely guarded as the meeting place. Mr. Churchill and Premier Stalin live about a third of a mile apart. Mr. Truman has a drive of three or four miles to the conference, although is only one-half to three-quarters of a mile away as the crow flies.[2]

Für die Forschungen zum Umfeld der Potsdamer Konferenz ist Longs Information interessant, dass für die Großen Drei – Harry S. Truman (Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika), Winston Churchill (Premierminister Großbritanniens) und Jossif W. Stalin (Regierungschef der Sowjetunion) nicht nur jeweils eine Villa als Residenz für die Zeit der Konferenz eingerichtet worden war, sondern es auch im Schloss Cecilienhof für sie eingerichtete Wohnräume gab.[3]

Die Wohnräume lagen im Obergeschoss des Schlosses. Stalins und Trumans Räume befanden sich über den für sie im Erdgeschoss vorbereiteten Arbeitsräumen und waren von dort aus über eine Treppe erreichbar. Churchill musste sich in den Ostflügel des Schlosses begeben.[4]

Jede Suite bestand aus einem Schlafzimmer, einem Wohnzimmer, einem kleinen privaten Essraum und einem Bad.[5]
Trumans Essraum befand sich im Erdgeschoss und schloss sich an sein Arbeitszimmer an. Es war mit einem kleinen Tisch und vier Stühlen ausgestattet. Sein Beratungsraum verfügte über einen Schreibtisch, einen Tisch und bequeme Stühle.[6] Zu Trumans Büro fand Tania Long die darin von den Einrichtern eingestellten Bücher in englischer Sprache erwähnenswert. Dazu gehörten das Buch „The Influence of Sea Power upon History“ von Alfred Thayer Mahan[7], „The Valor of Ignorance“ [8] von Homer Lea[9], Novellen von dem heute fast vergessenen Schriftsteller Will Livingston Comfort sowie eine Auswahl von „Western“ und von Novellen des 19. Jahrhunderts. Das Buch von Martha Dodd[10] „Through Embassy Eyes“[11] über ihre Erlebnisse in Berlin von 1933 bis 1937 gehörte ebenfalls zu der Ausstattung.

Die Räume von Mr. Truman sind in einem unscheinbaren Mahagoni eingerichtet.[12]

Das Schloss war durch Personal der Sowjetunion für die Konferenz vorbereitet worden.
Den Konferenzsaal beschrieb Tania Long als einen in Eiche getäfelten Raum mit einer Größe von 50 mal 50 Fuß und spärlich möbliert. Einen großen runden Tisch, bedeckt mit dunkelrotem Tuch, umstanden die für die drei Staatsoberhäupter und die Mitglieder ihrer Stäbe vorgesehenen Stühle. 15 Stück plus die drei größeren mit geschnitzten Amor-Figuren auf der Rücklehne, in denen Truman, Churchill und Stalin Platz nehmen sollten.

Das Dunkel des Raumes – sein Farbschema ist Dunkelrot, Schwarz und Gold – wird durch Gruppen von amerikanischen, britischen und russischen Flaggen gebrochen, die oberhalb der Paneele angebracht wurden, sowie durch zwei riesige Kronleuchter aus Schmiedeeisen und Glas mit einem Durchmesser von acht Fuß und einer Höhe von sechs Fuß und mit jeweils 30 Glühbirnen.
Der Raum hat eine gewölbte Decke aus Eichenbalken zwischen weiß angestrichenen Balken. Ein dreißig mal vierzig 50 Fuß großes Fenster an einem Ende des Raumes bietet einen Blick in die Gartenlandschaft..[13]

Der Konferenzraum verfügte über drei Eingänge. So dass jeder Staatschef für das erste Treffen jeweils einen nur für ihn vorgesehenen nutzen konnte. Gefolgt von den Mitgliedern ihrer Stäbe.

Doch nur die drei Staatschefs werden bis zur Auffahrt an der Terrasse des Hauses gefahren, vorbei an den Haupttoren.[14]

Im Erdgeschoss des Westflügels von Schloss Cecilienhof befand sich ein „riesiges Esszimmer“, wo die Konferenzteilnehmer speisen konnten.[15] Die Berichterstatterin sah ihn als groß genug an, um dort 50 Personen zu platzieren. Tapeten mit einem Dekor von Blumen und Fasanen schmückten die Wände des Esszimmers.[16] Ein großes Gemälde mit einem Motiv aus der Seefahrt sollte die Atmosphäre in dem Raum auflockern. Doch die Russen hatten ein Problem: über dem auf dem Gemälde zu sehenden Schiff befand sich eine dunkle Wolke. Das sahen sie als kein gutes Omen und ließen das Gemälde deshalb bearbeiten. Die Wolke wurde durch einen großen, leuchtenden Stern ersetzt. Zur Begründung sagten sie den die Räume besichtigenden Journalisten, dass der Stern die russisch-amerikanische Einheit symbolisiere und in den Wappen jeder Nation ein Stern enthalten sei.[17]

Im Dachgeschoss von Schloss Cecilienhof befand sich der Technikbereich der Konferenz. Zwölf Räume wurden genutzt, für Büros. Der größte Raum war das Nachrichtenzentrum. Hier standen die für die Nachrichtenübermittlung erforderlichen Fernschreibmaschinen und Telefonzentralen, welche die Großen Drei mit dem Rest der Welt verbanden.[18]

Mit den Journalistinnen und Journalisten wird zu dem Pressetermin auch die fotografierende Zunft zugelassen worden sein. Zumindest gibt es Fotos amerikanischer Fotografen von Schloss Cecilienhof und von den vorstehend beschriebenen Räumen, die mit dem Entstehungsdatum Juli 1945 versehen sind. Es gibt aber auch eine sehr gute Qualität aufweisende Aufnahmen der Räume Trumans mit Datum 13. Juli 1945. Hier könnte es sich um einen offiziellen Besichtigungs- und Fototermin für die US-Delegation gehandelt haben.

Trumans Schlafzimmer (im Obergeschoss)

Beide Aufnahmen Juli 1945.

Trumans Salon bzw. Wohnzimmer (im Obergeschoss)

Beide Aufnahmen von Juli 1945.

Trumans Speisezimmer (im Erdgeschoss) 

Foto oben vom 13. Juli 1945, darunter von Juli 1945.

Trumans Arbeitszimmer (im Erdgeschoss)

Oberstes Foto von Juli 1945. Alle anderen vom 13. Juli 1945.

Die Räume für die Delegationsleiter im Obergeschoss des Schlosses Cecilienhof sind nie genutzt worden. Für den Fall, dass sie gebraucht worden wären, standen sie aber vollständig hergerichtet zur Verfügung.[19]

Anmerkungen

[1]Press services said that the meetings would be held in a palace of the former Kaiser.“ (The New York Times vom 16. Juli 1945, S. 2)

[2] Ebenda.

[3]Each of the three leaders has his own suite of rooms in the building in addition to his office.“ (Ebenda.)

[4] „Mr. Churchill`s is separated from his consulting room. He lives in another wing turned over to the British.“ (Ebenda)

[5] „Each suite consists of a bedroom, sitting room and bath and has a small private dining room near by.“ (Ebenda.)

[6] „…Mr. Truman`s consulting room furnished with a desk, tables and comfortable chairs.“ (Ebenda.)

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/The_Influence_of_Sea_Power_upon_History

[8] https://openlibrary.org/works/OL7662951W/The_valor_of_ignorance

[9] https://en.wikipedia.org/wiki/Homer_Lea

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Martha_Dodd

[11] https://openlibrary.org/books/OL6393089M/Through_embassy_eyes.
Deutscher Titel: Dodd, Martha: Meine Jahre in Deutschland 1933 bis 1937. Nice to meet you, Mr. Hitler. Frankfurt am Main 2005

[12] „Mr. Truman`s rooms are furnished in a nondescript mahogany.“ (The New York Times, a.a.O.)

[13]The somberness of the room – its color scheme is dark red, black and gold – is unrelieved by groups of American, British and Russian flags placed at the top of the paneling and by two immense chandeliers of wrought iron and glass eight feet in diameter and six feet in height, each with thirty light bulbs.
The room has a vaulted roof with oak beams built between beams painted white.
At one end a window thirty by forty feet looks out on a landscaped garden.” (The New York Times v. 16. Juli 1945, S. 2)

[14] „Only the three Chiefs of State will be driven up the driveway to the terrace of the house, passing the main gates.“ (Ebenda)
Vermutlich bezieht sich diese Aussage nur auf den ersten Tag der Konferenz? Oder galt das generell?

[15] „In another part of the building that can be reached through a long narrow corridor is a huge dining room in which the other participants in the meetings will eat.“ (Ebenda.)

[16] „The room is big enough to seat fifty and is decorated with light wallpaper with a pattern of flowers and pheasants.“ (Ebenda)

[17] „A painting in the room showed a dark cloud over a vessel, and the Russians thought that this was not right at a time like this, so they removed the cloud and substituted a large, shining star, which they say is symbolic of Russian-American unity, since a star appears prominently in each nation`s heraldry.“ (Ebenda.)
Welches Gemälde das gewesen sein kann, ist noch zu klären. Wie auch die Frage, ob es sich noch in dem 1945 veränderten Zustand befindet oder wieder in die alte Fassung gebracht wurde.

[18] „On the third floor of the building are twelve rooms outfitted as offices and one, the largest of all, is a message center. Here are teletypes and telephone switchboards which will connect the Big Three with the rest of the world.“ (Ebenda)

[19] Alle hier zu sehenden Bilder von den Räumen Trumans im Schloss Cecilienhof werden von der Harry S. Truman Library and Museum in Independence (USA) verwaltet. Von dort stammen auch alle Angaben zum Entstehungsdatum der Fotografien.

© Dr. Volker Punzel, GeschichtsManufaktur Potsdam (09.11.2020)

Von admin

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